Ausbruch

Mysteriöse Erfahrungen, Weisheiten, Rätselhaftes.
Fallen Angel 2

Ausbruch

Beitrag von Fallen Angel 2 »

Ursprünglich habe ich das im Goapartys Thread geschrieben, aber es ist an und für sich ein neues Thema. Daher ein neuer Thread. Das Thema ist auch inspiriert durch den Steppenwolf, den ich gerade zum ersten Mal lese, und Seite für Seite voller Staunen bin, was darin enthalten ist.

Ich möcht doch nochmals anknüpfen an der Diskussion von den "armen" Zürchern. Vielleicht sollte man diese Beschreibung erstmal auflösen, und ersetzen duch den armen "Bürger". Denn Zürcher zu sein, ist noch lange kein Merkmal in irgendeiner Art und Weise in etwas gefangen zu sein, das man als Routine bezeichnet. Auch ist es keineswegs so, dass in Zürich in Ausgang gehen, ein zwangsläufiges Merkmal für einen routinierten Menschen ist. Nein, diese Erklärung ist sicherlich falsch und irgendwo durch auch etwas arrogant.

Und dennoch bin ich durchaus der Meinung, dass es eine Routine gibt. Die allenthalben überall auf der Welt ausgelebt wird; von Menschen erschaffen, die bei Michael Ende's Momo die grauen Männer genannt werden, und die in dieser Routine verhaftet sind, aus Selbstschutz. Denn es ist ein Schutz, bürgerlich zu leben, seinen Tagesablauf durchgeplant und optimiert zu haben. Man ist gefeit, vor allzu grossen Fragen, die man Zitat: "ja doch nicht beantworten kann". Es ist durchaus nicht falsch, jedenfalls nicht aus der Sicht eines routiniert zufriedenen Menschen (auf Englisch: content people).

Der Zufriedene - das ist das Wort das wir hier suchen, und auch wenn sich Zürich und Zufrieden doch recht ähnlich ausnehmen, ist gerade Zürich, Gotham City der Schweiz, vermutlich definitiv das falsche Beispiel. Also weg von Zürich-Usgang, hin zu den Zufriedenen Menschen.

Genügsam, Karrierebewusst, Familienbewusst, fromm, höflich, anständig - anständige gute Bürger. Nichts davon ist schlecht. Darf auch nicht schlecht sein, höchstens im Sinne von Doppelmoral, aber selbst das leben sehr wenige wirklich aus. Nein, die Zufriedenen wären nicht zufrieden, wenn ihr Leben unstet wäre, doch sie sehen auch keinen Sinn darin, es in irgendeiner Form zu verkomplizieren und zu extremisieren, sie leben bescheiden und tugendhaft, sofern die Tugend nicht überhand nimmt, und sie in ihrer Alltäglichkeit nicht bedroht werden.

Dies ist die Routine, die hier angesprochen wurde, das ist der Stillstand, der fernab von einem echten Erlebnis, ausserhalb der Marketing-Massnahme des Erlebnis-Einkaufs, existiert. Dahinvegetierend, faulend, bis man eines Tages stinkend in einem Altersheim beim Bingo punktet und auf den Tag wartet, wenn das Leben sich wieder dem Lebensrad aussetzt, und man erneut in eine Existenz geworfen wird, die einen dazu bringt, alles Talent und alle Lebensfreude aufzugeben, für die Zufriedenheit, die Opferlosigkeit! Das Leben in einer behüteten Werkstatt von Arbeit und Usgang, worin vielleicht auch mal der eine oder andere Alk-Absturz drinliegt, man einmal einen "dummen Spruch" wagt, oder gar mal "über die Stränge schlägt" - willkommen in der Welt des Zufriedenen! Erneut und immer wieder, bis die eigene Seele sich aufbäumt, wie sie es zuletzt vielleicht mit 14 gemacht hat, vielleicht auch nicht, und ruft: das ist mir nicht genug!

Genug ist zu wenig! ich will mehr, ich will über den Egozustand meines Daseins hinauswachsen, und erleben was es heisst, tiefsten Schmerz zu erleiden, höchstes Glück zu erfahren, ich will leben und nicht vegetieren, wie ein weisses Schaf auf der Weide, nein ich will hinausgeworfen werden, in eine Welt jenseits des nächsten Rab'schen Maschendrahtzauns, in eine Welt von Tumulut und Wahrheit und Lüge und Verleugnung, in eine Welt in der das Leben noch lebt, und sich seiner selbst nicht genügt.

Darin liegt die Kraft all dessen, was sich wagt, über das hinauszugehen, was Sittsam und gesetzestreu ist, die sich abnabelt und neue Wege geht.

Leicht wird einem das jedoch niemals nicht gemacht.

Denn die Verhaftung im Zufriedenen ist allzu gross, ist allzu bindend, wird mit Erziehung bereits sehr gefestigt, und erst das Angebot der "westlichen" Welt mit den neuesten technischen Errungenschaften Blue Tooth, Internet und was es noch alles gibt. Diese Entwicklung existiert ganz real und sie ist verführerisch und sie verführt, sie ist Opium für's Volk - immerzu, immerdar, nur die Bezeichnung wechselt, und wer genau darauf achtet, merkt auf einmal, dass was einst als Opiat verabreicht wurde, sich verwandelt hat, und neuerdings abgelehnt wird, von denen, die zufrieden sind, in ihrer Ignoranz des Wandels, die nötig ist, um glücklich zu sein, mit dem, was man hat.

Haben. Alles was Du besitzt, besitzt Dich, es sind die Fesseln mit denen wir uns freiwillig festschnüren, um Halt zu haben. Ein Apfelmännchen des Stillstands - auf den ersten Blick unendlich und auf den zweiten immergleich.

Dies zu durchbrechen, womit auch immer, mit Musik, mit Kunst, mit Literatur, mit Rausch, mit neu verstandener Spiritualität - immerzu unter der Gefahr lebend, aus-zu-stürzen - dies ist der Weg zu einem Leben, das voller und intensiver ist, als jede Geranie, die jemals gepflanzt wurde. Vielleicht der erste Schritt hinein in eine Welt des Wandels? Eine Welt der radikalen Umgestaltung von allem, was wir heutzutage als "angenehm" empfinden, hinein in eine Welt, in der Liebe und Schmerz Hand in Hand gehen, und sich erfüllen, in einer Welt der fortschreitenden Progression?

Vermutlich nicht - die Welt bleibt Welt, wird immerzu Welt sein, doch wenn Du Dich in dieser Welt nicht heimisch fühlst, dann finde Deine eigene Welt, zwar massgeblich in Dir, doch nicht allein, denn das Äussere führt uns fort von einem Ego-Bewusstsein, das verstärkt auch nicht besser ist, als schwach. Hinein in die Wahrheit dessen, dass es keine gibt. Hinein in die Gesetzmässigkeit, dass jede Gesetzmässigkeit in sich unschlüssig ist, unerklärt - immer zu neu, je nach Standpunkt anders formuliert, Konventionen die keine mehr sind, indem sie nach Situation angepasst werden, an den eigenen Lebensweg, der mehr ist, als der schleichende Tod der Zufriedenheit.
Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

Mir kommt da gerade noch was in den Sinn - was auch schon (mehrmals) besprochen wurde - das Vorurteil. Das in seiner ganzen unschönen käferartigen Substanz durch dieses Thema trieft. Es darf nicht ein Vorurteil bleiben, noch nicht einmal im Mitleid verharren. Es genügt nicht zu rufen, "die sind doof". Diesen Fehler machen die meisten, mich eingeschlossen (wie man oben gut nachlesen kann :-D ).

Ja es ist Ablehnung des Stillstands. Doch nicht Ablehnung der Personen, die so leben. Im Stillstand. Denn diese Menschen haben für sich eine ganz andere Form von Wahrheit gefunden, diejenige, dass es einfacher ist, so zu leben, als etwas anderes anzustreben. Sie SIND genügsam, was in sich eine Tugend darstellt, also durchaus mit dem Stillstand eine Vernunftehe eingegangen ist.

Und doch gibt es genug Menschen, die mit all dieser koordinierten, festgelegten, stillstehenden Lebensweise nichts anfangen können. Ihnen gilt dieser Thread. Nicht denen, die "in der Matrix" bleiben wollen. Willst Du die blaue oder die rote Pille? Willst Du in den Kaninchenbau gehen? In Hesses Magisches Theater? Willst Du das wirklich?

Wenn ja, so mach Dich auf den Acker. Geh hin und suche nach Deiner Wahrheit, finde sie in Dir, und in jeder Blume in jedem Gemälde in jedem Lied, open your eyes! Diese Wahrheit findest Du überall. Wenn Du dich auf sie einstimmst. Anfänge dazu finden sich durchaus im Protest und in der Ablehnung, dessen was "normal" ist. Im Protest zu verharren, ist jedoch gleichbedeutend mit unterstützen. Warum? Weil der Stillstand auch den Protest braucht, um zu existieren, davon lebt, dass es Menschen gibt, die sich öffentlich nicht damit einverstanden erklären, und im Grunde genommen auch nur eines der Zahnräder dieser mächtigen Maschine sind.

Diese Menschen aber, haben die Macht, auszubrechen. Hesse sagt, man müsse Humor entwickeln (habs noch nicht fertig, daher ist dieser Thread auch "in progress" aber ich muss das einfach loswerden ;) ), und die Extreme der Heiligen und der Wüstlinge mit dem Bürgertum verbinden. Ich werde das unkommentiert lassen, weil ich mich (noch?) nicht berufen fühle, zu sagen, ich würde alles verstehen, was er sagen will.

Aber ich mache mich auf den Weg! Ich will nicht mehr verharren in der "wissenschaftlichen" (Pseudo!) Ablehnung von allem, was nicht mit Beweisen untermauert werden kann. Ich brauche keinen Karriereplan, möchte mich lösen, von den Zwängen, und mit einer Art von nüchternem Lächeln betrachten, was ich selbst mache, um mich ständig wieder in dem gesellschaftlichen Rahmen des Stillstands zu begeben. Unabhängig davon, wie oft ich mir auch selbst wieder einmal dabei im Wege stehen mag, einfach zu akzeptieren, dass dies nicht alles ist im Leben.

Es mag ein Leben lang dauern, doch solange ich es immer wieder schaffe, davon loszukommen, mich dem allen "ausgesetzt" zu fühlen, beginne ich mich mehr und mehr davon zu lösen. Ich bin kein Opfer dieser Welt - wenn ich mir nur schon das bewusst machen kann, das ich mir diesen Platz durchaus ausgesucht und ihn gewählt habe, so kann ich ihn letztlich eines Tages überwinden. Vielleicht morgen, vielleicht erst in 10 Jahren.

Vermutlich nicht mal eines Tages, sondern fortlaufend, es ist kein Zustand des Geistes, sondern eine Entwicklung des Mensch seins. Tag für Tag lerne ich diesbezüglich dazu, merke, wann ich mich wieder einmal belüge, oder zumindest nicht auslebe, wie oft ich Scham statt Stolz verspüre, wie oft ich mich diesen Zwängen wieder aussetze, statt sie zu überwinden.

Und wozu das alles? Damit ich meine grössten innersten Kräfte aktiviere und aktiviert halte. Damit ich etwas begreiffe, das ich jetzt noch nicht mal benennen kann. Es gibt mehr, als das, was "man" kennt. Ich möchte herausfinden, was das ist.
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Titali
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Beitrag von Titali »

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WAKE UP!

aber erwarte nicht das, was du dir vorstellst!!! :-k
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Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

„Denk falsch, wenn du magst, aber Denk um Gottes Willen für dich selber.“ - Doris Lessing

Es mag so anmuten, als würde ich all dies gewissermassen abschreiben, und ich gebe zu die Inspiration der vergangenen Tage und das Lesen von Hesse, SIND der Ursprung dieser Gedanken.

Ich frage mich all dies schon so lange, und als ich vor etwa acht Jahren Narziss und Goldmund las, dachte ich auch schon, jetzt hätte ich ES begriffen, DAS ist es, diese Dualität ist der Weltschmerz, der sich über all diese Zufriedenheit legt, wie ein stilles Leichentuch.

Dennoch war ich damals noch lange nicht am Ende meiner Reise. Bin es auch jetzt nicht, so gut und einleuchtend dieser und andere Schriftsteller und Songwriter auch sein mögen, die Erkenntnis selbst, offenbart sich einem nicht durch die Repetition des Wissens anderer. Bedingt selbst erlebtes, selbst erfahrenes.

Diesbezüglich verweise ich wiedermal auf "die Quelle" vermutlich der beste Text den ich jemals geschrieben habe. 100% meine eigene Kreation. Aber leider auch etwas schwermütig, allzusehr im Leiden verhaftet, daher auch mein Bedürfnis mich noch näher an diese Wahrheit zu begeben, herauszufinden, was hinter der Wall eigentlich genau ist. Ich weiss, dass ich unendlich viele Ketten mit mir rumschleppe, ein richtiges Kettenhemd sozusagen - bestehend aus unzähligen Ringen, von Vorurteilen, Urteilen, Verurteilungen, was man ja auch ganz gut in den Politik-Threads, dem Meister der Lügen und ganz besonders extrem im Goapartys-Thread sehen konnte.

Das alles ist so unnötig! Das Leben selbst ist leicht, ist unverfälscht, ist immerzu DA und offenbart sich tagtäglich selbst. Was es braucht ist der Ausbruch aus diesem Kettenhemd.

Doch ohne Zorn - sondern mit Willenskraft. Schmerz zulassen gehört dazu, er zeigt einem auf, wo man noch irrt. Wo man noch festhält. Wo man nicht losgelöst ist. Manche "Fehler" muss man machen, um zu begreiffen. Doch nicht un-bewusst, und aus Dummheit - sondern weil man weiss, es geht nicht anders. Es bedingt diesen Schritt um weiter zu kommen. Um eben nicht stehen zu bleiben.

"Werd mal konkret" hihi, ja, nicht in mystisches Verhüllen und nicht rumbääken wie auf dem Jahrmarkt. Zum Beispiel Talent und Job. Ich mache meinen Job gut, aber ich mache ihn halt wirklich nur gut. Denn er fordert nicht das, was mich berührt und wirklich lebendig fühlen lässt. Er fordert andere Talente, die ich zwar "nachmachen" kann, aber nicht erfüllt ausleben.

Gibt es einen klareren Fingerzeig als diesen Job aufzugeben? Das zu tun, wäre wahnsinnig! Wäre das Ende meiner beruflichen Karriere, wäre auch das Ende eines doch ziemlich gut bezahlten Jobs, der im grossen und ganzen gemütlich ist, wenn auch hin und wieder etwas (psychisch stressig). Doch all das wär noch kein Argument (jedenfalls aus der Argumentation der letzten beiden Beiträge heraus) den Job zu behalten.

Der einzige Grund der mir noch einigermassen wahnsinnig genug scheint, ist dass ich in diesem Job etwas über "die Gesellschaft" lernen kann, das ich an Goapartys (als Beispiel) und in Büchern nicht finden kann. Es als Studienobjekt zu betrachten, was ich mache, bis ich die Kraft habe, das zu tun, was "mir bestimmt" ist. Was auch immer das sein mag.

Auch das ist aber schon wieder Ausrede, ist schon wieder Schwäche und Kapitulation vor der Maschine des Stillstands - und somit eine Art scheitern. Dennoch lasse ich vorerst dieses Scheitern zu, versuche zu begreiffen, warum ich an diesem Punkt scheitere, und ob es überhaupt ein Scheitern ist. Nun ja - doch es ist eins. Es ist einmal mehr Selbstbetrug.

Und doch: wenn der richtige Moment gekommen ist, so werde ich es wissen, wenn ich wachsam bleibe und aufmerksam meine Lebensumstände beobachte und entsprechend handle.

Doch wie sagte Fanta4: "Doch als Spiegel meiner Umwelt und als ihr Produkt beginn ich äh moment, den Moment zu verpassen, wenn ich ständig auf der Suche bin mir nichts entgehen zu lassen."

Natürlich. Und entsprechend seht ihr jetzt auch wie kompliziert dieser Prozess der "eigenen Wahrheit" tatsächlich ist. Es ist auch verständlich warum die Mehrheit der Leute sagt, scheiss drauf, und ihr Leben halt so gut es eben in den Konventionen der Gesellschaft geht, leben.

Doch, da ich andauernd wieder zurückkomme auf das Gefühl irgendwie nicht so ganz ein Teil dieser Gesellschaft zu sein, so sehr ich mich vielleicht auch unterordnen mag, kann ich diese Fragen nicht ignorieren, es ist ein innerer Drang, endlich zu verstehen.

@Titali
Das Bild und Deine Worte passen ausgezeichnet zu diesen Gedanken. O:)
Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

Und noch ein Gedanke, der natürlich nicht von der Hand zu weisen ist, wer sagt denn, dass nicht gerade die "Gefangenen" (vom Wort ausbrechen ausgehend), diejenigen sind, die *es* bereits kapiert haben? Was, wenn der goldene Mittelweg aus allen möglichen Extremen halt eben doch der beste, aufrichtigste, wahrste Weg ist? Würde auch ganz gut mit dem Tao übereinstimmen. Dass unter anderem sagt, dass es nicht ausreicht in irgendeinem Tempel zu hocken und darüber zu sinnieren, sondern dass auch die "Arbeit auf dem Feld" genauso dazugehören. Yin und Yang.

Natürlich ist auch dieser Gedanke in sich zwar schlüssig, aber dennoch nicht ganz vollständig, wenn man die Situation auf dem Planeten so anschaut, und sich doch fragt, wo ist der Ausweg aus dem Werbefernsehen, wo ist der Ausweg aus kriegerischen Auseinandersetzungen, was genau BRINGT das alles, das wir hier auf dieser Welt rumwuseln, wie Ameisen, die ihre kognitive Verbindung zueinander verloren haben?

Was ist mit den Behauptungen von Buddha und Jesus, dass jeder zu so etwas fähig sei? Alles nur Legende? Wo sind die Elfen, die Gnome aus irländischen Sagen? Alles nur Mythologie, eingepfärcht in Wissenschaftlichen Begründungen?

Vielleicht - nur ist die Vorstellung, dass es das gewesen sein soll, einfach allzu erdrückend, allzu düster. Vielleicht nicht für alle, viele finden dieses Leben ja durchaus lebenswert, wenn es einfach so vor sich hinplätschert, doch wo ist denn dann innere Grösse? Wo sind grosse Werke? Was ist mit all diesem Gefühl, von dem wir hin und hergerissen werden? Wo findet da Moral und Sünde noch Platz? Nirgends? In einem Gesetzbuch?

Das alles sind viele Fragen. Und viele Fragen deuten nicht auf viele Antworten, sondern nur auf mehr Fragen. Die Antworten liegen im inneren verborgen, und in dieser Welt. Und wenn es nur so ist, dass jeder Mensch mehr aus sich machen könnte? Ja selbst wenn es so wäre, dass alle bereits ihr innerstes Leben, so stellt sich doch die Frage, warum sind so viele Menschen einfach nur zufrieden - und warum sind andere zwar unzufrieden, aber auch immer wieder sehr frei?

Es ist also durchaus möglich, dass es mehr gibt, als das "bekannte Universum", dass einfach doch noch mehr hinter all dem steckt, und dass dieses Mehr gefunden werden kann.

Oder ich bin einfach langsam total durchgeknallt und sollte keine solchen Bücher lesen. :-D - aber dann wäre mein Leben zumindest in sich urkomisch. O:)
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parity
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Re: Ausbruch

Beitrag von parity »

Fallen Angel 2 hat geschrieben: Genug ist zu wenig! ich will mehr, ich will über den Egozustand meines Daseins hinauswachsen, und erleben was es heisst, tiefsten Schmerz zu erleiden, höchstes Glück zu erfahren, ich will leben und nicht vegetieren, wie ein weisses Schaf auf der Weide, nein ich will hinausgeworfen werden, in eine Welt jenseits des nächsten Rab'schen Maschendrahtzauns, in eine Welt von Tumulut und Wahrheit und Lüge und Verleugnung, in eine Welt in der das Leben noch lebt, und sich seiner selbst nicht genügt.

Darin liegt die Kraft all dessen, was sich wagt, über das hinauszugehen, was Sittsam und gesetzestreu ist, die sich abnabelt und neue Wege geht.
8-[ wenn man nur diese 2 absätze betrachtet, könnte man meinen ein junger Nietzsche spreche!

alles in allem: =D> *nachdenk* . mehr kann ich im moment nicht dazu sagen.
Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

Nun dann sollte ich Nietzsche vielleicht einmal lesen - oder wenn ich es so überdenke: vielleicht besser nicht... 8-[

Auch das ist so ...seltsam. Wie soll ich denn all dies erfahren, wenn nicht auch durch die Lehren anderer? Wie viel Inspiration ist nötig, bis man sich selbst inspiriert? Braucht man einen Mentor? Nur einen? oder viele? Muss die ganze Welt zu einem Spiegel der Weltseele werden, bevor man sich selbst erkennt, in allen Facetten?

Ich sollte mal diese Fragezeichensätze lassen, hehe..

Es wäre doch so einfach, ich müsste nur sagen: dieser metaphysische Kram ist quatsch, ich bin jetzt einfach mal ein guter Bürger, und hinterfrage nicht länger. Take the Blue Pill. Vergiss all das einfach. Geh zum nächsten Psychiater, lass Dich mit Pharmazeutika vollpumpen, bis diese Gedanken aus Deinem Hirn gebraten wurden, lass es sein.

So leicht, und so unmöglich für mich. Ich hab das ja immer wieder versucht, einfach eingegliedert zu leben, ein bisschen Zahnrad zu spielen, und den ganzen Scheiss einfach nicht so wichtig zu nehmen.

Ich schaff es nicht. Unter anderem weil ich das auch gar nicht will. Ich sehe doch in den Gesichtern und in den Geschichten anderer, dass es möglich ist, mehr zu sein, als ein weisses Schaf. Oder ein schwarzes Schaf, wenn wir schonmal dabei sind. Kein Schaf mehr zu sein. Kein Lamm das blökt und nur Stumpfsinn rauslässt.

Liest man diese Bücher, hört man diese Lieder - ich mein dann fühlt man doch die Verbundenheit mit irgendwas, irgendeiner roten Pille, irgendeinem "ach übrigens eigentlich ist das im fall so, ätsch".
An diesem Punkt stehenzubleiben kann es nicht sein.

Ich will da raus! Ich will wissen - erkennen - leben.
Sein.

Nicht länger haben, sondern Sein. Nicht länger abschätzen, sondern riskieren. Nicht länger urteilen, sondern selber machen.
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Anam Cara
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Beitrag von Anam Cara »

=D> =D>

unglaublich zusammengefasst.... worte und gedanken die viele menschen beschäftiegen, trotzdem, niemals etwas so derartiges in worte gefasst =D>

spannender gedanke, inspieriert durch all die werke anderer, welche zuvor warscheinlich auch mal inspieriert wurden durch werke anderer... manche besitzen das talent, diese werke zu schreiben, zu vollbringen, während wir sie in uns aufnehmen dürfen....
es ist lange zeit her, wo ich steppenwolf von hesse mal gelesen habe, sehr spannendes, kopfzerbrechendes buch, ich denke, ich habe bis heute noch nicht alles ganz begriffen, vielleicht würde ich es jetz besser verstehen...
geht es nicht um all die tiefen, wo sich ein Mensch hineinversenken lässt ? der mensch selber entscheidet, wo er graben und suchen will, oder auch nicht??
oftmals denke ich wenn wir genügend tief in uns hineinblicken würden, würden sich unsere schätze uns auch offenbaren.... nur habe ich das gefühl, das der mensch in der heutigenzeit immer mehr von sich selbst abgelenkt wierd und somit keine ahnung hat, wer er in wirklichkeit ist... ausser irgendein parasit O:)
ihm fehlt die zeit für sich selbst, realisiert es aber eigentlich nicht wirklich ... denke, kaum ein mensch mag einsam sein, keine stunde, keinen tag und schon gar nicht eine woche... er wird zuerst verzweifeln und sich fragen was das ganze soll und weshalb er eigentlich so mühe hat, mit sich selbst zu sein ...!!??
weil er ständig einfach abgelenkt ist von sich selbst.... stänig in etwas hineinflüchtet um sich möglichst nicht mit sich selbst konfrontieren zu müssen.... schrecklich traurig.....
all diese werke zeigen für mich eine einsamkeit der menschen und ein gedanke der einmal vertieft wurde.... eine vertiefung die die eigene inspiration entfesselte von den einsamen momente und kämpfe im leben...
die auch uns weitere gedankenanstösse mit ins leben geben sollten...
ich kann mir vorstellen welche fragen sich in deinem kopf durch ein riesiges labirint begeben und keine aussicht auf ein ende sehen.....
viel verwirrung ist auf dieser welt und nur du allein wirst die wahrheit erfahren, wenn der zeitpunkt da ist. niemand kann dir sagen, was die wahrheit sein wird, nur du selbst wirst für dich deine antwort finden.... manchmal weiss man die antworten doch eigentlich schon, man zweifelt sie nur ständig an, weil es die eigenen sind.... aber lass dich trösten, so geht es vielen menschen auf dieser erde und so mancher der wirklich wahrhaftig gesucht hat, der hat auch gefunden
ich kenne diese ewigen fragereien zu gut und manchmal frage ich mich ob sich das alles wirklich lohnt, ob es mich den wirklich weiterbringt?! den schlussendlich geht es um die gelebte erfahrung die uns weiterbringt, während unser kopf, unser verstand uns ständig einen strich durch die rechnung macht.... kopflastig dieses dasein.... und die gefühle die immer wieder mit diesen schmerzen konfrontiert werden....
der baum der erkentniss.... der baum des lebens.... rot, blau......
erlösung, auflösung...... alles wierd eines tages kommen.... hoffentlich...
niemand ist hoffnungsloser versklavt, als der, der glaubt, frei zu sein..........
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Elias
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Beitrag von Elias »

Ich will da raus! Ich will wissen - erkennen - leben.
Sein.

Raus! alle wollen wir da raus! wegda! RAUS! Tschau! Tschüss und weg... n-smile_2213.gif

:-D
http://www.vimeo.com/elfilmias
http://www.youtube.com/elfilmias

Wage du, zu irren und zu träumen! Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
(Schiller)
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Amanita
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Beitrag von Amanita »

Elias hat geschrieben:
Ich will da raus! Ich will wissen - erkennen - leben.
Sein.

Raus! alle wollen wir da raus! wegda! RAUS! Tschau! Tschüss und weg... n-smile_2213.gif

:-D
http://www.youtube.com/watch?v=rBEdQW9n81k
lg Amanita ૐ

Das Wirkliche ist ebenso zauberhaft, wie das Zauberhafte wirklich ist. (Ernst Jünger)

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Psychobella
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Beitrag von Psychobella »

Elias hat geschrieben:
Ich will da raus! Ich will wissen - erkennen - leben.
Sein.

Raus! alle wollen wir da raus! wegda! RAUS! Tschau! Tschüss und weg... n-smile_2213.gif

:-D


Wohin denn???
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Man bekommt im Leben nicht das, was man sich wünscht, sondern das, woran man glaubt oder was man für möglich hält!
Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

wohin? dahin wo der Regenbogen scheint.
dahin wo unsere Seele hinführt, dahin wo wir eins sind mit dem Universum, eins mit der Kraft unserer innersten Wünsche...
wenn nicht Konvention uns leitet sondern Emotion.
Dahin wo wir uns selbt verwirklichen im Angesicht der Weltseele.
Lasst uns aufbrechen in eine Welt - in unsere Welt - in die Welt die alles verwirklicht, was uns noch unwirklich erscheint.
Drachenherz

Beitrag von Drachenherz »

Wohin?

Dorthin, wo man zu Hause ist...

Dorthin, wo man das Gefühl hat, in Mutter's/Vater's/Sonstwemgeborgenheitgebenden's Armen zu sein. *smile*

:-D *grins rüber zu FA* *gg*
Psychobella
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Registriert: Di 21. Aug 2007, 21:47

Beitrag von Psychobella »

Zu Hause...da kann meine Seele sein, obwohl mein Verstand in Alltagsroutine verhaftet ist.
In den winzigen Momenten, wo ich ich ausschalte, da fühle ich mich daheim, geborgen, getragen von einer liebevollen Kraft...

Nur - wenn ich meinen Verstand ausschalte, wer wäre ich denn noch? Ich identifiziere mich über meinen Verstand, der dafür sorgt, dass ich in diesem, manchmal sehr quälenden, Kreis von Gedanken und Fragen gefangen bleibe.
Es gibt keine Fragen, deren Antwort nicht bereits existiert - in mir. Der Verstand wird die Lösung nicht finden, denn er ist selber massgeblich ein Teil des 'Problems'.
Bücher - können mich unterstützen, mir den Weg weisen. Dadurch kann ich glauben, was die Wahrheit ist, aber wissen kann ich nur, wenn ich die Wahrheit fühle.

Raus...nach Hause...kann ich in jedem Moment...im Tram, im Bahnhof inmitten hunderter hetzender Menschen, bei der Arbeit.
Dafür muss ich weder meinen Job hinschmeissen noch physisch verreisen.
Mein Ziel ist es, diese meine Wahrheit weiterzugeben, statt mich von diesen 'Bürgern' abzugrenzen. Diejenigen, die soweit sind, werden sie als Wegweiser benutzen, ihre eigene Wahrheit zu finden.
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Fallen Angel 2

Beitrag von Fallen Angel 2 »

Mein Ziel ist es, diese meine Wahrheit weiterzugeben, statt mich von diesen 'Bürgern' abzugrenzen. Diejenigen, die soweit sind, werden sie als Wegweiser benutzen, ihre eigene Wahrheit zu finden.
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Weise Worte.
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