wie beschreibe ich einem blinden die fahrbe

Hier kannst Du allg. Fragen stellen.
Antworten
Benutzeravatar
Napf-Zwärgli
Gold Member
Gold Member
Beiträge: 169
Registriert: Di 16. Jan 2007, 17:50
Wohnort: Luzern

wie beschreibe ich einem blinden die fahrbe

Beitrag von Napf-Zwärgli »

salü zäme han gester met paar kolege en onterhaltig gfüert öber blendi mensche. Den hemer eus plötzli gfrogt wie dasmer imene blende mönsch wo set gebort blend esch ond nonie farbe gse het t farbe öberhaub erkläre tuet.

mini frog wöset er vielecht öbis zo dem thema?

freu mi uf es paar interesanti antworte

mfg Napf-Zwärgli by Nada-Brahma
ॐ The Last Maya Dance 21.12.2012 ॐ
Drachenherz

Beitrag von Drachenherz »

Gar nicht...

Oder erklär mal jemandem, der noch nie in seinem Leben eine Banane gegessen hat, wie eine Banane schmeckt?

Aber wenn wir schon beim Farben erklären und diesbezüglichen Fragen sind: Ist MEIN Blau das selbe wie DEIN Blau? :-D
Benutzeravatar
Louitchy
Silver Member
Silver Member
Beiträge: 68
Registriert: Mi 3. Jan 2007, 17:37
Wohnort: I miner Traumwelt
Kontaktdaten:

Beitrag von Louitchy »

Gugus :)

Isch es sehr interessants Thema... i han da dezue mon en Traum gha wo mir sehr genau bliebe isch und mich inspiriert het, en Text z schriibe. Isch chli lang, sorry, aber i find de gad passend zu dem Thema. Villicht magschen ja läse :)

Mit vollem Schein, sanft, doch mit unglaublicher Kraft, das Grün nährend, die Seele berührend, perlt das Sonnenlicht auf die Blätter, die leise im Winde sich wiegend, in hellen Strahlen auflebend ihm danken. Meine Augen weiden sich an den Farben, geblendet der Schönheit des lichten Haines, voller Leben, voller Gefühl, voller Glück. Bilder prägen sich, erfassen meine Seele, tragen sie in die Welt, zu erzählen des Ortes, nichts es gebe das, gleichermassen schön und gleichermassen Frieden ausstrahlend, sichtbar sei für jedermann Augen.

Lange liege ich da, nachsinnend im kühlen, noch taufeuchten Gras, dankbar die frische Luft einatmend, die sich mir bietende Welt aufsaugend in mir, eins werdend mit den Pflanzen, den Düften, den lieblichen Klängen des Vogelgezwitschers in der Eiche vor mir, dem Wind.
Vollkommen scheinen mir die Farben des Herbstes, Liebe sendet mir die Natur entgegen, mit Düften des Paradieses hüllt sie mich ein.
Zeit scheint Illusion geworden, Sorgen nie bestanden. Selbst bin ich der Augenblick, dem zu entweichen mir niemals gelingen wird.

Was bestände noch, wäre da niemand, der etwas wahrzunehmen fähig ist? Fragen wie diese tauchen auf, beantworten sich noch während dem Fragen, da wäre nichts mehr, ziehen weiter, eine nächste Frage windet sich aus dem Fragengewirr.

Während ich liege, versunken in mir, der Welt, den Bildern, nachsinnend und nicht mehr vorhanden in der Welt der Menschen, nur noch in meiner eigenen, erhebt sich die fremde, volle Stimme eines Mannes über mir. Seine Augen sind geschlossen, unverkrampft die Lider schützend über den Augapfel gelegt, als seien sie nie geöffnet gewesen, der Mund eines gütigen Lächelns gewöhnt. Eine Aura der Liebe empfängt mich, weckt Neugierde und Ehrfurcht in meinem jungen, lebensfreudigen Herzen.

Ob ich die Fülle der Natur wahrnähme, die Klänge des Lebens mein Herz erreichten, fragt er, wartet keine Antwort ab, sondern dreht sich mit auf dem Rücken verschränkten Händen von mir weg, der Eiche entgegen, nach wie vor geschlossener Augen. Etwas Besonderes liegt in jeder einzelnen seiner Bewegungen, eine Stille, die alles zu übertönen droht. Wahrlich, dieser Mensch ist einzigartig.

In einem Rausch, noch betäubt der Sinneswanderung, die Seele gefüllt neu entdeckter Weisheiten, geheilt natürlicher Kräfte, stehe ich langsam auf, fühle mich leicht, einer Feder gleich, die, nicht dem kleinsten Lufthauch trotzend, in ungewöhnlicher Sanftheit aufgeweht wird. Frei gelöst die Seele, Fülle im Herzen, trete ich neben den Alten, seltsame Vertrautheit des Fremden gegenüber berührt mein Bewusstsein. Kurze Zeit, lange jedoch bleibt sie an mir haften, stehen wir, schweigend, dem Lied der Natur lauschend.

Ob ich beschreiben könne was ich sähe, ihm in Klängen und Gefühlen zu sehen möglich machen würde, bittet er mich, denn blind sei er, lebe nicht in meiner Welt. Kein Flehen ist in seiner Stimme, einem Lehrers gleich klingt er.

Ich versuche es, lasse die Umgebung auf mich wirken, wandle Farben in Gefühle, das Gelb der Sonne zu Wärme und Fröhlichkeit, die Grüne der Pflanzenwelt zu Frische und Leben, das Hellblau des Himmels zu Weite, Sanftheit und Kühle. Hernach zu Klängen, hohe, tiefe, dumpfe, helle. Jedoch, was immer ich sage, fühle, zu erklären versuche, alles, so scheint es mir, reicht nicht an die Wirklichkeit, nicht einmal mit der Fingerspitze habe ich diese erreicht. Ich werde enttäuscht, kann nicht glauben, zweifle an mir, meiner Sprache. Doch der Alte lächelt, Freude, tief reichendes Glück und seelische Zufriedenheit stehen ihm ins Gesicht geschrieben.

Die Welt eines Blinden, so erklärt er mir wohl gewählten Wortes, sei der meinigen weiter entfernt denn zu glauben ich vermöge. Was man nicht wahrzunehmen fähig sei, bestehe nicht in der persönlichen Welt. Weise hätte ich beschrieben, nicht Helligkeiten noch Farben benutzt, die vorzustellen ihm nicht möglich wären. So soll ich lernen, hingeben mich des Bestehenden, schätzen was zu sehen ich fähig sei.
Ich lausche ihm, Bewunderung, Erstauntheit, Gedanken der Erkenntnis prägen sich in Worten und Farben ein, nie zu vergessen werden sie mir möglich sein.

Ein Nebelschleier schleicht sich an, erst unerkannt, immer dichter werdend, Kühle und Frische über den Hain legend, alles einhüllend, von einander trennend, zu Einsamkeit es zwingend, bis zu sehen mir nicht mehr möglich ist. Erstaunen macht sich breit in mir, als schwebte ich im Nichts, spüre keinen Boden mehr, höre nicht das fröhliche Gezwitscher.

Ich öffne die Augen. Sonnenstrahlen, die mein Gesicht benetzen, Glück und Freiheit im Herzen, gähne ich herzlich, strecke mich, blinzle schon wach aus dem Fenster, begrüsse das Licht, die herrlichen Farben, die Verschiedenheit aller Dinge und freue mich meiner Welt.
Benutzeravatar
dalamascus
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 1031
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 15:02
Wohnort: Zürich

Beitrag von dalamascus »

@ drachenherz....

gnau das hani jetz au schriebe wellä...
wer seit das mer all dFrabe glich gsehnd..?
mer wüsset ja nume wie mer dere gesagte Farb zBsp. Blau Blau seit..
abr wer seit ned das für mich viellicht blau euies root isch ich dem eifach blau sege... ;)

oder so... hmmm.. hend au scho ganzi diskussion gha wege dem thema... isch zu luschtig...

öpe gnau sgliiche wie mit de gschmäcker wer seit das en öpfel für mich gliich schmöckt wie für eu... abr mer seget dem glich all zeme öpfel... ;)

übrigens bin ich au farbeblind...gemäss eusne doktore....
abr finde dUmwelt glich recht farbig... für miich hend die fiine farbtön im orang-rote bereich eifach zviel ehndlichkeit... drum erkenn ich die ned... gnau wie mitem grüän.. abr isch jetz ned so dasi ned weiss was grüän-rot oder orang isch... heheh
piraña

Beitrag von piraña »

...nimmsch sini rächt hand, dreisch ne im Chreis ume, und seisch: So, jetz isch der grad schwarz for de auge...

...für blau: Tequilla id Hand drücke und lo suufe, denn säge: Und jetz bisch blau! Usw., usf...
Benutzeravatar
Indigo
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 982
Registriert: Mi 3. Okt 2007, 13:59
Wohnort: funkytown, nähe winti-summi

Beitrag von Indigo »

indem du ihnen die farben nicht beschreibst.

blinde 'sehen' mit einem tief ausgeprägten gespür + tastensinn fast alles, wovon sehende nur träumen können. ihnen farben zu erklären, wäre wie einem hund das kochen beibringen zu wollen. oder so.
Kollegoli
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 1183
Registriert: Do 2. Mär 2006, 11:14
Wohnort: Höngg
Kontaktdaten:

Beitrag von Kollegoli »

ha letschtin uf arte e uhuerre geili doku gseh. sie handelt vo de evelyn glennie, e schwerhörigi musikerin.

http://de.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Glennie

und die chan vollehaane musig mache, mit schlagzüüg und allem äähnliche, aber au melodiösi musig, mit zb xylophon. und zwar extrem guet.

sie hät gseit: "wänn ein sinn verlüürsch, werded alli andere sinn, zu dem eine sinn"

sie hät au no anders extrem geils züg verzellt.

de film isch sehr sehr empfehlenswert:

http://www.touch-the-sound.de
Benutzeravatar
Indigo
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 982
Registriert: Mi 3. Okt 2007, 13:59
Wohnort: funkytown, nähe winti-summi

Beitrag von Indigo »

@ Drachenherz:

des aber des ist eben der bananenblues! siehe pferdle & äffle...

ganz grosses SMILE an dich. danke, dass es drachi gibt.

n-smile_2710.gif n-smile_2720.gif n-smile_2715.gif n-smile_2706.gif n-smile_2704.gif
Benutzeravatar
Titali
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 841
Registriert: Fr 29. Jun 2007, 11:25
Wohnort: Deep Somewhere...

Beitrag von Titali »

es isch ja en unterschied, ob meh blind uf wält chunt oder blind später wird!

erfinderin vom aura-soma vicky wall (farbtherapie) isch während em entdecke vo ihrem wärk immer wie blinder worde und am schluss het sie gar nüt meh gseh, aber sie het e wältbekannti farbtherapie erschaffe... sie isch aber hällsichtig gsi, also medial!!!

ich gloube, blindi nähme farbe als gfühl und forme wahr! jede farb het e schwingig!
The Drums don't Stop... Bild
Benutzeravatar
dalamascus
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 1031
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 15:02
Wohnort: Zürich

Beitrag von dalamascus »

@ Titali

ja das chönt no was ha... da ihri andere sinn ja viel stärcher usprägt sind...
Benutzeravatar
Napf-Zwärgli
Gold Member
Gold Member
Beiträge: 169
Registriert: Di 16. Jan 2007, 17:50
Wohnort: Luzern

Beitrag von Napf-Zwärgli »

hey danke för die velle verschednige antworte esch schono es rächts onterhaltsams thema
ॐ The Last Maya Dance 21.12.2012 ॐ
Capablanca

Beitrag von Capablanca »

sorry ... hab jetzt nicht alle posts gelesen. deswegen kann es sein, dass bereits jemand das gesagt hat, was ich nun über farben sagen werde:

jemandem, der noch nie farbe gesehen hat, kann auch - nach meinem wissensstand - farbe nicht vermittelt werden.

der grund besteht darin, weil farben lediglich reize in unserem gehirn sind, die aufgrund von lichteinflüssen entstehen. da aber licht elektromagnetische wellen (resp. elektromagnetische strahlung) ist, unterscheidet man es physikalisch lediglich anhand der wellenlänge. also das licht der wellenlänge X erzeugt in meinem verstand beispielsweise die farbe "blau" und ein licht der wellenlänge Y erzeugt grün usw. physikalisch können wir also lediglich elektromagnetische strahlung unterschiedlicher wellenlänge betrachten, und was das menschliche gehirn daraus macht, ist sogar jedem (gehirn) selbst überlassen. jeder könnte eine andere farbe sehen, bei einem licht bestimmter wellenlänge, und man würde niemals die möglichkeit finden, dies aufzudecken. daran sieht man auch, wie subjektiv wir sind.

physikalisch lassen sich farben also nicht festhalten, sondern wellenlängen, die aber nicht farben sind. genaugenommen leben wir in einer farblosen welt. wenn jemand also einen bestimmten reiz in seinem verstand nicht erzeugen kann, weil ihm der input durch das augenlicht fehlt, kann er auch nicht diesen reiz durch gedanken ableiten. eine farbe ist eine erkenntnis, die nur durch entsprechende erfahrungen vermittelt werden kann (a posteriori).

[/klugscheissmodus off]
Zuletzt geändert von Capablanca am Mi 17. Okt 2007, 13:34, insgesamt 1-mal geändert.
piraña

Beitrag von piraña »

@capablanca:

Vollkommen zustimm!!!

Nur, wer bringt das jetzt dem Blinden bei??? Heisst soviel wie: Wir sehen auch nicht mehr als Du, nur lassen wir uns besser hinters Licht führen.
Benutzeravatar
Gnurf
Platin Member
Platin Member
Beiträge: 404
Registriert: Mi 25. Okt 2006, 07:24

Beitrag von Gnurf »

um auch mal den klugscheissermodus einzuschalten.
die menschliche farbwahrnehmung ist kein einfaches erkennen von Wellenlängen durch die Netzhaut. Das System funktioniert weit komplizierter und ehrlich gesagt hab ich es auch noch nicht ganz gerafft wie das nun wirklich abläuft. In wikipedia ist es etwas ausführlicher beschrieben http://de.wikipedia.org/wiki/Farbwahrnehmung

Das entscheidende für ist für mich, dass wir mit dem Gehirn sehen und nicht mit unseren Augen.

Zu der Frage mit dem Blinden und der Farbe. Wie andere schon erwähnt haben, so macht es sicherlich einen grossen Unterschied ob jemand seit Geburt blind ist oder nicht. Bei Blindgeborenen bilden sich überhaupt keine Strukturen zur visuellen Wahrnehmung und das Gehirn schafft sich keine Bedeutungsstrukturen um sich mit einer sichtbaren Welt auseinanderzusetzen.
Es ist somit wohl auch nicht sehr Sinnvoll einer solchen Person Farben erklären zu wohlen, da sie gar nicht über die grundlegenden Wahrnehmungsmuster verfügt.

Sehr interessant finde ich das Beispiel der Person aus dem Buch von Oliver Sacks http://www.amazon.de/Mann-seine-Frau-ei ... 55&sr=11-1 , wo eine seit Geburt blinde Person durch eine Operation 'sehend' wird. Dieser Mensch konnte sich auch nach längere Zeit nicht nach seinen visuellen Wahrnehmungen orientieren.
Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand
Antworten