Universelle Liebe (und Bewunderung)
Verfasst: Di 12. Feb 2008, 04:56
Wer kennt es nicht, dies Gefühl, jemanden zu treffen, der so weise ist, so weit und so selbstbewusst.
Schnell fragt man sich, wie kann ich da genügen, wo ist denn auch nur ansatzweise etwas, das an mir bewundernswert ist?
Man zerfliesst im Selbstmitleid, weil andere Optionen einfach nicht zur Verfügung stehen.
Und so geht die Person dahin, die einem so gut tut, weil sie nicht verantwortlich sein kann, für mich.
Die Eigenverantwortung... auch so ein Wort, dass zwar richtig ist, nur schwer zu erlangen.
Einfacher ist es, sich selbst zu verlieren, zu verstecken.
Und so verstecke ich mich unter einem Scheffel, lasse mein Licht von einer Wolke verdecken, trage eine Maske, die gefährlich oder langweilig aussieht, trage Masken, um zu verhindern, dass ich mich selbst erkennen muss.
Und wird der Schleier von einem Menschen gelüftet, der sehen kann - der mir Mut gibt, mich zu öffnen, und mich zu sein, so entsteht Dankbarkeit, doch diese hat einen Makel. Sie ist bereits wieder unterwürfig. Denn alles was wir anderen Menschen zu verdanken haben, gebiert nicht aus uns selbst heraus. Und so verliere ich diesen Menschen wieder - bis ich den Nächsten treffe, und das gleiche Spiel nocheinmal spiele. Kann ich erkennen, dass auch ich ein Licht besitze, oder bleibe ich in der Illusion hängen, nichts zu sein, im Vergleich zu den Menschen, die ich bewundere?
Denn die Bewunderung ist eine Falle. Gerade bei den Menschen, die doch so bewundernswert sind, weil sie die universelle Liebe leben, die in ihrer Kreativität aufgehen, oder nur schon im Tanzen, kann etwas ganz perfides passieren: man möchte ganz oft in der Nähe dieser Menschen sein, möchte von ihnen lernen und ihren Worten lauschen. Das klingt jetzt nicht soo schlecht, kann es jedoch werden. Wenn man anfängt etwas von ihnen zu wollen, so überträgt man ihnen die Verantwortung für sich selbst, Verantwortung, die diese Menschen nicht übernehmen können, denn sie leben nach dem Grundsatz, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Mehr als diese Erkenntnis, können und wollen sie mir nicht geben.
Und so täusche ich mich und glaube gar ich sei verliebt (wenn es eine Frau ist), erschaffe ein Bild von dieser Person, ein Bild aber ist niemals die ganze Wahrheit. Andere so nehmen wie sie sind, heisst eben genau: sich keine Bilder (keine Illusionen) von ihnen schaffen, sondern einfach das was sie sind, sehen. Schön in ihrer Offenheit - natürlich - aber niemals bewundernswert - denn einen Wert haben sie in dem Sinn nicht, sie sind kein materielles Gut das einen Wert hat, weder einen Liebe(n)s-Wert noch einen Bewunderungs-Wert.
Ihre Kraft und Schönheit und Anmut ist nicht wertvoll - sondern ganz einfach echt und authenthisch. Dies muss man nicht benennen, dies darf man nicht benennen, denn jedes Wort ist zu viel, zerstört den Zauber der Wahrheit. Versucht man es mit Worten "einzufangen" ist es bereits fort, es macht ihnen Angst, bewundert zu werden, denn sie spüren, dass dahinter vor allem eines steht:
Ganz viel Angst, davor selbst derart offen zu sein, derart frei.
Mir selbst fällt es sehr schwer mich aus dieser Falle zu befreien. Immer wieder tappe ich genau dort hinein. Es gibt Menschen an Goapartys (wäre ich ein Goth, wären es halt Gothicpartys - die Location spielt keine Rolle, ist aber bei mir halt eher auf Goa eingestellt), mit denen ich kaum je ein Wort wechsle, weil ich in Bewunderung versinke. Es gibt Frauen, die mein Wahres Ich erkennen, während ich daneben sitze und denke, ich sei nichts wert; ungenügend. Ich traue mich nicht, etwas zu sagen, weil ich glaube, die andere Person sei doch so viel weiter... was sie ja auf eine Art auch ist, schliesslich hat sie diese Fragen hinter sich gelassen. Doch nur wenn ich das sozusagen ignorieren kann und mich öffnen, werde ich den Weg dorthin auch eines Tages finden. Vielleicht kann ich dann mit diesen Menschen reden. Vielleicht kann ich dann diese Frauen auf andere Weise erkennen, als früher.
Immer, wenn man genau den gleichen Fehler zweimal tut, steht man wie vor einem riesigen Berg aus Enttäuschung, Wut (auf mich selbst) und klar, das gibt einem nicht eben die Hoffnung, den Berg jemals zu überwinden. Wann immer man erkennen muss, dass diese Personen tatsächlich viel weiter sind, man das aber dennoch nicht werten darf..., nicht beurteilen, nicht vergleichen, so stellt sich schon die Frage: wie komm ich denn weiter?
Das Problem ist, dass eines nicht funktioniert: selbst weiterkommen, durch jemand anders. Das klappt nicht. Selbst weiterkommen, heisst an und für sich nicht mehr (aber auch nicht weniger), als sich selbst erkennen. Damit man sich selbst erkennt, genügt es nicht, mit jemanden zu reden, der einen erkennen kann. Es bringt mir herzlich wenig, wenn mir jemand sagt, ich könne schreiben, wenn ich es selbst nicht erkenne. Es bringt nichts, wenn man jemandem sagt, wie toll er tanzt, wenn dieser es selbst nicht erkennt (und lebt).
Die Hoffnung liegt darin, dass es ja tatsächlich Menschen gibt, die all diesen Scheiss schon durchgemacht haben, und es irgendwie geschafft haben, aus diesen Fallen von Bewunderung, Selbstverleugnung, Selbstüberschätzung (usw.), herauszukommen und einfach SIE SELBST zu sein. Diese können als Inspiration dienen.
Ah! Genau darum geht es eben nicht: "als Inspiration DIENEN" kann ja nicht der Lebensinhalt sein, den ein freier Mensch sucht. Er will nicht dienen - er will einfach nur sein. Wenn man also einen Menschen trifft der voller Inspirativer Kraft steckt, wo weise ist, wo tanzt, als gäbe es keine Gravitation, wo liebt, als gäbe es keinen Verlust, wo redet und erzählt, wie er denkt... also dann... dann darf man dieses Geschenk diesen Menschen zu treffen einfach nur annehmen. Das ist das einzige was man dann darf, wenn man selbst noch nicht so weit ist, zu erkennen, dass man das auch möchte und kann.
Was man aber nicht darf, ist hinzugehen und diesem Menschen zu Füssen liegen, ihn mit Geschenken überhäufen und ihn anbeten, als sei er eine Götze. Es gab da mal so einen Spruch in einem relativ bekannten Buch: Du sollst Dir von Gott kein Bildnis machen. Meines Erachtens heisst das, wenn Du einen Menschen triffst, der im Einklang mit sich selbst steht (also "göttlich" wirkt), so darf man ihn eben nicht als Bild anbeten, sondern einzig und allein die Begegnung geniessen.
Die Inspiration, die solche Menschen auslösen, kann sehr vielfältig sein. Immer ist sie gut. Problematisch ist nur, dass man viel zu schnell in die Falle der Dankbarkeit und Bewunderung abdriftet. Das ist gefährlich für die Beziehung zu diesem Menschen, es ist aber insbesondere gefährlich für Dich selbst, denn wenn ich mich verwickle in meinen Gefühlen zu dieser Person - so ent-wickle ich mich nicht.
Nun mag sich manch einer fragen, ja aber moooment. Wenn dem so ist, wo ist dann Platz für Liebe, die ja auch enorme Bewunderung beinhaltet, und wo ist da Platz für Anerkennung und Respekt? Meine Antwort, soweit ich es erkennen kann: Liebe ist für mich Universelle Liebe - und für mich ist das die Form der Liebe, die ich empfinden möchte. Andere möchten womöglich etwas anderes. Respekt und Anerkennung bedeuten für mich nicht Aufopferung und Verehrung. Es ist nicht respektvoll, wenn man jemanden über sich stellt, denn es ist genau das Gleiche, wie wenn man sich selbst über andere stellt - umgekehrt zwar, aber von der Energie her dasselbe. Es ist als würde eine Zelle zur anderen Zelle sagen: "Du bist besser als ich" und zu einer Krebszelle mutieren. Es schadet dem Organismus, wenn man das tut. Doch auch hier: das empfinden nicht alle Menschen gleich.
Eine weitere Frage, die aufgeworfen werden könnte, ist, warum denn diese freien, selbstständigen Menschen diese Verantwortung für mein Leben nicht übernehmen. Sie sind ja schliesslich stark genug, und überhaupt ich bin zu schwach, ich brauche doch Hilfe!
Der Grund ist einerseits, dass diese Hilfe keine wäre. Denn das Einzige was dadurch enstehen würde, wäre Abhängigkeit von Dir zu diesem Menschen. Was aber, wenn der Mensch irgendwann nicht mehr da ist? Dann fällt die ganze Hilfe in sich zusammen, weil alles was man ist, darauf aufgebaut wurde, dass dieser Mensch einem das immer wieder gesagt hat. Und der zweite Grund ist, dass diese Menschen, die tatsächlich frei, ständig ganz viel Verantwortung tragen. Sie müssen fortwährend darauf achten, jene nicht zu verletzen, die auf eine andere Art lieben, als sie selbst.
Mich haben schon einige dieser Menschen wieder verlassen. Die Wichtigste, oder zumindest die Erste, hat mich damals in ein ganz ganz tiefes Loch gestürzt. Ich habe Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass nicht sie mich dort hinein gestürzt hat, sondern ich selbst. Da ich all meine Selbstbilder auf ihr aufgebaut hatte. Alles was ich an mir gut fand, war nur gut, weil sie mich mochte. Ich brauchte sie. Bis sie das eines Tages gemerkt hat, und mich los-liess. Sie hat mir damit die Möglichkeit gegeben, mich zu ent-Wickeln. Ich traf im Laufe der Zeit noch ein paar dieser Menschen, bevor ich nun diesen Text schreiben kann.
Es erfüllt mich mit einer Art freudiger Melancholie wenn ich jetzt in diesen Morgenstunden, an die vielen Menschen denke, die mich auf diesem Weg kurze oder lange Zeit begleiteten. An die Begegnungen mit diesen freien Wesen. Diese Inspirationen, diese Offenheit, diese Weisheit... Ohne irgend etwas dafür zu verlangen. Mag sein sie wünschten sich, dass ich mich selbst ebenso erkenne... doch sie nahmen mich so wie ich bin...
Schnell fragt man sich, wie kann ich da genügen, wo ist denn auch nur ansatzweise etwas, das an mir bewundernswert ist?
Man zerfliesst im Selbstmitleid, weil andere Optionen einfach nicht zur Verfügung stehen.
Und so geht die Person dahin, die einem so gut tut, weil sie nicht verantwortlich sein kann, für mich.
Die Eigenverantwortung... auch so ein Wort, dass zwar richtig ist, nur schwer zu erlangen.
Einfacher ist es, sich selbst zu verlieren, zu verstecken.
Und so verstecke ich mich unter einem Scheffel, lasse mein Licht von einer Wolke verdecken, trage eine Maske, die gefährlich oder langweilig aussieht, trage Masken, um zu verhindern, dass ich mich selbst erkennen muss.
Und wird der Schleier von einem Menschen gelüftet, der sehen kann - der mir Mut gibt, mich zu öffnen, und mich zu sein, so entsteht Dankbarkeit, doch diese hat einen Makel. Sie ist bereits wieder unterwürfig. Denn alles was wir anderen Menschen zu verdanken haben, gebiert nicht aus uns selbst heraus. Und so verliere ich diesen Menschen wieder - bis ich den Nächsten treffe, und das gleiche Spiel nocheinmal spiele. Kann ich erkennen, dass auch ich ein Licht besitze, oder bleibe ich in der Illusion hängen, nichts zu sein, im Vergleich zu den Menschen, die ich bewundere?
Denn die Bewunderung ist eine Falle. Gerade bei den Menschen, die doch so bewundernswert sind, weil sie die universelle Liebe leben, die in ihrer Kreativität aufgehen, oder nur schon im Tanzen, kann etwas ganz perfides passieren: man möchte ganz oft in der Nähe dieser Menschen sein, möchte von ihnen lernen und ihren Worten lauschen. Das klingt jetzt nicht soo schlecht, kann es jedoch werden. Wenn man anfängt etwas von ihnen zu wollen, so überträgt man ihnen die Verantwortung für sich selbst, Verantwortung, die diese Menschen nicht übernehmen können, denn sie leben nach dem Grundsatz, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Mehr als diese Erkenntnis, können und wollen sie mir nicht geben.
Und so täusche ich mich und glaube gar ich sei verliebt (wenn es eine Frau ist), erschaffe ein Bild von dieser Person, ein Bild aber ist niemals die ganze Wahrheit. Andere so nehmen wie sie sind, heisst eben genau: sich keine Bilder (keine Illusionen) von ihnen schaffen, sondern einfach das was sie sind, sehen. Schön in ihrer Offenheit - natürlich - aber niemals bewundernswert - denn einen Wert haben sie in dem Sinn nicht, sie sind kein materielles Gut das einen Wert hat, weder einen Liebe(n)s-Wert noch einen Bewunderungs-Wert.
Ihre Kraft und Schönheit und Anmut ist nicht wertvoll - sondern ganz einfach echt und authenthisch. Dies muss man nicht benennen, dies darf man nicht benennen, denn jedes Wort ist zu viel, zerstört den Zauber der Wahrheit. Versucht man es mit Worten "einzufangen" ist es bereits fort, es macht ihnen Angst, bewundert zu werden, denn sie spüren, dass dahinter vor allem eines steht:
Ganz viel Angst, davor selbst derart offen zu sein, derart frei.
Mir selbst fällt es sehr schwer mich aus dieser Falle zu befreien. Immer wieder tappe ich genau dort hinein. Es gibt Menschen an Goapartys (wäre ich ein Goth, wären es halt Gothicpartys - die Location spielt keine Rolle, ist aber bei mir halt eher auf Goa eingestellt), mit denen ich kaum je ein Wort wechsle, weil ich in Bewunderung versinke. Es gibt Frauen, die mein Wahres Ich erkennen, während ich daneben sitze und denke, ich sei nichts wert; ungenügend. Ich traue mich nicht, etwas zu sagen, weil ich glaube, die andere Person sei doch so viel weiter... was sie ja auf eine Art auch ist, schliesslich hat sie diese Fragen hinter sich gelassen. Doch nur wenn ich das sozusagen ignorieren kann und mich öffnen, werde ich den Weg dorthin auch eines Tages finden. Vielleicht kann ich dann mit diesen Menschen reden. Vielleicht kann ich dann diese Frauen auf andere Weise erkennen, als früher.
Immer, wenn man genau den gleichen Fehler zweimal tut, steht man wie vor einem riesigen Berg aus Enttäuschung, Wut (auf mich selbst) und klar, das gibt einem nicht eben die Hoffnung, den Berg jemals zu überwinden. Wann immer man erkennen muss, dass diese Personen tatsächlich viel weiter sind, man das aber dennoch nicht werten darf..., nicht beurteilen, nicht vergleichen, so stellt sich schon die Frage: wie komm ich denn weiter?
Das Problem ist, dass eines nicht funktioniert: selbst weiterkommen, durch jemand anders. Das klappt nicht. Selbst weiterkommen, heisst an und für sich nicht mehr (aber auch nicht weniger), als sich selbst erkennen. Damit man sich selbst erkennt, genügt es nicht, mit jemanden zu reden, der einen erkennen kann. Es bringt mir herzlich wenig, wenn mir jemand sagt, ich könne schreiben, wenn ich es selbst nicht erkenne. Es bringt nichts, wenn man jemandem sagt, wie toll er tanzt, wenn dieser es selbst nicht erkennt (und lebt).
Die Hoffnung liegt darin, dass es ja tatsächlich Menschen gibt, die all diesen Scheiss schon durchgemacht haben, und es irgendwie geschafft haben, aus diesen Fallen von Bewunderung, Selbstverleugnung, Selbstüberschätzung (usw.), herauszukommen und einfach SIE SELBST zu sein. Diese können als Inspiration dienen.
Ah! Genau darum geht es eben nicht: "als Inspiration DIENEN" kann ja nicht der Lebensinhalt sein, den ein freier Mensch sucht. Er will nicht dienen - er will einfach nur sein. Wenn man also einen Menschen trifft der voller Inspirativer Kraft steckt, wo weise ist, wo tanzt, als gäbe es keine Gravitation, wo liebt, als gäbe es keinen Verlust, wo redet und erzählt, wie er denkt... also dann... dann darf man dieses Geschenk diesen Menschen zu treffen einfach nur annehmen. Das ist das einzige was man dann darf, wenn man selbst noch nicht so weit ist, zu erkennen, dass man das auch möchte und kann.
Was man aber nicht darf, ist hinzugehen und diesem Menschen zu Füssen liegen, ihn mit Geschenken überhäufen und ihn anbeten, als sei er eine Götze. Es gab da mal so einen Spruch in einem relativ bekannten Buch: Du sollst Dir von Gott kein Bildnis machen. Meines Erachtens heisst das, wenn Du einen Menschen triffst, der im Einklang mit sich selbst steht (also "göttlich" wirkt), so darf man ihn eben nicht als Bild anbeten, sondern einzig und allein die Begegnung geniessen.
Die Inspiration, die solche Menschen auslösen, kann sehr vielfältig sein. Immer ist sie gut. Problematisch ist nur, dass man viel zu schnell in die Falle der Dankbarkeit und Bewunderung abdriftet. Das ist gefährlich für die Beziehung zu diesem Menschen, es ist aber insbesondere gefährlich für Dich selbst, denn wenn ich mich verwickle in meinen Gefühlen zu dieser Person - so ent-wickle ich mich nicht.
Nun mag sich manch einer fragen, ja aber moooment. Wenn dem so ist, wo ist dann Platz für Liebe, die ja auch enorme Bewunderung beinhaltet, und wo ist da Platz für Anerkennung und Respekt? Meine Antwort, soweit ich es erkennen kann: Liebe ist für mich Universelle Liebe - und für mich ist das die Form der Liebe, die ich empfinden möchte. Andere möchten womöglich etwas anderes. Respekt und Anerkennung bedeuten für mich nicht Aufopferung und Verehrung. Es ist nicht respektvoll, wenn man jemanden über sich stellt, denn es ist genau das Gleiche, wie wenn man sich selbst über andere stellt - umgekehrt zwar, aber von der Energie her dasselbe. Es ist als würde eine Zelle zur anderen Zelle sagen: "Du bist besser als ich" und zu einer Krebszelle mutieren. Es schadet dem Organismus, wenn man das tut. Doch auch hier: das empfinden nicht alle Menschen gleich.
Eine weitere Frage, die aufgeworfen werden könnte, ist, warum denn diese freien, selbstständigen Menschen diese Verantwortung für mein Leben nicht übernehmen. Sie sind ja schliesslich stark genug, und überhaupt ich bin zu schwach, ich brauche doch Hilfe!
Der Grund ist einerseits, dass diese Hilfe keine wäre. Denn das Einzige was dadurch enstehen würde, wäre Abhängigkeit von Dir zu diesem Menschen. Was aber, wenn der Mensch irgendwann nicht mehr da ist? Dann fällt die ganze Hilfe in sich zusammen, weil alles was man ist, darauf aufgebaut wurde, dass dieser Mensch einem das immer wieder gesagt hat. Und der zweite Grund ist, dass diese Menschen, die tatsächlich frei, ständig ganz viel Verantwortung tragen. Sie müssen fortwährend darauf achten, jene nicht zu verletzen, die auf eine andere Art lieben, als sie selbst.
Mich haben schon einige dieser Menschen wieder verlassen. Die Wichtigste, oder zumindest die Erste, hat mich damals in ein ganz ganz tiefes Loch gestürzt. Ich habe Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass nicht sie mich dort hinein gestürzt hat, sondern ich selbst. Da ich all meine Selbstbilder auf ihr aufgebaut hatte. Alles was ich an mir gut fand, war nur gut, weil sie mich mochte. Ich brauchte sie. Bis sie das eines Tages gemerkt hat, und mich los-liess. Sie hat mir damit die Möglichkeit gegeben, mich zu ent-Wickeln. Ich traf im Laufe der Zeit noch ein paar dieser Menschen, bevor ich nun diesen Text schreiben kann.
Es erfüllt mich mit einer Art freudiger Melancholie wenn ich jetzt in diesen Morgenstunden, an die vielen Menschen denke, die mich auf diesem Weg kurze oder lange Zeit begleiteten. An die Begegnungen mit diesen freien Wesen. Diese Inspirationen, diese Offenheit, diese Weisheit... Ohne irgend etwas dafür zu verlangen. Mag sein sie wünschten sich, dass ich mich selbst ebenso erkenne... doch sie nahmen mich so wie ich bin...