Erfüllung in einer Paarbeziehung
Verfasst: Do 30. Jun 2011, 19:53
Die Liebe. Ein grosses Wort. Etwas schwer zu erklären und doch allen auf natürliche Weise bekannt. Die Paarbeziehung - den Zustand in dem wir unsere Liebe leben und ausleben möchten.
Wir setzen gerne unsere Hoffnung darauf, in einer Liebesbeziehung Erfüllung und Geborgenheit zu finden. Fast alle Menschen träumen davon, den richtigen Partner zu finden. Es ist als ob ihnen Gott ins Ohr geflüstert hätte „auf der Erde wartet jemand auf dich“. Wir glauben, dass es jemand gibt mit dem wir sein können; den wir lieben können und von dem wir bedingungslos geliebt werden; oder wir hoffen es zumindest. Wie könnte es auch sein, dass dieses unter der Haut lodernde Bedürfnis, und alles was wir zu geben hätten ein leben Lang brach liegen sollte?
Treffen wir jemanden und verlieben uns gegenseitig, so beginnen wir gerne zu glauben, dass der grosse Moment nun da ist. Dass wir unser Gegenstück gefunden haben, und dass etwas solides entsteht. Dass aus Verliebtheit tiefe Liebe wächst. Um dies zu zementieren oder weil wir gerne Kinder hätten heiraten wir voller Überzeugung und Optimismus.
Solide… Nach 3 Ehejahren sind knappe 10% in der Schweiz wieder geschieden. Nach 30 Ehejahren ca die Hälfte. Korrekter Weise kommen all die Paarversuche, die schon vor einer Hochzeit gescheitert sind auch noch in die Erfolgsquote.
Wir setzen also mit jeder Beziehung, die wir in Ernsthaftigkeit eingehen, auf ca 10% Chancen. Etwas distanziert und nüchtern betrachtet könnte man sagen, dass wir all unsere Hoffnung zur Erfüllung im Leben auf eine der risikoreichsten Optionen setzen. Nämlich auf die Paarbeziehung.
Während andauernder Partnerschaft betrügen wir uns, streiten uns, verletzen einander und verlassen einander.
Das wissen wir. Aber warum streben wir trotzdem danach? Was ist denn wirklich so viel besser an der Zweisamkeit? Und warum sehnen sich zB auch all diejenigen, welche immerzu die fast nicht überwindbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern betonen nach einer Beziehung zu einer Person des andern Geschlechts?
Vielleicht hat dies mit unserem Ursprung zu tun. Mit dem Ort von dem wir kommen.
Unsere ersten Wahrnehmungen stammen aus dem Mutterleib. Einem Ort vollkommener Geborgenheit. Aus einer Zeit in der wir niemals von unserer Mutter getrennt sind. Dem Menschen, der uns in den meisten Fällen bedingungslos liebt. Wir kannten keine Kälte, keinen Hunger, wohl in der Regel auch keinen Schmerz.
Bei der Geburt werden wir dann in einem ziemlich strapazierenden Prozess durch einen sehr engen Kanal an die kalte Luft gepresst. Die umhüllende Wärme und die Nähe sind weg. Wir müssen selber atmen, erfahren Hunger, Schmerzen und Einsamkeit.
In den folgenden zwei Jahren überleben wir nur wegen der Liebe unserer Eltern. Besonders wegen der Liebe unserer Mutter. Es ginge ganz einfach nicht ohne sie, und je mehr Liebe wir in dieser Zeit erhalten, umso besser können wir später gedeihen.
Darauf folgt die sogenannte Erziehung, oder Sozialisierung. Ein ziemlich harter Prozess, in dem uns unsere Eltern durch Ablehnung zeigen, dass wir etwas falsch machen und durch Liebe zeigen, wenn wir brav waren. Wir lernen, dass wir sogenannte Fehler haben und die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen. Wir spüren, dass es offenbar nicht ganz richtig ist, wie wir sind. Eine weitere Form von Kälte.
Beides, die Geborgenheit aus dem Mutterleib und die intensive Liebe der ersten Jahre vermissen wir unser Leben lang. Wir sehnen uns nach der umhüllenden Wärme und nach bedingungsloser Liebe. Nach dem Ort an dem nichts fehlte und es einfach gut war, wie es eben war.
Wir hoffen diese Nestwärme in einer Beziehung zu einem Menschen wieder zu finden, und setzen unsere Hoffnung auf einen Menschen. Ausgerechnet auf einen der Menschen, der es nur in ein paar Fällen von tausenden schafft, sich ein leben Lang auf das gleiche Gegenüber einzulassen.
Und auch diejenigen, welche es schaffen als Paar ein Leben zusammen zu halten; es wird wohl kein Paar bleiben, dass sich nicht heftigsten Gewittern stellen muss. Momente in denen von gefühlter Liebe und Geborgenheit keine Spur bleibt.
Manche mögen mich für verbittert halten. Andere für verletzt oder enttäuscht. Ent-Täuscht stimmt vielleicht sogar. Mittlerweile scheint es mir wichtig, dass wir verstehen, dass sich das Rad der Zeit nicht zurück dreht, und dass man von einem Menschen nicht zuviel erwarten darf.
Es gibt auch keine zweite Welt, die sich durch einen anderen Menschen öffnet. Es gibt nur diese. Und wir täten wohl besser daran zu verstehen, dass die Zeiten bedingungsloser Geborgenheit längst ein Ende hatten. Dass unser Dasein unter anderem von Kälte, Stress und Schmerz geprägt ist.
Unser Sein ist… unter anderem davon geprägt, aber nicht nur. Wir sollten versuchen uns selber genügend Aufmerksamkeit und Zuneigung zu geben. Wir sollten nach Dingen suchen, welche uns erfüllen und nichts mit Paarbeziehungen zu tun haben. Ich glaube, dass wir den Tatsachen ins Auge sehen, akzeptieren und verstehen können. Und so ohne die eingestanzte Idealvorstellung einer Traumbeziehung glücklich sein können. Auch wenn wir leiden.
Paarbeziehungen sind einfach ein zu heisses Pflaster um die persönliche Erfüllung daran anzuknüpfen.
Das heisst nicht, dass man sich nicht auf einen anderen Menschen einlassen soll.
„wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.“ Schreibt Khalil Gibran im Gedicht „Die Liebe“. Er schreibt aber auch „Denn so wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich“. Und da wären wir wieder beim Schmerz, der Unzulänglichkeit des Menschen und der Endlichkeit der Dinge.
Man geniesse die Momente im Gefühlsstrudel. Die Nähe und die Wärme. Bleibe sich aber bewusst, was es wirklich ist. Und dass man selber im Wandel der Zeiten keine Ausnahme sein wird. Und dass einen diese Bindung schon gar nicht dauerhaft erfüllen wird. Dann können wir vielleicht trotzdem und ohne weitere Ent-Täuschungen Glück darin finden.
Wir setzen gerne unsere Hoffnung darauf, in einer Liebesbeziehung Erfüllung und Geborgenheit zu finden. Fast alle Menschen träumen davon, den richtigen Partner zu finden. Es ist als ob ihnen Gott ins Ohr geflüstert hätte „auf der Erde wartet jemand auf dich“. Wir glauben, dass es jemand gibt mit dem wir sein können; den wir lieben können und von dem wir bedingungslos geliebt werden; oder wir hoffen es zumindest. Wie könnte es auch sein, dass dieses unter der Haut lodernde Bedürfnis, und alles was wir zu geben hätten ein leben Lang brach liegen sollte?
Treffen wir jemanden und verlieben uns gegenseitig, so beginnen wir gerne zu glauben, dass der grosse Moment nun da ist. Dass wir unser Gegenstück gefunden haben, und dass etwas solides entsteht. Dass aus Verliebtheit tiefe Liebe wächst. Um dies zu zementieren oder weil wir gerne Kinder hätten heiraten wir voller Überzeugung und Optimismus.
Solide… Nach 3 Ehejahren sind knappe 10% in der Schweiz wieder geschieden. Nach 30 Ehejahren ca die Hälfte. Korrekter Weise kommen all die Paarversuche, die schon vor einer Hochzeit gescheitert sind auch noch in die Erfolgsquote.
Wir setzen also mit jeder Beziehung, die wir in Ernsthaftigkeit eingehen, auf ca 10% Chancen. Etwas distanziert und nüchtern betrachtet könnte man sagen, dass wir all unsere Hoffnung zur Erfüllung im Leben auf eine der risikoreichsten Optionen setzen. Nämlich auf die Paarbeziehung.
Während andauernder Partnerschaft betrügen wir uns, streiten uns, verletzen einander und verlassen einander.
Das wissen wir. Aber warum streben wir trotzdem danach? Was ist denn wirklich so viel besser an der Zweisamkeit? Und warum sehnen sich zB auch all diejenigen, welche immerzu die fast nicht überwindbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern betonen nach einer Beziehung zu einer Person des andern Geschlechts?
Vielleicht hat dies mit unserem Ursprung zu tun. Mit dem Ort von dem wir kommen.
Unsere ersten Wahrnehmungen stammen aus dem Mutterleib. Einem Ort vollkommener Geborgenheit. Aus einer Zeit in der wir niemals von unserer Mutter getrennt sind. Dem Menschen, der uns in den meisten Fällen bedingungslos liebt. Wir kannten keine Kälte, keinen Hunger, wohl in der Regel auch keinen Schmerz.
Bei der Geburt werden wir dann in einem ziemlich strapazierenden Prozess durch einen sehr engen Kanal an die kalte Luft gepresst. Die umhüllende Wärme und die Nähe sind weg. Wir müssen selber atmen, erfahren Hunger, Schmerzen und Einsamkeit.
In den folgenden zwei Jahren überleben wir nur wegen der Liebe unserer Eltern. Besonders wegen der Liebe unserer Mutter. Es ginge ganz einfach nicht ohne sie, und je mehr Liebe wir in dieser Zeit erhalten, umso besser können wir später gedeihen.
Darauf folgt die sogenannte Erziehung, oder Sozialisierung. Ein ziemlich harter Prozess, in dem uns unsere Eltern durch Ablehnung zeigen, dass wir etwas falsch machen und durch Liebe zeigen, wenn wir brav waren. Wir lernen, dass wir sogenannte Fehler haben und die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen. Wir spüren, dass es offenbar nicht ganz richtig ist, wie wir sind. Eine weitere Form von Kälte.
Beides, die Geborgenheit aus dem Mutterleib und die intensive Liebe der ersten Jahre vermissen wir unser Leben lang. Wir sehnen uns nach der umhüllenden Wärme und nach bedingungsloser Liebe. Nach dem Ort an dem nichts fehlte und es einfach gut war, wie es eben war.
Wir hoffen diese Nestwärme in einer Beziehung zu einem Menschen wieder zu finden, und setzen unsere Hoffnung auf einen Menschen. Ausgerechnet auf einen der Menschen, der es nur in ein paar Fällen von tausenden schafft, sich ein leben Lang auf das gleiche Gegenüber einzulassen.
Und auch diejenigen, welche es schaffen als Paar ein Leben zusammen zu halten; es wird wohl kein Paar bleiben, dass sich nicht heftigsten Gewittern stellen muss. Momente in denen von gefühlter Liebe und Geborgenheit keine Spur bleibt.
Manche mögen mich für verbittert halten. Andere für verletzt oder enttäuscht. Ent-Täuscht stimmt vielleicht sogar. Mittlerweile scheint es mir wichtig, dass wir verstehen, dass sich das Rad der Zeit nicht zurück dreht, und dass man von einem Menschen nicht zuviel erwarten darf.
Es gibt auch keine zweite Welt, die sich durch einen anderen Menschen öffnet. Es gibt nur diese. Und wir täten wohl besser daran zu verstehen, dass die Zeiten bedingungsloser Geborgenheit längst ein Ende hatten. Dass unser Dasein unter anderem von Kälte, Stress und Schmerz geprägt ist.
Unser Sein ist… unter anderem davon geprägt, aber nicht nur. Wir sollten versuchen uns selber genügend Aufmerksamkeit und Zuneigung zu geben. Wir sollten nach Dingen suchen, welche uns erfüllen und nichts mit Paarbeziehungen zu tun haben. Ich glaube, dass wir den Tatsachen ins Auge sehen, akzeptieren und verstehen können. Und so ohne die eingestanzte Idealvorstellung einer Traumbeziehung glücklich sein können. Auch wenn wir leiden.
Paarbeziehungen sind einfach ein zu heisses Pflaster um die persönliche Erfüllung daran anzuknüpfen.
Das heisst nicht, dass man sich nicht auf einen anderen Menschen einlassen soll.
„wenn die Liebe dir winkt, folge ihr, sind ihre Wege auch schwer und steil.“ Schreibt Khalil Gibran im Gedicht „Die Liebe“. Er schreibt aber auch „Denn so wie die Liebe dich krönt, kreuzigt sie dich“. Und da wären wir wieder beim Schmerz, der Unzulänglichkeit des Menschen und der Endlichkeit der Dinge.
Man geniesse die Momente im Gefühlsstrudel. Die Nähe und die Wärme. Bleibe sich aber bewusst, was es wirklich ist. Und dass man selber im Wandel der Zeiten keine Ausnahme sein wird. Und dass einen diese Bindung schon gar nicht dauerhaft erfüllen wird. Dann können wir vielleicht trotzdem und ohne weitere Ent-Täuschungen Glück darin finden.