Saphira hat geschrieben: Aus dem Tagebuch einer frustrierten Pendlerin

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...hallo pendlerin...der folgende text sollte von dir wie von allen anderen gemieden werden, falls sie keinen platz für humor aufweisen...es würde auch nichts bringen, ihn zu lesen und irgendetwas daraus anzuwenden, da teilweise blühende fantasie, und sonst echte, erlebte situationskomik dahinter steckt...in welchem verhältnis die zueinander stehen, dass kann die leserschaft frei entscheiden…
Saphira hat geschrieben: Da steht man also auf dem Perron und wartet auf seinen Zug. Mindestens von einem anderen Reisenden wird man erstmal von oben bis unten gemustert.….
...dies gefühl ist mir wohlstens bekannt...mich mustern mindestens täglich irgendwelche mädchen und damen...es kann einen mann auch verunsichern, vor allem wenn er sich der gründe des von unten-bis-oben-angestarrt-werdens nicht sicher ist...im sommer denke ich: wau, geil, so muss sich mister williams auf der bühne fühlen - so hoch zehntausend...ganz zu schweigen von den aufkommenden, kurzzeitig befriedigenden gefühlen, und der illusion, dass es noch frauen auf der welt gibt, die auf einen strich in der landschaft fliegen würden, wenn MANN sie bloss liesse...eines harten winters kam dann die erkenntnis, dass die gründe für die kostenlosen blicke an meinem markenzeichen liegen müsste: den stets offenen schuhbändeln...über diese enttäuschung habe ich mich nicht einmal mit meinen besten kollegen auszutauschen gewagt - solch eine pain quält mich dabei...wie machen das die anderen? die meisten tragen doch auch schuhe, die zugeschnürt werden wollen...wenn ich mich mal getraue zu güxen - der rest der welt ist stehts zugeschnürt...ich wollte da dranbleiben, und ging eines wunderprächtigen tages barfuss auf den zug...jetzt konnte ich niemanden mehr in der menge ausmachen, der mich nicht anglotzte...zugegeben, meine füsse sind wohl das schönste, was mir meine eltern mit auf den weg gegeben haben - aber, dass ich nur noch von unten bis fussknöchel angestiert wurde, und zwar von allen, das war meinen füssen des guten zuviel...nie wieder...meine neuste methode, um den lüsternen musterungen aus dem wege zu gehen ist so simpel wie günstig...ich fange dann demonstrativ mit angriff ist die beste verteidigung an...setze meinen musterndsten blick auf, blicke mit 30° zur seite geneigtem kopf halb auf-, halb abwertnd die anhimmlerin an - dabei die von ihr weiter entfernte augenbraue geschickt langsam hochziehend...wirkt wunder...wenn sie dann noch blickt, dann, tja dann bleibe ich halt mit meinem blick fast auf schulterhöhe stecken, dort wo bei den frauen theoretisch mehr vorhanden sein sollte – ihr wisst schon…noch spüre ich ihren mich eisern durchbohrenden blick…jetzt ist der augenblick der wahrheit gekommen…ich sehe ihm tapfer ins gesicht…ähm…wau…bin hin und weg…die dame ist vom typ traumfrauschlechthin, und lächelt auch noch mich an, da weder vor- noch hinter- noch neben oder auf mir steht…ich denke mir: quatsch sie an – aber, schon zu spät…sie kommt auf mich zu…hilfe…so müssen sich unsere vorfahren wohl bei einer mammut-jagd vorgekommen sein – auf der sie den letzten überlebenden gemimt haben…sie kommt also noch einen schritt näher, immernoch lächelnd, und deutet auf…MEINEN SCHUHBÄNDEL!!! na toll…die worte könnt ihr erraten, denn ich mag sie weder hören noch schreiben…als ob das nicht peinlich genug wäre, nein, es war auch noch höchste zeit, die vergessen gegangene augenbraue wieder langsam zu senken…
Saphira hat geschrieben: Der Zug ist da.
…freude herrscht…
Saphira hat geschrieben:Danach im Zug, 50% der Plätze sind noch frei, und trotzdem kann man nirgends mehr sitzen – Was ist hier falsch?
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…könnte sein, dass wir zu verwöhnt sind, wir aus dem zahmen westen…manchen von uns reicht nicht einmal dieses privileg, dass die hälfte der plätze noch frei sind…hier bleibt uns zu hoffen, dass uns die zustände aus manchen drittwelt-ländern bald erreichen…dort sind die busse nur zu 300% bestetzt, aber es wird einem sogar geholfen, sich irgendwo aussen anzubringen, und das bei einer bus-takt-frequenz von drei wochen – wenn überhaupt…na, gut, ok – hier würde womöglich das argument ziehen, dass die nicht zur arbeit pendeln, da sie ehe keine haben…wie sie dann noch auf die idee gekommen sind, sich mehrere kinder anzueignen, das bleibt mir und meinem rationalen dingsbums wohl für immer und ewig ein rätsel…und freundlich sind die da…auch wenn ich eine handtasche hätte, die würden sie mitnehmen…der bus – wobei, darf man dem so sagen? das ding versucht unter der last der orgie loszurollen, und für einen bruchteil eines tages fühle ich mich als mensch, so wie dies in der s-bahn nie der fall sein dürfte – trotz der zahllosen unidentifizierbaren gerüche, die mich umgeben, trotz des aneinanderreibens mit mammasittas, die mit brüsten ausgestattet sind, als würden sie mit in bisschen wärme gleich in die luft zu steigen gedenken, trotz des billig-alkohol- und zigarrengeschmacks, trotz all des lebens, dessen ich mir bewusst werde, ich verwöhnter s-bahn-prinz…in dem moment entdecke ich eine junge touristin, die genauso ins bild passt, wie ich…erleichterung…ein stück heimat…auch wenn das letzte, woran ich mich erinnern möchte – na was wohl – heimat ist…sie sieht wie ich verloren, aber glücklich aus – was wohl kaum damit zusammenhängen sollte, dass wohl seit geraumer zeit für diesen bus niemand ein entgeld geleistet zu haben scheint…ja, jetzt weiss ich wieder: ich bin ein mensch – ich muss ein mensch sein…
...wird fortgesetzt...