Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

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nexus
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von nexus »

Die Evolution besteht in der Veränderung des Bewusstseins.

Es könnte wohl sein, dass der Wert und die Bedeutung der Naturwissenschaft nicht in erster Linie darin liegt, dass sie uns die moderne Technik und den durch sie ermöglichten Wohlstand brachten, sondern dass ihr eigentlicher, evolutionärer Sinn in der Erweiterung des menschlichen Bewusstseins vom Wunder der Schöpfung besteht.

Ich messe der Veränderung des Bewusstseins die allerhöchste Bedeutung zu. Denn die ganze Evolution der Menschheit besteht in einer Veränderung und Erweiterung des Bewusstseins. Die ganze kulturelle und sonstige Entwicklung hängt davon ab.
Albert Hofmann

Noch begreift niemand die geheimnisvolle Intelligenz, die den Pflanzen innewohnt, oder die Konsequenzen des Gedankens, dass sich die Natur in einer chemischen Grundsprache mitteilt, die unbewusst, aber tiefgründig ist. Noch verstehen wir nicht, auf welche Weise Halluzinogene die Botschaft im Unbewussten in Offenbarungen umwandeln, die der bewusste Geist schauen kann.
Terence McKenna

Wo werden wir Schamanen finden, die mächtig genug sind, das Geistesgift aus unserem Gesellschaftskörper zu saugen und es für uns auszuspeien? Hexenmeister, die diese Dämonen bändigen können? Visionäre, die den vorwärts führenden Weg weisen können? Nirgendwo sonst als hier. So aussichtslos es auch zu sein scheint: Wir müssen selbst Schamanen, Hexenmeister und Seher werden. Als Geisteskrieger müssen wir die Verantwortung für die Misere unserer Spezies übernehmen. Um den Zauberbann der todesfallenartigen Täuschungen und der hypnotischen Ablenkungen unserer Kultur zu brechen, brauchen wir unbedingt den Mut, uns dem zu stellen, was hinter den offenen Pforten unseres eigenen Denk- und Empfindungsvermögens liegt.
Daniel Pinchbeck

Wir müssen bereit sein, von unserem geplanten Leben loszulassen, damit wir das Leben haben, das auf uns wartet.
Joseph Campbell

Weisser-Mann-Medizin bewirkt, dass du dich zuerst gut fühlst und später miserabel. Indianermedizin bewirkt, dass du dich zuerst miserabel fühlst und später gut.
Anonym

Man muss gründlich forschen und das Unvorstellbare glauben, um die neuen Wahrheitsspuren zu entdecken, die in einem Ozean der Bedeutungslosigkeit umhertreiben.
Joseph Conrad
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Capablanca »

@FA
ich kann deine Fragen schwer beantworten, da ich mir unter Erleuchtung was anderes vorstelle als du es beschreibst.

Ein paar Beispiele:
Fallen Angel 3 hat geschrieben:Ich will vielmehr die Erleuchtung oder zumindest diese fixe Idee sie erreichen zu wollen in Frage stellen.
Erleuchtung wäre für mich ein Zustand der frei ist von Zwängen oder fixen Ideen, deshalb kann es keine fixe Idee oder Zwang sein, die dich dort hinführen. Im Buddhismus ist das quasi Wissen der ersten Stunde: der erste Schritt zur Erleuchtung besteht darin, sie zu vergessen.

Die Erleuchtung ist viel mehr ein Zustand, der spontan eintreten und auch wieder verschwinden kann, niemals aber erzwungen, getrieben oder sonst irgendwie absichtlich herbeigeführt wird. Die Erleuchtung ist die Folge, die Konsequenz der Übung ebenso wie der ausgeruhte Zustand die Konsequenz der Ruhe ist. Im Zen-Buddhismsus (meiner Ansicht nach der ursprünglichsten aller buddhistischen Strömungen) heißt es sogar, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Erleuchtung und Übung. Und das Wesen der Übung ist eine Schulung der Achtsamkeit, die niemals aufhört. Erleuchtung ist nicht ein Thron, den man besteigt, oder ein Pokal, den man gewinnt, viel mehr ist es ein Lebensweg in der Übung der Achtsamkeit. Im Zen sagt man, dass es unmöglich ist, seine eigene Erleuchtung festzustellen. Jemand der das glaubt, ist nur einer weiteren Verwirrung verfallen. Deshalb sagte auch Linji zu seinen Schülern: "Wenn ihr Buddha trefft, tötet Buddha". Erleuchtung ist ein Weg und kein Ziel.

Es gibt aber buddhistische Strömungen, die Erleuchtung als Ziel betrachten.
Fallen Angel 3 hat geschrieben:Und dann jammert der Mann wenn er doch wieder geraucht, getrunken oder sonstwas schönes gemacht hat, wie schwach er doch sei.
Finde ich nicht. Genau dieses Jammern führt wieder zu Selbstkonflikten oder ist ein Ausdruck derselben, deshalb nicht Erleuchtung und auch kein Weg dort hin. Diese Auslegung der Erleuchtung ist m.E. etwas engstirnig ... mir scheint es, als würde sie aus einem schlechten Film stammen. Klar gibt es Methodiken, die sich mit bewusster Enthaltsamkeit beschäftigen, aber das ist nur ein Weg von vielen. Mag sein, dass es Menschen gibt, für die er sinnvoll ist, er hat aber keinen Absolutheitsanspruch.

Fallen Angel 3 hat geschrieben:Warum nach einer Erleuchtung suchen, die darin besteht, den weltlichen Dingen abschätzig zu begegnen, wenn die Welt an sich doch bereits die Erleuchtung schlechthin darstellt.
Wieder beschreibst du die Erleuchtung als etwas, was eigentlich ihr Gegenteil ist: Verachtung der weltlichen Dinge. Ich habe das Gefühl, dass du einen bestimmten asketischen Weg zur Erleuchtung kritisierst, nicht aber die Erleuchtung selbst. Na gut, das darfst du. Ich bin auch kein Freund des Enthaltsamkeit ... jedoch ein wenig Selbstbeherrschung tut erfahrungsgemäß der Gesundheit keinen Schaden ;-)

Fallen Angel 3 hat geschrieben:Da ist der Philosoph und ganz besonders der Theolog so sehr mit seiner Seele beschäftigt, dass er vergisst zu Singen, zu lachen, zu tanzen, zu essen, zu schmecken, zu küssen, zu umarmen, zu leben und zu lieben
Ich möchte nicht bestreiten, dass es solche Menschen gibt, dennoch ist diese Aussage klar ein Vorurteil.

Ich denke das Erleuchtung nichts Spektakuläres oder Besonderes ist. Viel mehr ist es ein natürlicher Zustand, erfüllt von geistiger Ruhe und ausgesprochener Gelassenheit gegenüber allen (weltlichen) Dingen. Es ist ein Zustand einer fühlbaren persönlichen Freiheit, die sich durch die annähernde Abwesenheit von Groll, Zweifel, Hass, Abschätzung, Missachtung, Bosheit, Angst und vielen anderen negativen Eindrücken des Geistes bemerkbar macht, nicht aber weil im erleuchteten Individuum diese Dinge nicht existieren, sondern weil er negative Energien gelernt hat loszulassen. Das ist der Kern der Meditationspraxis: die Übung des Loslassens. Lässt man diese negativen Eindrücke, die jeder Mensch kennt und mit ihnen konfrontiert wird, leicht los, lassen sich leichter Liebe und Mitgefühl verwirklichen. Dies führt zu einem umsichtigeren, freundlicheren und weniger egozentrischen Verhalten anderen Lebewesen gegenüber, was ein positives und das Leben bejahendes Ziel ist.

Das ist der Antrieb.

Nur wenn du von Zweifel, Angst, Hass und Groll befreit bist, kannst du die Welt sehen wie sich wirklich ist und auch für andere da sein. Im Zen heißt es, jemand kann den anderen nur dann wirklich helfen, wenn er sich selbst befreit hat. Solange er aber von diesen negativen Eindrücken des Geistes gefangen ist, beschäftigt er sich laufend mit sich selbst - ohne es wirklich zu merken.
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subjekt
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von subjekt »

Interessante Beiträge, viel Denkstoff. Danke :-)

Irgendwie habe ich nun auch Lust bekommen was dazu zu sagen. Ich selbst gehe davon aus, dass ich herzlich wenig dazu beitragen kann, dass ich erleuchtet werde, oder eben auch nicht. Denn die Erleuchtung findet einem und nicht wir sie. Jedoch wäre es noch besser zu sagen, es wir nie jemand erleuchtet. Vielmehr kommt es vor, dass Menschen sich unerleuchten, aber erleuchtet wird wohl niemand. Erleuchtung ist natürlich, unerleuchtet sein, das ist etwas was man tun muss, was Anstrengung erfordert, Verzicht bedeutet und arg zerrend ist. Naja nur schon sich mit einem Verstand zu identifizieren, ein Ich zu pflegen dürfte, aus Sicht eines erleuchteten, überaus entbehrlich und mühsam sein. Also kann man/ ich es eigentlich gleich vergessen je erleuchtet zu werden, sowieso ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich, also sprich meine Identifikation mit meinen Namen, meinen Leben, meine Sein, verschwindet wenn die Erleuchtung Einzug findet. Ich werde nicht mehr sein, sobald mein wahres „Ich“ ist. Wie sollte ich also je Erleuchtung finden, wenn ich es bin, der durch die Identifikation mit meine Ich, das abgespalten von allem ist, überhaupt erst den Zustand des nichterleuchteten geschaffen hat? Heisst eigentlich, ich müsste nur verschwinden, nicht weiter spalten und trennen, nicht in gut und schlecht unterscheiden, sondern einfach aufhören zu sein wer ich bin um zu werden was ich bin. Obwohl eigentlich bin ich ja schon was ich bin, wie könnte ich je etwas anders sein als ich bin?
Ist Erleuchtung eigentlich nicht genau das erkennen, dass ich schon immer das war was ich sein wollte. Ich war nie etwas anderes und kann auch nie etwas anderes sein. Hat Buddha nicht gelacht, als er erleuchtet wurde, weil er erkannte, dass er immer schon erleuchtet war? Was also könnte ich tun um etwas zu erlangen, was ich ja schon lange bin? Und würde dieses Tun, falls es ein solches geben würde, mich nicht einfach dazu veranlassen meine Erleuchtung in ferne Gefilde zu rücken, weil ich zuerst noch besser den achtfachen Pfad gehen muss, oder noch 1000000 mehr ein Mantra faseln muss usw. um Erleuchtung zu finden. Und sowieso, wer könnte mir schon sagen, wie die Erleuchtung sein soll, wessen Weg ich zu gehen habe?
Kein Buddha, kein Jesus, kein Guru oder sonst wer, könnte mir auch nur im Geringsten mein Weg, denn es gar nicht gibt, zur Erleuchtung schildern. Denn sie ist ganz anders als alle anderen, den sie ist meine.

Ramesh Balsekar sagte mal: Selbsterkenntnis oder Erleuchtung beinhaltet das Verstehen, dass der Verstand keine Wesenheit ist, sondern reine Vorstellung. Alle Konzepte oder Vorstellungen werden danach irrelevant.

Daher, weshalb sich mit Konzepten und Methoden, die zur Erleuchtung dienlich sein sollten, lange aufhalten, wenn man einfach nur akzeptieren muss, dass man schon lange erleuchtet ist und es rein gar nichts dafür zu tun gibt.
...sei dir selbst ein witz, der dich erheitert...
Capablanca

Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Capablanca »

subjekt hat geschrieben:Daher, weshalb sich mit Konzepten und Methoden, die zur Erleuchtung dienlich sein sollten, lange aufhalten, wenn man einfach nur akzeptieren muss, dass man schon lange erleuchtet ist und es rein gar nichts dafür zu tun gibt.
Das ist im Grunde genommen vollkommen richtig. Bloß in der Praxis funktioniert das meist nicht. Wir können nicht einfach Akzeptieren, so sehr wir es auch wollen. Wir können es deshalb nicht, weil das Ego zu mächtig ist. Deshalb die Methoden: Sie führen genau zu dieser Akzeptanz.

Es gibt sicherlich Menschen, die diese Methoden nicht benötigen, weil sie einfach akzeptieren können.
Fallen Angel 3
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Fallen Angel 3 »

@Capa
Das hast Du sehr gut erkannt: ich kritisiere die Enthaltsamkeit, Abstinenz und Abwendung vom Weltlichen, die oftmals mit dem Wunsch nach Erleuchtung einhergeht. Nicht in jedem Fall, Deine Beschreibung einer Erleuchtung macht jedenfalls sehr viel mehr Sinn, als so ziemlich alles, was man in den Religionen und auch manchen esoterischen Kreisen so findet.
Und doch schreibst auch Du wieder, dass Erleuchtung eine Gelassenheit gegenüber weltlichen Dingen beinhalten kann oder soll. Da bin ich anderer Ansicht, weil Gelassenheit irgendwie auch bedeutet, dass man "abgehoben" wird, und sich quasi jenseits von Gut und Böse befindet. Jenseits von dem Weltlichen eben. Ich verstehe grundsätzlich die Intention, dass man über das Materielle hinauswachsen will, aber ich kritisiere diese Intention, weil ich sie nicht sinnvoll finde, um das Leben in seiner Fülle zu geniessen und sozusagen dadurch erleuchtet zu sein.
Das was wir brauchen, das was wir geben - das sind wir.
( (( {-_{-_-}_-} )) )
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von ( (( {-_{-_-}_-} )) ) »

Fallen Angel 3 hat geschrieben:Und doch schreibst auch Du wieder, dass Erleuchtung eine Gelassenheit gegenüber weltlichen Dingen beinhalten kann oder soll. Da bin ich anderer Ansicht, weil Gelassenheit irgendwie auch bedeutet, dass man "abgehoben" wird, und sich quasi jenseits von Gut und Böse befindet. Jenseits von dem Weltlichen eben. Ich verstehe grundsätzlich die Intention, dass man über das Materielle hinauswachsen will, aber ich kritisiere diese Intention, weil ich sie nicht sinnvoll finde, um das Leben in seiner Fülle zu geniessen und sozusagen dadurch erleuchtet zu sein.
siehst du, das meinte ich... deine vorstellung der erleuchtung ist ja haarsträubend... DAS nenne ich mal eine fixe idee... prangerst aber fixe ideen an... dabei bewegst du dich in genau dem selben labyrinth... jaja, man sieht halt die erleuchtung vor lauter licht nicht... du denkst man verpasse etwas am leben. und du denkst es sei nicht "sinnvoll"... wie willst du das beurteilen? und wie kannst du dieses urteil für alle menschen fällen? mag ja sein, dass dies für dich so stimmt. mal davon abgesehen, dass du ja eigentlich einen vergleich benötigst zwischen den beiden lebenswegen, den du aber offensichtlich nicht hast... für andere stimmt es halt, sich in einem kloster zu vergraben und auf alles zu verzichten... wenn man in der welt keine erfüllung findet, warum also nicht... jeder verdammte lebenweg ist der weg eines individuums... auch wieder ne fixe idee ; ) ...eben, wir sind alle im selben boot... aber bei dir klingt es oft so verbissen, es fühlt sich an wie wenn du einfach mal gerne per se dagegen bist... hurra, da ist etwas nicht sinnvolles, auf was du dich stürzen kannst... vor was rennst du denn davon?... derjenige im kloster sucht den ausweg aus dem labyrinth, ob er es nun schafft oder nicht sei mal dahingestellt... du jedoch bist selbst ein verlorener im labyrinth und läufst umher um diejenigen, die den ausweg suchen, zu ermahnen, dass es sinnvolleres gäbe... vermutlich erzählst du dem mönch im kloster auch, dass er ja eigentlich ein unmensch ist, da er die augen vor den grossen problemen auf der welt verschliesst... er tut ja nix, damits den menschen besser geht... nicht wahr? ja, im grunde hast du recht... denn letztlich kann jeder nur sich selbst heilen... wenn du dich selbst heilst, heilt die welt mit dir... damit ist wahrscheinlich mehr getan, als wenn du auf hundert demonstrationen gehst und den menschen versuchst klarzumachen wie schlecht die welt ist...
The Dude

Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von The Dude »

Höchst spannender Thread hier 8-)

Eigentlich hatte ich ja zu Anfang ne grössere Antwort im Sinne. Nachdem ich BuddhaNature's Post gelesen habe, durfte ich allerdings erfreut feststellen, dass das Meiste schon gesagt wurde /happy

Nachfolgend noch einige Punkte:
Wir wollen alle irgend eine Art der Erfüllung.
Wohl wahr! Dies liegt m.E. in der Sehnsucht nach unserer wahren Heimat: Das spirituelle Reich Gottes (theistische Definition), transzendent, also jenseits von Vergänglichkeiten wie Polarität oder Raumzeit.
Die Seele SEHNT sich nach ihrer Heimat und SUCHT daher Erfüllung.
Die möglichen Wege dazu sind unendlich variabel; einige führen zurück nach Hause, manche (die meisten ;)) drehen sich im Kreis und andere führen in die Dunkelheit (und damit Lieblosigkeit)
Die meisten inkarnierten Wesen - selbst die feinststofflichen Lichtwesen der höchsten Dimensionen - leben allerdings einen x-beliebigen Mix dieser drei Möglichkeiten, den es kein zweites Mal gibt, da jede Seele individuell verschieden von allem ist (wenn auch gleichzeitig absolut eins mit allem).
Was also braucht es, um Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel zu unternehmen? Das Ziel ist sehr hoch gesetzt und der Weg dorthin ist steinig und extrem mühsam zu bewältigen. Aus diesem Grund führen nur sehr kleine Schritte letztendlich zum Ziel. Was denkt ihr, wäre nötig und machbar?
Die Schritte sind - wie bereits erwähnt - unendlich variabel, allerdings gibt es - da bin ich überzeugt - "Richtlinien", welche direkt zurück an die Quelle führen.
Es gibt und gab seit je her Menschen, welche genau diese Richtlinien lehrten und v.a. VORLEBTEN. Einige Beispiele: Jesus, Buddha, Maria (puramaryam.de), Mohammed, Krisna, Sri Caitanya, Eremiten verschiedener Kulturen,...
Ihr aller Leben ist sehr schön auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Sie alle sehen in jedem Lebewesen dessen Kern; die spirituelle Seele als ewiger Teil Gottes. Sie alle führen ihr leben entsprechend...
Sie alle lieben jedes Wesen absolut bedingungslos. In den vedischen Schriften wird dies Bhakti genannt.

Definition:
yoga-vidya.de hat geschrieben:Bhakti heißt, in Gott sein. Bhakti ist das Fließen von Hingabe wie das Fließen eines Flusses. Bhakti ist Kontinuität von Hingabe, so wie Öl kontinuierlich aus einem Gefäß in ein anderes fließt. Bhakti ist das Hingezogensein des Jivas zu Gott, so wie die Nadel zum Magnet hingezogen wird.
Bhakti ist Liebe um der Liebe willen. Der Gläubige will Gott und nur Gott. Es liegt darin keine selbstsüchtige Erwartung. Es gibt auch keine Angst. [...] So hat auch der Gläubige nicht im mindesten Furcht vor Gott. Die Angst vor Vergeltung verschwindet in ihm. Er spürt, glaubt, denkt und stellt sich vor, daß sein Ishtam (Gott) ein Ozean von Liebe oder Prem ist.
Bhakti verändert den Menschen in Göttlichkeit. Sie infiziert den Gläubigen mit göttlichem Prem (Liebe). Sie gibt ihm ewige Befriedigung. Sie macht ihn vollkommen. Sie lenkt den Geist von Sinnesobjekten weg. Sie läßt ihn in Gott frohlocken.
Emotionale Erregung ist nicht Hingabe an Gott. Hingabe ist reine Liebe. Fanatismus ist keine Hingabe. Fanatismus ist Wahnsinn. Fanatismus ist bloße Erregung.
Bhakti ist nicht nur Emotionalität, sondern das Einstimmen sowohl des Willens als auch des Denkvermögens auf das Göttliche. Bhakti ist höchste Liebe zu Gott. Sie erblüht später zu Jnana. Sie führt zu Unsterblichkeit und Gottverwirklichung.
Bhakti ist die direkte Annäherung an das Ideal durch das Herz. Liebe ist jedem Menschen natürlich.
Ich gehe davon aus, dass wenn man also wirklich Bhakti lebt, es keine Rolle spielt ob man sich Gott bewusst ist oder nicht. Man wird unabhängig davon von Gott selbst zurück nach Hause "gezogen", da man EINS mit dem höchsten Willen Gottes - der gelebten Liebe - ist. Ebensowenig spielt es eine Rolle ob man asktetisch oder eremitisch lebt oder nicht, ob man reich ist oder nicht, ob man in einem KZ lebt oder in einem Märchenschloss, etcetera...
Das Leben von Bhakti macht frei von Identifikationen mit dem falschen Ich / Ego!
Bemerkenswert an Bhakti ist auch noch, dass wer Bhakti lebt, frei vom Karmagesetz ist, da er/sie jenseits von Karma (weil nicht aus dem falschen Ich heraus) handelt!
Dies darum zu erstreben wäre allerdings verhängnisvoll und ist daher zu unterlassen! ;o)
Dragonfly hat geschrieben:Die Christen haben ja da eine sehr festgefahrene Meinung, die ich eigentlich völlig daneben finde.
Ungerechtfertigte Unterstellung! Mit "MONOTHEISTISCHE CHRISTEN" stimmt deine Aussage allerdings wieder :lol:

Zum Abschluss: Ich weiss, dass spirituelle Erleuchtung letztlich nur durch das leben von Bhakti kommt, denke aber, es ist einfacher spirituelle Erleuchtung als Eremit zu finden, denn als Stadtmensch. Einfach wegen der wesentlich unterschiedlichen Quantität von Dingen, welche die Aufmerksam auf sich ziehen wollen 8-)

Hoffe gedient haben zu können und es nicht zu lange wurde

Love & Light

Ps. Wem dies zuviel "Bhakti" war, dem sei hier noch ein synonym gereicht: Die Perfektionierung der Xing-Xing (Nach Meister Li) O:)
u.s.l.

Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von u.s.l. »

ich habe keine ahnung, wie man erleuchtet wird. ich war es noch nie. und dennoch denke ich, dass es eher gelingen könnte, wenn man es nicht so bewusst versucht. plötzlich kann es sein, dass man im leben auch ohne besonderes zutun das gefühl hat: jetzt bin ich ... wau... also... was auch immer... von mir aus erleuchtet. ausserdem bin ich nie einem menschen begegnet, von dem ich behaupten könnte, er sei es gewesen. vermutlich ist es ein zustand, den man nicht so einfach als wort gebrauchen müsste - wozu auch, wenn man schon einer der erleuteten ist/wäre/sich so fühlen sollte.

ein sportler wird nicht weltmeister, nur indem er denkt, ich will weltmeister werden, oder indem er bloss andere im internet fragt, wie man zum weltmeister wird. und wenn er dann weltmeister ist, braucht er nicht mehr zu denken, dass er weltmeister werden möchte. er ist es. und weiss es. das reicht. vermutlich läuft es bei erleuteten auch nicht anders. entweder, sie sind es... oder denken, sie wären es... oder würden es gerne werden.

und dieser buddhist fa 3 ist vielleicht mehr erleuchtet, als er denkt, und weniger, als andere denken. woran will man das schon messen. ich kauf mir eine buddhistisch-kloster-kerze... vielleicht erleuchtet sie mein antlitz ein wenig... oder, ich könnte mein geld auch dümmer ausgeben. wobei mich geld eher daran hindert, erleuchtet zu werden, weil zu materialistisch 8-[
Fallen Angel 3
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Fallen Angel 3 »

@Gsichtli
es ist nicht "meine" vorstellung der erleuchtung sondern diejenige von vielen religiösen fanatikern ( = spinnern), die -voruteile hin oder her - sich von der realen hier-ist-sie 3D welt abgewendet haben.
DAS ist auch gar kein problem, so wie du ja auch sagst, wenn sie das unbedingt brauchen, sollen sie doch, ist ja nicht mein problem wenn sie ihr (gottgegebenes oder nicht?) leben wegwerfen für fixe ideen.
leider sehen manche dieser spinner das anders und recht viele glauben sie müssten andere menschen davon überzeugen (stichwort missionierung, religiöse gesetze etc.), sie brüssten sich dann mit einer selbstgefunden "moral" oder ähnlichem schund, und fangen an hexen und bücher zu verbrennen.
ich find solches gedankenngut gefährlich und beschränkt und vor allem beschränkend.
von mir aus können alle religionen zur hölle fahren, wenn ihnen das so viel spass macht. solange sie nicht verlangen, dass man sie dabei begleitet...
und spiritualität?
viel zu oft ein schlagwort um eigene vorstellung von mensch und umwelt durchzuboxen.
REALität (keep it real, wie die hiphopper sagen) ist womöglich einiges hübscher, strahlender und ...besser.
Das was wir brauchen, das was wir geben - das sind wir.
Capablanca

Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Capablanca »

Du musst nicht die Erleuchtungsidee kritisieren, bloß weil es religiöse Fanatiker gibt. Außerdem, nur weil die Erleuchtung ein spirituelles (=geistiges) Phänomen ist, ist sie nicht zwangsläufig religiös. Das Phänomen Erleuchtung ist wissenschaftlich betrachtet von religiösen Implikationen zunächst vollkommen unberührt. Ob um diese Idee eine Religion gebastelt wird, liegt samt ihrer Eigenart einzig und allein an den Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen, und ihren Erfahrungen damit, nicht aber am Phänomen Erleuchtung selbst.

Ich kann dich aber schon verstehen. Du kritisierst den Radikalismus, ganz gleich in welcher Form er auftritt. Allerdings ist es weder fair noch besonders differenziert, kategorisch Ideen zu kritisieren, bloß weil es "Spinner" (ich verwende hier mal deine Worte, auch wenn ich mich davor hüte, andere zu verurteilen) gibt, die sie radikal auslegen.

Aber andererseits, woher willst du wissen, dass du selbst nicht radikal bist? Liest man deine Posts erwecken sie teilweise den Anschein als wärst du ein radikaler Fanatiker: "von mir aus können alle religionen zur hölle fahren" :-) Das würde ich von dir natürlich jetzt niemals denken, aber man könnte, wenn man dich nicht kennen würde, durchaus dieses Bild von dir gewinnen ;)

Wo beginnt radikal? Wo endet es? Ist es kulturabhängig? Wer entscheidet darüber? Du? Ich? Obama? Ein Techno-Dj?

Am Ende noch ein kleiner literarischer Hinweis (auch wenn ich nicht der größte Fan von Erich Fromm bin):
Bild
http://www.amazon.de/Zen-Buddhismus-Psy ... 3518365371

Hier findet man eine dreifaltige Betrachtung der Erleuchtung.
1) eine spirituell-religiöse (Daisetz Teitaro Suzuki)
2) psychologisch/psychoanalytisch/wissenschaftlich (Erich Fromm)
3) erkenntnistheoretisch(philosophisch/wissenschaftlich) (Ricard de Martino)

Vor allem 2) (Auflösung der Verdrängung) und 3) (Auflösung der Subjekt/Objekt Dualität) sind hochgradig spannend und sehr zu empfehlen, wenn man sich für Theorien der Erleuchtung ein wenig interessiert.
Zuletzt geändert von Capablanca am Fr 17. Sep 2010, 15:28, insgesamt 1-mal geändert.
The Dude

Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von The Dude »

Radikal ist prinzipiell nichts Schlechtes, denn radikal kommt von Radix (Wurzel) und bedeutet "vollständig" / "gründlich"

Daher schadet Radikalität nur wenn sie einseitig wird.

Der radikale Mittelweg (der nichts auschliesst, weil er auf das Absolute bezogen ist) dagegen birgt enorm viel positives Potential 8)

dies nur als kleine Anmerkung am Rande ;)

Mehr dazu --> http://de.thefreedictionary.com/Radikal

L&L
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Fallen Angel 3 »

Es wäre vielleicht gut, wenn ich mal eben erkläre, warum ich so "radikal" argumentiere.
Grundsätzlich geht es mir nicht um Kritik an der/den Religion/en an sich, sondern es war einfach so, dass ich gerade Vita Brevis gelesen hatte, was mich erzürnt hat.

Kurze Zusammenfassung:
Das Buch handelt von einer Frau die mit einem Mann zusammen und glücklich war, der später zu einem hohen Tier in der noch jungen Römischen Kirche wurde. Die beiden waren also glücklich zusammen, jedoch passte seiner Mutter nicht, dass er mit dieser Frau zusammen lebte (sie waren nicht verheiratet hatten aber einen Sohn). Die Mutter war wohl Eifersüchtig, aber sie hat natürlich nicht gesagt dass sie Eifersüchtig wäre, sondern, dass sie aus baptistischen Überlegungen heraus nur das beste für ihren Sohn wolle... Naja jedenfalls hat sie es geschafft die beiden zu trennen, und daraufhin hat sich der Mann immer stärker in das Labyirinth der Theologen verstrickt bis hin zu seiner Ansicht, dass er unbedingt SEINE Seele retten müsste, und zwar koste es was es wolle. Als die Mutter gestorben war, trafen sich die beiden einstmals Liebenden wieder und nach einer kurzen Zeit wieder vereint, schlug er sie, mit der Begründung, dass sie quasi schuld sei, dass er wieder den weltlichen Gelüsten verfallen ist (also ihr). Mal davon abgesehen, dass er ein Vollidiot war, eine ihn liebende Frau zu verlassen, und zu schlagen, so hatte sein Wirken noch grössere Wellen geschlagen. Wie schon gesagt wurde er ein berühmter, schliesslich sogar heilig gesprochener "Kirchenvater", der die katholische Kirche dorthin brachte, Frauen als Auslöser für Sünden des Mannes anzusehen und alle intelligenten Frauen auf dem Scheiterhaufen oder in den gesellschaftlichen Regeln zu vernichten (oder es zumindest zu versuchen). Er war (durch seine Bücher) sozusagen der Auslöser für all diese Gräueltaten, und alles nur, weil er glaubte, durch Askese, könne er im Jenseits dann in den Himmel kommen. Er war zum Schluss absolut radikal gegen alles Sensorische (essen, schmecken, sehen, riechen etc.) eingestellt, und alles nur weil er sich von der Liebe zu einer Frau abgewendet und die Suche nach Erleuchtung nach seiner beschränkten Auslegung (bzw. jener der Theologen) aufgenommen hat.

Nun könnt ihr natürlich sagen, "hey das ist nur ein Buch", aber auch wenn es nur ein Buch ist, so ist es ein sehr anschauliches Buch dafür, was passiert, wenn jemand dem (so von ihm bezeichneten) Weltlichen den Rücken zukehrt, um sein (eigenes, egoistisches!) Seelenheil zu finden.
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nexus
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von nexus »

@ the dude: wies du seisch, ebe spielts eigentli kei rolle weli religion, s'bedürfniss vom mensch odr de sinn dehinter isch imr s'glich "transtendenz" das fühle vo zwüsche ine. und liebi d'verussetzig isch, abr vom mensch falsch inteprettiert, süsch würs ja au ke chrieg zwüsche "chrischte" und "moslem" geh..
närvt halt amix chli wennt anre party scheiss hippies ghörsch, debi hämr doch all s'glich im sinn :D


@ fallen angel3: Du seisches, die realiste, ja bim schaffe zb isch vo vorteil abr süsch im läbe.
zudem buech; abr wer liebt schlaht doch nöd :?
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Nichtlustig
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Nichtlustig »

Han vor einehalb Jahr sechs trips inegschmisse - bini etz erlüchted? 8-[

Aber anderersiits isch LSD ja au materialistisch und choschtet Geld :-k

Ok, es würkt ja geischtig =D>

Wobii, han letschti es buech gläse, d ziile sind irgendwie materiell gsi und das dezwüsched geischtig #-o

Scheiss uf Erlüchtig :lol:

Oder so...
Fallen Angel 3
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Re: Wie kommt der Mensch zu spiritueller Erleuchtung?

Beitrag von Fallen Angel 3 »

@Nexus
Na Eben! Der Mistkerl hat sie früher einmal geliebt, und nachdem er sie wegen seiner religiös verirrten Mutter nicht mehr lieben "durfte" (wobei er natürlich ein Weichei ist, dass er sie überhaupt verlassen hat, Mutter hin oder her), hat er sich völlig in ein Netz aus irgendwelchen Theorien verstrickt, was er alles "überwinden" müsste, um in den Himmel zu kommen. Bis zu jenem bitteren Ende, wo seine Liebe eigentlich eine zweite Chance hätte bekommen können (weil die Mutter tot war), wo er sich dann aber vollends von dieser Liebe (und auch allem anderen was am Leben schön ist) abgewendet hat. Der Grund warum er sie geschlagen hat, war, dass er tatsächlich dachte, sein Seelenheil wäre wichtiger, als die "bösen bösen" Gefühle, die diese Frau nach wie vor in ihm auslöste, trotz all seinem Geschwätz von wegen Abstinenz und "überwindung des weltlichen". Für ihn, war sie quasi schuld daran, dass er das mit der Abstinenz nicht auf die Reihe bekommt.
Genau das gleiche, was extreme Islamisten heute machen, wenn sie "ihre" Frauen verhüllen, damit sie (die armen armen Männer) nicht sündigen "müssen".
Naja Religionen halt. Alles derselbe Quatsch.
Vermutlich hat das alles wirklich nicht viel mit Erleuchtung zu tun, bzw. selbige ist wohl nicht schuld daran, dass die Leute so bekloppt sind. Andererseits: wenn nie jemand auf den Gedanken einer Erleuchtung gekommen wäre, die man erlangen könnte, vielleicht gäbe es dann auch keine Religionen. Was zu begrüssen wäre.
Das Jenseits kommt früh genug, also waum das Diesseits damit verplemperln, dass man das Jenseits zu ergründen versucht? Wozu?
Das was wir brauchen, das was wir geben - das sind wir.
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