Wirklich ein toller Thread (=
Ich habe schon früh gemerkt, dass irgendwas in unserer Welt nicht (mehr) stimmt, dass es viel zu viel gibt, was schief läuft, dass (krass ausgedrückt) wir Menschen darauf hinarbeiten, uns selbst zu vernichten. Und dabei am Ende nicht nur uns selbst, sondern auch einen grossen Teil der Umwelt, Tiere etc. mit uns ins Verderben reissen werden. Und mir war/ist bewusst, dass ich, als Einzelperson, wenig daran ändern kann. Egal, was ich tue, egal, wie ehrgeizig ich je sein kann im „Welt retten“, es wird mir nie gelingen.
Diese Gewissheit war bestimmt auch ein Grund, der dazu beigetragen hat, dass ich krank wurde. Dabei habe ich mich selbst, meine Ideale und Ziele aus den Augen verloren, habe mich plötzlich nur noch auf unwichtige und dumme Dinge konzentriert, all meine Gedanken kreisten nur noch um Nichtigkeiten. Ich habe mich selbst so sehr „verloren“, dass ich beinahe eine Ausbildung an der Hotelfachschule begonnen hätte. Glücklicherweise habe ich dann doch noch gemerkt, dass das nicht der richtige Weg für mich wäre, dass ich mein Leben eigentlich nicht damit verbringen will, das Leben der Wohlständigen noch ein bisschen angenehmer zu gestalten, als es eh schon ist. Ich habe gemerkt, dass ich die Möglichkeit habe, zu studieren und somit vielleicht irgendwann einer Arbeit nachgehen zu können, mit der ich die Welt ein klein wenig verbessern kann. Jetzt bin ich im 5. Semester meines Sozialanthropologiestudiums und mein nächstes Etappenziel wäre (nach der Bachelorarbeit und all dem Spass

) ein Praktikum bei der UNO oder bei Amnesty. Man/frau mag diesen Organisationen nicht nur positiv gegenüberstehen, aber ich denke halt schon, dass man dort noch etwas bewirken kann.. etwas, was über den Wirkungsbereich des alltäglichen Lebens hinaus geht.
Ich habe aber im Lauf der Jahre auch gemerkt, dass das zwar schöne Ziele sind, aber dass „die Welt retten“ auch im kleineren Rahmen möglich wäre. Denn meine eigene, unmittelbare Welt, sind nicht die hungernden Kinder in Afrika oder die politisch Verfolgten in China. Es ist meine Familie, meine Arbeit, mein Studium, etc., mein Alltag. Hier kann ich etwas verändern, hier kann/könnte ich – im kleinen Rahmen – Frieden und Gerechtigkeit sähen. Täglich müssen wir Entscheidungen treffen, die ich (blöd gseit) als „egoistisch vs. welt-retterisch“ zusammenfassen könnte: Velo vs. Bus, bio vs. nicht bio, angenehm egoistisch vs. aufwändiger und „besser“ (ökonomisch vs. ökologisch?). Meine Welt ist nicht die ganze Kugel, meine Welt ist der Teil davon, dem ich in meinem Leben unmittelbar begegne. Und diesen Teil kann ich auch unmittelbar beeinflussen, kann ihn schlechter oder auch besser machen – täglich.
Und ich musste (und muss) mir eingestehen, dass ich vielleicht auch genau deswegen in einer Organisation arbeiten möchte, die sich um die grösseren Probleme unserer Welt zu kümmern versucht, weil ich in genau diesem alltäglichen, kleinen „Veränderungsrahmen“ oft noch scheitere. Nein, ich bin kaufe nicht immer bio, nein, ich fahre nicht immer mit dem Fahrrad, nein, ich bin nicht immer eine gute Tochter/Schwester/Freundin. Ja, ich fahre manchmal Auto aus Bequemlichkeit, ja, ich kaufe manchmal bei H&M ein (und schäme mich jedes verdammte Mal wieder (ich schäme mich auch, das jetzt hier zu schreiben) und hasse mich jedes verdammte Mal wieder dafür), ja, ich bin manchmal sehrsehr egoistisch. Es ist halt auch einfach, sich einzureden, man sei halt nun mal in diese Gesellschaft mit kapitalistischen und wohlstandsgesellschaftlichen Werten reingeboren und von ihr sozialisiert worden..
Aber ich habe diesem egoistischen Teil in mir den Kampf angesagt. Auch wenn ich noch öfter scheitere, als dass ich gewinne (jedenfalls kommt es mir so vor), ich arbeite darauf hin, bald in den Spiegel schauen zu können und mir nicht mehr denken zu müssen, ich sei ein schlechter, widerlicher, abstossender Mensch. Ich arbeite daran, mich meinen Idealen entsprechend zu verhalten. Und ich denke, wenn ich das geschafft habe, werde ich auch mich selbst wieder akzeptieren und lieben können.
Sorry, das isch jtz es bitzli länger worde aus beabsichtigt, aber wenigstens wüsst dir jtz o chli öpis über mi (faus es überhoupt öpper intressiert), bi ja no ganz nöi hie.. ^^