Mich fasziniert der Film extrem. Das mag sicherlich zu einem grossen Teil an den Drogen liegen, die im Laufe des Films konsumiert werden. Andererseits zeigt der Film auch einen Lebensstil, eine Denkensart auf, die mich auf eine Art sehr anspricht. Um genau zu sein: Ich wünschte, ich hätte die 68er-Bewegung miterleben können. Natürlich führt das Ganze in eine Sackgasse, wie auch im Film zu sehen ist: Der Depp wird fast wahnsinnig, vergisst völlig wer er eigentlich ist und was er eigentlich will und sein Anwalt wird gewalttätig (ob er die junge Künstlerin tatsächlich vergewaltigt hat oder ob das in der allgemeinen Horrortrip-Panik von der Theorie plötzlich in die geglaubte Realität überschwappte, das ist mir bis jetzt nicht ganz klar). Aber irgendwie steckt da etwas dahinter.....diese Dynamik damals in Amerika muss absolut gewaltig gewesen sein. Ob sowas heutzutage wohl noch möglich ist?
Gerade in der Goaszene lebt der Geist der 68er-Bewegung auch noch ein bisschen mit. Drogen, tanzen wie man will, sich auflösen in der Musik, so kommen wie man will, so sein wie man will, einfach mal abschalten, völlig deliriös einfach mal reinwerfen was man in die Finger bekommt und dann eine Nacht lang abheben. Nur sind die Ideale ein bisschen in den Hintergrund gerückt, habe ich das Gefühl. Natürlich ist man gegen Krieg und für Blümchen-Frieden-Smile-und-so, aber im Grunde gehts in erster Linie darum, zusammen zu kommen, einige Stunden abzuschalten, fern zu sein von den Pflichten des Alltags, um nach der Party wieder in den gewohnten Trott zurückzukehren. Die Hippiebewegung war da wohl einiges konsequenter: Da kam man einfach dazu und blieb dann dabei, kehrte nicht mehr zurück in die alte, verklemmte Welt der Gesellschaft (so stelle ich es mir zumindest vor).
Der Depp sagt irgendwann mal in dem Film etwas wie: "das Ganze scheiterte daran, dass wir uns zu sicher waren, dass wir gewinnen." Er beschreibt es wie einen Ritt auf dem Kamm einer Welle, die aber ziemlich schnell wieder bricht, abflacht und schliesslich verschwindet. Aber irgendwie glaube ich, dass wenn das 1968 in diesem Ausmass möglich war und wenn die Nachwirkungen dieser gigantischen Bewegung bis heute zu spüren sind, dann wäre ein erneuter Aufruf, ein erneutes sich Erheben und in die Welt hinausschreien: "SO KANNS NICHT WEITERGEHEN!" durchaus möglich. Natürlich müssten viele Ideale gründlich überarbeitet werden. Und man müsste sich wirklich mit den nackten Tatsachen konfrontieren. Das war wohl ein weiteres Problem der Hippiebewegung, womit wir auch wieder beim Kontext des Films sind: Dieses konsequente sich berauschen, sich zudröhnen, der Realität um jeden Preis entfliehen, einfach mal wahllos Substanzen reinwerfen und ins Nirvana aufsteigen. Wie war das?

Irgendwie ist es auch ein Liebäugeln mit dem Tod. All diese Stoffe sind ja eigentlich Gift und bei Überkonsum, erhascht man schnell einmal einen Blick auf den "Tunnel mit dem Licht am Ende". Und da der Mensch und die Welt eins sind (Rüdiger Dahlke, hab das Buch nicht gelesen, nur der Titel fasziniert mich), zerstört er sich selbst in dem selben Masse, wie er seine Bleibe, die Erde, zerstört.
Trotzdem hoffe ich, dass eines Tages sich wieder etwas regt in der Gesellschaft. Dass einige beschliessen, dass etwas anders werden muss, dass sich "die Freaks dieser Welt" aufraffen und der Gesellschaft zünftig eins auf die Rübe donnern. Ob das dann wieder in ewigen gigantischen Drogenexzessen endet, ok, das ist doch eigentlich genau genommen auch ein Weg. Hängengebliebene sind ja meiner Meinung nach alles andere als unglücklich (siehe Tilo Kaiser). Ausserdem kann ein BEWUSSTER Umgang mit Drogen meiner Meinung nach sehr heilsam sein. Mit bewusst meine ich, so, wie es die Schamanen machten: In Verbindung mit Ritualen, so dass sich der Konsumierende wirklich bewusst ist: "Ich gehe jetzt auf eine Reise, ich werde andere Dimensionen sehen, ich ersuche die Geister, mich in ihrem Reich willkommen zu heissen und meine Anwesenheit, meine Neugier zu akzeptieren." Mit einem solchen bewussten Umgang kann meiner Meinung nach kaum etwas schiefgehen.
Mir kommt da gerade ein interessanter Gedanke: Man stelle sich vor, die ganze Menschheit würde mit einer heftigen Dosis LSD so zugeballert, dass sie nicht mehr vom Trip runterkommt. Wie würde die Menschheit wohl aussehen, wenn alle hängengeblieben wären? Ich bin mir sicher, dass wir weniger Krieg hätten.
Auf jeden Fall: Lasst uns die Revolution einleiten, lasst und in die Welt hinausschreien: REISST DIE MAUERN NIEDER!



