Was willst Du denn tun? Was soll Dein Kolleg in der Politik tun? Wie man an den Abstimmungsergebnissen der letzten Jahre in der CH sieht, ist die Masse im grossen und ganzen einfach sehr weit davon entfernt, umzudenken. Die Masse bestimmt nun mal in welche Richtung der Kahn steuert. Die Situation in den 60igern war völlig anders. Eine ganze Generation hat sich auf einmal verändert. Ein Bewusstseinswandel, der sogar Angehörige anderer Generationen mitgerissen hat. Die Auswirkungen sind heute noch spürbar, auch wenn viele heute so tun, als wäre es bei dieser Revolution des Geistes nur um freie Liebe und Vietnam gegangen. All die Freiheiten, die wir heute haben, haben wir einzig dieser Singularität zu verdanken.
Wie willst Du denn so etwas "herstellen"? Das ist ein Massenphänomen gewesen, und es kann nur ein Massenphänomen sein, dass diese Masse, die JETZT lebt, beeinflusst. Die Minderheiten sind für viele angenehmer, weil sie dort vor dieser Masse flüchten können. Also zum Beispiel an Goapartys. Gibt auch andere Beispiele. Aber es ändert nichts.
Ich wiederhol mich: die Menschheit ändert sich nicht, wegen dem Tun von einigen Wenigen, sondern wegen neuer Technologien, soziologischen Veränderungen oder allenfalls aufgrund von politischen Revolutionen (die ich ablehne) oder durch Bewusstseinswandel à la Hippies oder Aufklärung. Natürlich sind die Technologien von einigen wenigen (für die Zukunft: CERN) entwickelt worden, natürlich haben Einzelpersonen neue soziologische Ideen erstellt. Aber erst als die Masse von sich aus, diese Dinge "haben wollte" gab es auch eine Veränderung.
Daher ist Tun, nur der Handlung willen, in Etwa das gleiche, wie wenn man bei Corris 5 Franken spendet. Auf lange Sicht nutzlos, weil ziellos und damit von der Gesellschaftlichen Entwicklung überspült. Klar es ist schön – es freut das Herz, wenn man was „gutes“ gemacht hat, und das soll ja auch so sein. Nur wäre es noch schöner, wenn nicht nur einige wenige irgendwas tun, um ihr Ego, ihr Gewissen oder ihren Ehrgeiz zu befriedigen, sondern ALLE auf einmal gemeinsam eine NEUE Welt wollen. So wie die Hippies, die Aufklärer, die Christen (solange sie noch verfolgt wurden – danach… naja…), die Buddhisten, sogar die Kommunisten (solange sie nicht an der Macht waren – danach… naja…).
Verstehst Du worauf ich hinauswill? Es sind nicht Einzelpersonen die etwas bewirken, sondern die Bewegungsrichtung der Masse selbst, verändert die Welt. Steuern kann man das nicht wirklich, nur beobachten und allenfalls etwas erfinden, das man dann den Massen zum Frass vorwirft. Aber ob sie es essen, aufnehmen, verarbeiten und äh.. ja also das ist gänzlich dem unterworfen, was höchstens die Wahrscheinlichkeitsrechnung erahnen kann. Trends.
Um also die Zukunft zu verändern, die momentan feststeht: eben totale überwachung, hunger, zerfall der zivilisation etc. – um diese nicht eben positive Zukunft zu verändern, müssen wir JETZT was ändern, mit wir meine ich die Masse. Dazu müsste man also herausfinden, was in der Vergangenheit die Masse dazu gebracht hat, einen Bewusstseinswandel „durchzuführen“.
Meiner Ansicht nach waren das schockierende Ereignisse: Die Entdeckung, dass die Welt nicht flach ist. Die Entdeckung, dass der freiheitlichste, demokratischste, beste (usw.) Staat der Welt, wehrlose Frauen und Kinder mit Napalm einäschert. In Europa der Widerwille gegen eine Obrigkeit die sich aus ehemaligen Kriegsverbrechern zusammen setzte.
Natürlich ist all das momentan nicht mehr so – dass die Erde rund ist, reisst kaum jemanden vom Hocker. Die Obrigkeit ist auch zahmer geworden. Alles dümpelt so vor sich hin. Keine grosse Aufregung. In diesem Klima hat die Masse keine Lust und keine Motivation um auf einmal ein neues Bewusstsein zu entwickeln. Wozu denn auch? Ist ja alles gut so wie es ist.
Bis auf das was nicht gut ist, nur das sieht man nicht, will man nicht sehen, denn es zu benennen ist negativ, und wer will schon als jemand negatives gelten?
Also wird sich der eingeschlagene Weg nicht ändern lassen, weil erst wenn wir sozusagen die Früchte dessen Ernten, was die aktuelle Handlungsweise auslösen wird, DANN werden die Menschen gezwungen sein umzudenken und entsprechend wird sich dann eine Menge ändern. Nur dass es dann eigentlich schon zu spät ist, weil wir dann keine Ressourcen mehr haben werden, mit denen man diese Veränderung auch tatsächlich durchführen könnte.
Somit bringt es tatsächlich nicht viel wenn jemand in die Politik einsteigt, und drum ist es logisch dass selbst sehr aktive Politiker nicht viel verändern können: weil die Masse kein Interesse an Veränderung hat. Nicht unbedingt weil es uns zu gut geht. Es geht den meisten Menschen ziemlich schlecht, aber sie merken es gar nicht, weil sie nicht das grosse ganze im Kopf haben, sondern nur ihr individuelles Leben, sie merken nicht, dass Ressourcenverknappung, Regenwaldabholzung, Tiersterben, Kriege irgendwo auf der Welt, auch ihr Leben beeinflussen – dafür ist es zu weit weg. Da ist der anfangs mal zitierte Bauer eben näher. Der ja Subventionen braucht! Nur dass gerade diese Subventionen Einfluss auf den Bauer in Afrika haben, auch das erkennen Einzelpersonen bislang nicht.
Man kann also hinstehen und grosse Reden schwingen, das ändert nichts. Was etwas ändern könnte, wäre eine Art Erfindung von jemandem der wirklich Bescheid weiss (also im Gegensatz zu mir: jemand mit Bildung

), der Dinge analysiert und aufgrund dieser Analyse ein neues Gesellschaftsmodell entwickelt, das von einer breiten Masse begeistert aufgenommen wird. Sieht man jedoch in welche Richtung die Begeisterung der Masse meistens geht, so versteht man auch, warum kaum jemand etwas gegen Kameras etc. hat. Die Menschen, die Menschheit IST (jedenfalls zurzeit) tatsächlich so, wie die Politik das vorlebt. Anders gesagt: die Politik lebt das nicht vor, sondern ahmt nach. Nur wenige sind „aufgewacht“ und merken was daran faul ist. Und diese Wenigen sind zu wenige und werden zu wenige bleiben, bis es nicht mehr anders geht. Dann erst kommt die Masse auch dahinter und beginnt sich zu wehren. Das ist jedenfalls meine Hoffnung. Wehren im Sinn von etwas Verändern. Nicht kriegerisch sondern im Bezug auf das Bewusstsein.
Das was wir brauchen, das was wir geben - das sind wir.