Warum sprechen wir denn eigentlich hier immer wie durch eine rosarote Brille? Da wachsen Blümchen und da spriessen Pflänzchen während tausend Arschlöcher auf dieser Welt ihr Geld verlochen und irgendwie überhaupt nicht wissen was Sache ist. Sie reissen sich um teure Schuhe, pflanzen sich einen Monstertruck vors Haus und sind traurig wenn ihre graue Krawatte verschwunden ist, aber was kümmert sie eine gottverdammte Welt, ein gottverdammter Mensch hier und jetzt in der Scheisse oder auch einfach nur ein einzelner Mensch wie ich jetzt hier in einer kleinen Wohnung auf der nie endenden Suche. Ich bin süchtig nach der Gewissheit, dass da irgendwie etwas ist, was mir auf irgendeine Art ein gutes Gefühl verleihen kann, aber wo ist dieses Gefühl, beziehungsweise was kann mir dieses Gefühl geben? Wenn nicht Drogen, wenn nicht Sex, wenn nicht Lust und Abgefahrenheit, wenn nicht Wildheit und Geborgenheit? ja was dann? Eine Welt die dem Menschen nur noch einen rasenden Weg zu einem unbestimmten Ziel bietet, das wahrscheinlich im Abgrund endet, wahrscheinlich damit endet, dass sich jeder einfach mal besinnen muss und sagen muss "nein, jetzt bleibe ich im Hier und Jetzt, jetzt stresse ich nicht, jetzt verdiene ich weder Geld noch sonst etwas, jetzt bin ich erst einmal der Mensch der ich bin" und so erkennt, dass diese Gesellschaft irgendwie einfach scheisse ist.
Ich finde das Internet bietet uns sowas von einer schönen Welt, eine Welt, die vom Spam regiert wird, vom Nonsens. Was ich den Nonsens liebe!!! Nonsens ist so etwas wie eine Bestätigung dafür dass nicht alles in dieser Welt eine gottverdammte Bestimmung haben muss, dass es trotz allem noch millionen von Menschen gibt, die einfach mal labbern können und in dem ganzen Unsinn eigentlich den tiefgründigsten Sinn des Universums entdecken: Das Chaos und die Unbestimmtheit. Und so kommen wir wieder zur rosa Brille, zur gesellschaft die ferngesteuert von A nach B rennt und Geld verdient, einen Tagesrhythmus hat, aufstehen, konsumieren, arbeiten, konsumieren, arbeiten, konsumieren, abhängen, schlafen und irgendwie dreht sich alles im kreis, irgendwie kommt Mensch nicht auf einen grünen Zweig, was ihm egal ist. Ja, die Welt ist tatsächlich sinnlos und somit ist auch das Leben sinnlos, ausser man betrachtet das Leben als einen Teil des Chaos und als eine Aufgabe, das Chaos zu ergründen, die Unbestimmtheit zu akzeptieren, ja sogar zu fördern.
Ja, ich bin wütend, ich bin sehr sauer, aber nur innerlich. Ich spüre ein Reissen, eine innere Unbefriedigung, weil das Leben mir noch nicht meinen Weg gezeigt hat. Ich suche ihn, aber ich finde ihn nicht, bis heute nicht. Ich fühle tief in mir drin eine Botschaft, die aber nichts mit Konsum/Leistung/Stress/ferngesteuertes umherrennen zu tun hat, sondern mit dem Sein des Menschen, das urtümmlichste Sein des Menschen, der Existenz überhaupt. Ich würde ja sehr gerne einfach nur sein und suchen nach den Gründen und den Wegen des Chaos, aber da drückt immer wieder die Gewissheit herein, dass das SYSTEM das nicht will. Das SYSTEM will Ameisen, die den Bau "Welt" irgendwo hinführt, wohin weis keiner so genau. Geld, Macht, Vernetzung, Politik etc. und alles führt dahin, dass der Mensch seinen verschissenen Pflichten nachgeht und sich nichtmal im Entferntesten fragt "warum eigentlich sein und immer meinen, das sei es und das wird immer so sein".
Natürlich gibt es all die Alternativen und all die Grünen, Anarchisten, Sonnenanbeter und Blümchenpflücker, Anthroposophen und Lichtesser, Gurus, Goas und andere Shaker, Raver, Technohüpfer und soweiter und sofort, aber das ist doch auch alles eine Scheinwelt, die gehen doch auch alle dem SYSTEM gemäss einer Arbeit nach die Geld bringt, die Befriedigt und dem Leben einen vermeintlichen Sinn gibt. Und dann? Konsum, Arbeit, Abhängen, Abschalten. Es heisst ja nicht umsonst "abschalten", Mensch will ja fliehen von der Welt, Mensch will davonfliegen und sich von den blöden unangenehmen Konfrontationen lösen, damit er mal Ruhe hat.
Und jetzt? Selbstmord? Einschlafen und morgen wieder aufstehen, sich fragen was wie wo warum um eigentlich schlussendlich wieder auf den selben Punkt zu kommen: Das Leben geht weiter, aber es ist zu langweilig und zu geordnet um interessant zu sein.
Dann gibt es noch die Verschwörungstheoretiker und die UFOlogen, die Vampire und Drachen, Satanisten, Geister und gespenster und andere Dinge die niemand wahr haben will, weil sie nicht da sein dürfen. Das SYSTEM lässt es nicht zu, also wird es zu Wahnvorstellungen, Flugzeugen, Wolkenformationen etc. Warum? Endlich wäre die Welt mal interessanter, endlich wäre da mal was, woran Mensch sich klammern könnte und zur Gewissheit kommen könnte "ja, da ist noch was, da sind nicht nur wir, das Chaos ist da es existiert, es ist unergründlich".
Beschäftigungen: Internet, surfen bis zum wahnsinnig werden, herumklicken bis zum verblöden. Second Life zeigt uns wohin das virtuelle Leben führt. Ach wäre ich doch ein Second Life Avatar. ich könnte stundenlang an einem Ort stehen und die Arme hängen lassen, ich könnte fliegen, während 10 Stunden tanzen ohne Drogen zu nehmen, ich müsste weder essen noch sonstwie konsumieren, ich würde nur ein wenig Speicherplatz auf irgendeinem gottverdammten Server verbrauchen. Hehe, Matrix lässt grüssen.
Aber was will ich eigentlich? ich will leben, ich will ruhen können, stundenlang sitzen können und nichts müssen, tagelang irgendwo rumspazieren können und nichts müssen, ungehemmt nackt nach draussen gehen können, einfach leben, einfach leben, einfach leben, malen, Musik hören, meditieren, einfach sein und nichts anderes.
Arbeit/Stress/krampfhafter Konsum, weg damit, das ist alles sinniges Beigemüse, unnötiger Quark. Was soll ich nur tun? Wohin führt mein Weg mit solchen Gedanken im Kopf? Fragen über Fragen, doch wer wird uns die Antwort sagen?
*deprimierte Phase off*

