Schon oft habe ich mich gefragt, wo denn genau diese Grenze zwischen Genie - hier: eine gesunde kritische Grundhaltung - und Wahnsinn - hier: eine kranke paranoide Grundhaltung - liegt.
Wo liegen denn nun die Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer gesunden kritischen und einer kranken paranoiden Grundhaltung?
Ein einfaches fiktives Beispiel (Ähnlichkeiten mit der Realität könnten ungewollt sein...):
Ein ganz normaler Tag. Morgens am Bahnhof auf den Zug warten, dann mit dem Zug in die Stadt fahren. In der Stadt einer Strasse entlang laufen, wo es von Juwelieren und Uhrengeschäften nur so wimmelt. Die Tür zum Treppenhaus des Arbeitsplatzes öffnen, die Treppen hinauf gehen, dann hinein ins Büro. Mittags am Bancomat Geld beziehen und in einem Restaurant etwas essen. Dann wieder arbeiten und am Abend, nach dem Einkaufen im Einkaufszentrum, wieder nach Hause gehen.
Und da kommt die Überwachung ins Spiel. Ich gehe davon aus, dass sowohl das Genie, als auch der Wahnsinn die Möglichkeit des Missbrauchs solcher offiziell als präventative Sicherheitsmassnahmen angepriesenen Kameras als gegeben betrachten. Darum will ich gar nicht unbedingt weiter auf die Frage eingehen, ob Überwachungskameras der Menschheit eher Nutzen oder Schaden bringen. Viel entscheidender ist hier die Frage, wie diese zwei unterschiedlichen Typen des Misstrauens auf diese Möglichkeit reagieren:
Der kritisch denkende Mensch wird sich auf seinem Arbeitsweg kaum verfolgt fühlen. Er ist sich zwar stets bewusst, dass die Möglichkeit bestünde, dass sein ganzer Tag aufgezeichnet und gespeichert wird, er überlegt sich dann aber, dass er, wenn er sich möglichst nicht manipulieren lassen wolle, sich auch möglichst so verhalten sollte, wie wenn da keine Kameras wären. Ausserdem könne ja eine Kamera keine Gedanken auffangen, denkt er.
Der paranoide Mensch ist sich ebenfalls der Möglichkeit der Dauerüberwachung bewusst. Er wird sich allerdings anders verhalten, als wenn er sich dessen nicht bewusst wäre. Die Angst kontrolliert zu werden, kontrolliert ihn. Die Angst, nicht einmal seine eigenen Gedanken kontrollieren zu können, lässt ihn in dem Gedanken, seine Gedanken seien von aussen gemacht. Er fühlt sich manipuliert.
Dieses Beispiel ist natürlich sehr überspitzt und teilweise auch klischeehaft formuliert, es soll aber vereinfacht darstellen, wie wichtig der Faktor Angst bei der Unterscheidung zwischen einer sich nicht manipulieren lassenden und einer in paranoiden Wahn verfallenen Person ist, obwohl sich beide in gleichem Masse bewusst sind, dass die Möglichkeit einer Massenmanipulation bestünde.
Die Angst wird dann vor allem entscheidend, wenn es darum geht, gegen die für beide als bedrohlich empfundene Überwachung anzugehen:
Das Genie wird dank ungebremster Kreativität die an sich negativen Gefühle der drohenden Zukunft in positive Gedanken umwandeln können. Es würde vielleicht eine Aktion starten, die auf eine humorvolle und listige Art und Weise den potentiellen Überwachern durch die Blume sagen würde, dass sich der Mensch nicht manipulieren lässt durch die Anwesenheit von Kameras.
Das Wahnsinnige wird von der Angst bestimmt und ist daher nicht fähig, die negativen Gedanken in positive kreative Energie umzusetzen. Es will zwar nicht manipuliert werden, zerfällt aber am inneren Widerspruch, dass es gar nicht anders kann, als manipuliert zu werden, da sogar die eigenen Gedanken manipuliert sind. Wie soll es erreichen, nicht manipuliert zu werden, wenn sogar der Gedanke an den Willen nicht manipuliert zu sein, manipuliert ist?
Der Unterschied zeigt sich also im Umgang mit negativen Gedanken. Beide Eigenschaften werden zunächst misstrauisch, dank eines auf beide negativ wirkenden Anstosses(Die Kameras). Der Wahn entsteht dann, wenn die Angst den Menschen anfängt zu kontrollieren, worauf ja oftmals auch Manipulation hinausläuft (bestes Beispiel ist der Krieg gegen den Terror...). Das Genie versucht allerdings die Angst zu kontrollieren und damit den negativen Gedanken keine Macht zu geben die Kreativität, die unbedingt nötig ist um sich nicht manipulieren zu lassen, zu unterdrücken.
Nur nochmals so ein paar Gedanken, die mir bei diesem Thema durch den Kopf schossen
*ichauchoftmalszuwahnsinnigbin*
