altered hat geschrieben:sehr guter text cpablanca.
Danke! Dafür, dass deutsch in meinen ersten 8 Schuljahren nur eine Fremdsprache war, und ich diesen Text von der Arbeit aus geschrieben habe, bin auch recht zufrieden
altered hat geschrieben:
diese objektiven kriterien sind aber allesamt nach der struktur des kunstwerks bemessen zB die komplexität. Dh bei bildern nach der struktur der farbe und ausdehnung. bei musik tonhöhe, rhytmus... was diese objektiven kriterien nicht einfangen sind die konzepte das hinter diesen strukturen stehen und auswahlkriterien die der künstler hatte.und genau diese machen einen grossen teil der wert zusprechung von kunstwerken aus. so wäre zB ein schwarzes quadrat auf einer weissen fläche nach objektiven kriterien nicht wirklich ein grossartiges kunstwerk, es gibt jedoch kunstwerke die so aussehen und trozdem als hohe kunst gelten. dies tun sie aber nicht aufgrund der "objektiven strukturellen" kriterien sondern wegen den geistigen komplexe die durch diese strukturen projeziert werden. und die sich aus der entstehungsgeschichte, den auswahlkriterien des künstlers und seinen intentionen herauslesen lassen. darum versteht man kunstwerke auch erst wirklich wenn man sich ihre entstehungsgeschichte und die biografie des autors usw anschaut, weil das alles zusammenhängt.
doch wie sind denn geistige komplexe zu beurteilen ausser durch den geist und den verstand und das gefühl? und we könnten sie anders bewertet werden als subjektiv? ich glaube das geht nicht, nur schon desswegen nicht weil man um zu bewerten werthe haben muss und werthe an sich sind etwas subjektives, objektive werthe existieren nicht.
Dem kann ich soweit zustimmen. Ein paar Anmerkungen noch:
Ich sehe die Auswahlkriterien (impl. Entstehungsgeschichte) des Künstlers nicht als ein zwingendes Kriterium bei der Bewertung des Kunstwerks: weil es Kunstwerke gibt, die davon unabhängig sind; wo also weder die Vergangenheit des Künstlers, noch seine nahe oder ferne Umgebung, noch sein Zeitalter oder die politische Situation desselben, das Kunstwerk als solches berühren. Ich rede also von Kunstwerken, die davon unabhängig sind, was hilfreich ist, wenn man die Güte der Kunst in einem objektiven Rahmen haben will.
Was die Konzepte betrifft, trifft das grundsätzlich zu. Die Frage stellt sich, ob sich ein Konzept (das alle Botschaften, Gefühle, die wir als Menschen durch Musik erhalten können verursacht) objektiv messen lässt, anders als über die Subjektivität. Ist ein Konzept universell oder sogar inter-universell oder ist es lediglich zugeschnitten auf das menschliche Bewusstsein? Nun, das werden wir niemals erfahren.
Daher müssen wir den Begrifft der inter-universellen Objektivität aufweichen, ihn auf uns als Erdbewohner reduzieren. Letztendlich ist es ein von uns eingeführter und immer in unserem Kontext geführter Begriff: wenn alle Subjekte, Menschen, Tiere meinetwegen auch, ein Haus sehen, ist das Haus per empirischer Definition objektiv (Anschauung). Hier muss man vorsichtig sein, denn es geht noch nicht um Bewertung der Kunst, sondern um die praktische, für alle unseren Zwecke ausreichende Verwendung des Begriffes der Objektivität.
Ist man nun hier angekommen und sich einig darüber was Objektivität ist, weiß mann, dass, wenn nur einer ein Haus sieht, er mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit, jedoch wegen der inter-universellen Objektivität nicht mit einer Gewissheit, zu lange an der Sonne war.
So - und nun zur Bewertung der Kunst: Kunst ist etwas, was verstanden werden muss. Wenn Kunst etwas an sich vollkommen triviales und willkürliches wäre, dann ist jeder Gegenstand ein Kunstwerk. Das kann man zwar auf einer universellen Ebene schon so sehen, hat aber für unsere praktische Zwecke, damit auch auf alle anschaulichen Einflussfaktoren unseres Lebens doch keine nennenswerte Bedeutung.
Nun, da Kunst verstanden werden muss, benötigen wir Lebewesen, die über ein entsprechendes Verständnisvermögen verfügen und welches unabhängig von der persönlichen Vorliebe ist, Lebewesen also, die ihre persönliche Präferenz zum Dienste der Kunst für eine angemessene Zeit aufgeben können.
Da auf unserem Planeten so viele unterschiedliche Ausprägungen von diesem Vermögen existieren, was ich nun einfach mal als erwiesen ansehe, jedoch keineswegs jemanden seine Talente absprechen möchte, muss ein objektives Kunstwerk nicht zwangsläufig von allen als Kunstwerk überhaupt erkannt werden. Es reicht, wenn nur eine kleine, aber dafür würdige (und solche muss es geben) Gruppe existiert, die über das nötige Verständnisvermögen verfügt, um das Kunstwerk als "objektiv" zu klassifizieren.
(Natürlich kann diese Gruppe auch eine Marketingabteilung eines großen Musikkonzerns sein, aber das sind Abweichungen, die man in Kauf nehmen muss, und welche die Zeit nahezu bedingungslos filtert. Man denke doch daran, was in den 90er Jahren an elektronischem Dance-Schrott auf den heute noch bestehenden Musikkanälen lief, was heute für ein Schrott läuft, und stellt fest, es wird nur anders verpackt, ausgetauscht, um wieder daran verdienen zu können.)
Denkt man beispielsweise an die Mathematik, eine Art Sub-Kunst, dann gibt es eine Menge sehr schwieriger, ästhetisch ansprechender Beweise, die nur wenige auf diesem Planeten verstehen können. Diese verlieren dadurch nicht ihre Objektivität. Und natürlich könnten sie für eine inter-universelle Objektivität unzureichend sein, weil die Mathematik auch nur auf unseren Planeten, uns Menschen beschränkt sein könnte, aber das ist, wie auch schon gesagt, Nebensache in einem praktischen, d.h. für das alltägliche Leben sinnvollem Gesichtspunkte.
Edit:
Letztendlich will gesagt werden:
Es gibt Kunst bzw. Musik als Kunst, demnach notwendige "Schlüssel", die diese Kunst als solche entlarven können. Über manche dieser Schlüssel, dieses künstlerischen Verständnisvermögen, verfügt jeder, der sich mit Musik halbwegs beschäftigt, und auch andere, die es nicht tun, aber über sie verfügen würden, wenn sie sich der Musik widmen würden (man muss sich erst einer Kunst bis zu einem gewissen Grad hingeben, um darüber etwas aussagen zu können). Tendenziell werden Künstler und Menschen, die sich intensiv mit Musik beschäftigen (und/oder mehr künstlerisches Talent haben), über höherwertigere Schlüssel verfügen, als Leute, bei denen es sekundär um Musik, vielleicht mehr um Lebensbotschaften, LifeStyle oder sonst was dergleichen geht. Demnach gilt: dass es Menschen geben muss, die Kunstwerke qualitativ besser (im Sinne dieser oben erwähnten, aus dem Subjekt entspringenden Objektivität) als solche erschaffen und beurteilen können, als andere. Die Urteile dieser anderen enthalten wiederum weniger Wahrheit, oder mehr Fehler, wahrscheinlich auch mehr Subjektivität, in Form von persönlicher Präferenz (heutzutage kauft man sich CDs nicht nur wegen der Musik), was aber eine Diskussion über Geschmack, gute und schlechte Musik durchweg legitimiert.
Edit2: ... obwohl das nun, wie auch schon von dir angemerkt, zu nichts führt, weil Meinungen doch beständig sind.