Das Konzept und die Freiheit
Verfasst: Do 12. Jul 2007, 21:32
wem geht es nicht hin und wieder so, da wälzt man Bücher, schaut man Filme, diskutiert bis in den Morgengrauen, und alles wird so einfach so klar, so leicht - es liegt einem auf der Zunge, ja man muss es gar nicht aussprechen, man fühlt man spürt man lebt, es erscheint einem als könnte man auf einmal sehen, wo vorher nur Dunkelheit war... ach du Freude schöner Götterfunken, das Elysium kommt näher, und es ja es gibt keinen Zwang, alles ist eins, man weiss es versteht es, alles ist doch einfach ganz logisch, ganz klar, ein einz'ges SEIN entsteht, jeder Knochen, jedes Gewebeteilchen gehört zum eigenen Körper, der Körper gehört zum Universum, das mit den Atomen wird einem auch klar, und endlich ergibt das Geschwafel von Energie und Austausch auch einmal Sinn, und dieses Gefühl, ja natürlich, wenn es bei einem Gespräch zur Lohnerhöhung angewendet wird, oder beim ausfüllen der Lottozettel, so müsste doch eigentlich alles ganz leicht werden. Und man füllt keine Lottozettel aus, weil man spürt, dass es gar nicht nötig ist, immer mehr zu haben, man hat ja schon alles, ist schon alles und das ist gut so und so wie es ist, ist's gut.
Und dann wird man vom bösen Schicksal (oder auch Universum, Teufel, Gott, Zufall je nach Glaubensrichtung halt) wieder aus dem Konzept gebracht.
Und was klar war ist auf einmal halt wie immer, immer das gleiche, lernt man's den nie? hat man denn nix kapiert? verdammt! ach, und dabei war's doch so einfach, wie war das doch gleich nochmals, ah ääh also eigentlich ganz leicht, es liegt einem auf der Zunge, eigentlich jedenfalls, aber aaach, hm.
hmm.
Warum das ganze? weil nichts wahr ist (nicht mal das). und weil die meisten Leute nicht als Buddha auf die Welt kommen, und das einfach nicht kapieren. wie denn auch, ist es doch schon mal in sich absolut nicht logisch. Nichts ist wahr ist per se ein Paradoxon. Und ein Paradoxon wiederum existiert eigentlich gar nicht. Und weil das soo schwer zu verstehen ist, kommt auf irgendeine weise immer wieder das Tilt Zeichen und man rollt den Berg der Weisheit wieder runter. Und man rollt. und rollt und springt und hüpft und landet wieder wo ganz anders, die perspektive verschiebt sich, und dann erkennt man auf einmal etwas ganz neues. Was man zuvor nicht sah, denn: man hatte ein Konzept gefunden EINE Perspektive. Ein Konzept kann nur begrenzt sein. Die Ewigkeit des Lebens ist das hingegen nicht.
Ein Konzept ist ein Erklärungsversuch für etwas, das sich nicht erklären lässt: das Verb leben. Bekannte Konzepte wie die Wirtschaft, oder auch die Kirche wechseln ab, mit den Sitten und Gebräuchen von Gesellschaften, kleinen Gruppen, Underground und Overground - überall gibt es Antworten, auch wenn keiner frägt. Eigentlich.
Die Toten Hosen sagten einmal: «Immer schön nach den Regeln spielen, wie sie uns befohlen sind - ich will nicht ins Paradies wenn der Weg dorthin so schwierig ist». Sie meinten damit in erster Linie die Kirche - aber das lässt sich ganz gut ausweiten: die Regeln und Gesetze, die wir uns oft selbst machen, manchmal auch aufgezwungen bekommen, die gibt es an und für sich nicht. Das sind nur Konzepte, die von vielen geteilt werden. Es gibt auch diverse Religionen, die einem versprechen, das Glück auf Erden zu finden - doch es gibt nur wenige, die einem sagen: hey geh einfach mal Deinen weg, wenn du an einer Blume vorbeikommst, schnupper dran, und geniess den ganzen Scheiss.
Wobei auch letzteres nur ein weiteres Konzept ist. Nun nichts gegen Konzepte, sie sind GEILLLLL! es fühlt sich soooo schööön an, etwas "begriffen" zu haben. Es macht alles so flauschig, es ist echt coooool. Aber es ist nicht das worum's geht. Denn es geht gar nicht um irgendwas.
Man erstellt Konzepte um sich das Leben leichter zu machen, ja teilweise auch überhaupt erst lebenswert, völlige Freiheit hingegen wäre ein Leben ohne jegliches Konzept. Dazwischen liegt das Problem, das in den unterschiedlichsten Schattierungen an einen herantritt, so unterschiedlich wie es Menschen gibt. Irgendwann lernt man mit dem Problem zu leben. Es gibt schlimmere und weniger schlimme Probleme. Sie haben gemein, dass sie dafür sorgen, dass das Leben weniger konzeptionell abläuft, weniger gesteuert von einer Idee und sei sie noch so gut. Oder umgekehrt gesagt, je freier man wird, je weniger von Ideen und je mehr im hier und jetzt im Sein - ein kleines oder grosses Problem sorgt meist dafür, dass man urplötzlich "aus der Rolle fällt".
Und das schöne daran: das ist gar nicht so schlimm, das ist sogar nötig. Stabilität ist oftmals gleichzusetzen mit einer Vollnarkose. Keine Träume mehr. Kein Leben. Kein Schmerz. Kein Leid. Keine Leidenschaft. Kein Ausweg? Doch: eine Kündigung zwingt viele dazu sich wieder völlig umzugestalten, sich mit seinen Fähigkeiten zu beschäftigen, über Weiterbildung nachzudenken. Eine zerbrochene Liebschaft, eine Scheidung, stellt die höchsten Herausforderungen an die Menschen, die davon betroffen sind, sie müssen sich auf einmal wieder alleine was kochen, sie müssen sich auf einmal wieder um sich selbst kümmern und nicht mehr um das Konzept einer Ehe oder Beziehung.
Versteht mich nicht falsch: Konzepte sind schön, hilfreich und gut, sie stärken Dich, während Du in ihnen lebst, nicht umsonst sagen sehr gläubige Menschen, dass ihnen der Glaube etwas gibt. Und genauso ist die völlige Freiheit, das konzeptionslose Leben wunderbar, es ist einfach toll, sich zu spüren im Einklang mit allem zu sein, und so weiter. Doch genauso wie diese beiden Dinge unser Leben verschönern, so schränken sie auch die Entwicklung ein. Denn sie sind stabil. Sie sind gefestigt, sie haben eine begrenzte Wirkdauer, mindestens dann, wenn man nichts mehr zu beissen oder nur noch zu beissen hat, und sonst nichts mehr spürt. Materialismus ist nicht schlecht - aber er ist nicht alles im Leben.
Das Leben ist vielschichtiger und da die Menschen sehr schnell bequem werden, wenn alles mehr oder weniger so ist, wie sie's wollen, so werden sie träge, und geniessen ihre wohl verdienten Oasen der völligen Problemlosigkeit. Und sie fangen an sich zu langweilen. Das Auto, das letztes Jahr noch so viel Freude bereitet hat, ist halt immer noch das gleiche, es wurde normal. Die Partys bei denen man sich doch immer so frei gefühlt hat, so befreit von allen Zwängen, sie werden langsam etwas langweilig, ist das wirklich noch Freiheit, oder nur noch eine Art Zwang hinzugehen, hach gibts denn da nicht noch was mehr im Leben...? und so beginnt man wieder sich zu hinterfragen, und das was man tut.
Und dann kommt das Problem. Entweder was ganz neues - oder auch was altbekanntes. Und auf einmal steht man da wie der Roboter, dessen Befehle plötzlich keinen Sinn mehr ergeben, und auf einmal herscht eine Betriebsamkeit, die Sinne werden durchgerüttelt, alles wird in Frage gestellt, der Zweifel nagt und frisst an uns, und doch scheint alles auf einmal wieder lebendiger, es gibt was zu tun, und sei es nur, sich zu fragen, warum man auf einmal so hibbelig und unruhig ist, und wo denn die Ruhe und Gelassenheit hingekommen ist, die man so lange gesucht und doch eigentlich erreicht hat?
Und so kommt man in Kontakt mit dem Inneren Selbst, merkt das was nicht stimmt und findet heraus, es kann gar nicht stimmen, denn es muss doch auch gar nichts stimmen; - es gibt das Leben, in dem Du lebst und liebst, verlierst und gewinnst. Und so wechselt man zwischen den verschiedenen Stadien des Lebens, wird durchgerüttelt, erkennt, vergisst wieder, lebt und verkrampft sich. Da wird geklammert an Konzepten die doch so einleuchtend sind, und die Bücher werden nochmal angelesen, aber die Erkenntnis bleibt aus, man merkt auf einmal, man ist weitergekommen, das Buch wird belächelt, neue Diskussionen werden bis ins Morgengrauen geführt, ganz andere Filme begeistern Herz und Verstand, auf einmal hat man Freude nur schon wenn die Sonne aufgeht...
Das Leben lebt wieder. Und mit dieser neu gewonnen Freiheit ist man endlich frei - um ein neues Konzept zu schreiben... Das Konzept der Freiheit Teil XIVV. Und das ist gut, noch besser als vorher, wie konnte man nur Teil XIVIV gut finden, da fehlte doch noch einiges, ja da war man halt noch jung und unerfahren.... und man belächelt das und man lebt und lacht und freut sich, und währenddessen entwickelt sich erneut eine Konstellation, die das Leben erneut durchschüttelt.
Vielleicht (aber nur vielleicht) hilft's, wenn man das was passiert im Kreislauf des ganzen sieht und sich auch mal drüber freut, wieder mal so richtig aus dem Konzept gebracht zu werden. Damit das Denken mal Ruhe findet! Damit die Freiheit wieder ein Teil des Lebens wird! - bis zum nächsten mal... und so rollt der Stein. und rollt und rollt und rollt.
HOW DOES IT FEEL, TO BE ON YOUR OWN
HOW DOES IT FEEL, BEING A ROLLING STONE....
Und dann wird man vom bösen Schicksal (oder auch Universum, Teufel, Gott, Zufall je nach Glaubensrichtung halt) wieder aus dem Konzept gebracht.
Und was klar war ist auf einmal halt wie immer, immer das gleiche, lernt man's den nie? hat man denn nix kapiert? verdammt! ach, und dabei war's doch so einfach, wie war das doch gleich nochmals, ah ääh also eigentlich ganz leicht, es liegt einem auf der Zunge, eigentlich jedenfalls, aber aaach, hm.
hmm.
Warum das ganze? weil nichts wahr ist (nicht mal das). und weil die meisten Leute nicht als Buddha auf die Welt kommen, und das einfach nicht kapieren. wie denn auch, ist es doch schon mal in sich absolut nicht logisch. Nichts ist wahr ist per se ein Paradoxon. Und ein Paradoxon wiederum existiert eigentlich gar nicht. Und weil das soo schwer zu verstehen ist, kommt auf irgendeine weise immer wieder das Tilt Zeichen und man rollt den Berg der Weisheit wieder runter. Und man rollt. und rollt und springt und hüpft und landet wieder wo ganz anders, die perspektive verschiebt sich, und dann erkennt man auf einmal etwas ganz neues. Was man zuvor nicht sah, denn: man hatte ein Konzept gefunden EINE Perspektive. Ein Konzept kann nur begrenzt sein. Die Ewigkeit des Lebens ist das hingegen nicht.
Ein Konzept ist ein Erklärungsversuch für etwas, das sich nicht erklären lässt: das Verb leben. Bekannte Konzepte wie die Wirtschaft, oder auch die Kirche wechseln ab, mit den Sitten und Gebräuchen von Gesellschaften, kleinen Gruppen, Underground und Overground - überall gibt es Antworten, auch wenn keiner frägt. Eigentlich.
Die Toten Hosen sagten einmal: «Immer schön nach den Regeln spielen, wie sie uns befohlen sind - ich will nicht ins Paradies wenn der Weg dorthin so schwierig ist». Sie meinten damit in erster Linie die Kirche - aber das lässt sich ganz gut ausweiten: die Regeln und Gesetze, die wir uns oft selbst machen, manchmal auch aufgezwungen bekommen, die gibt es an und für sich nicht. Das sind nur Konzepte, die von vielen geteilt werden. Es gibt auch diverse Religionen, die einem versprechen, das Glück auf Erden zu finden - doch es gibt nur wenige, die einem sagen: hey geh einfach mal Deinen weg, wenn du an einer Blume vorbeikommst, schnupper dran, und geniess den ganzen Scheiss.
Wobei auch letzteres nur ein weiteres Konzept ist. Nun nichts gegen Konzepte, sie sind GEILLLLL! es fühlt sich soooo schööön an, etwas "begriffen" zu haben. Es macht alles so flauschig, es ist echt coooool. Aber es ist nicht das worum's geht. Denn es geht gar nicht um irgendwas.
Man erstellt Konzepte um sich das Leben leichter zu machen, ja teilweise auch überhaupt erst lebenswert, völlige Freiheit hingegen wäre ein Leben ohne jegliches Konzept. Dazwischen liegt das Problem, das in den unterschiedlichsten Schattierungen an einen herantritt, so unterschiedlich wie es Menschen gibt. Irgendwann lernt man mit dem Problem zu leben. Es gibt schlimmere und weniger schlimme Probleme. Sie haben gemein, dass sie dafür sorgen, dass das Leben weniger konzeptionell abläuft, weniger gesteuert von einer Idee und sei sie noch so gut. Oder umgekehrt gesagt, je freier man wird, je weniger von Ideen und je mehr im hier und jetzt im Sein - ein kleines oder grosses Problem sorgt meist dafür, dass man urplötzlich "aus der Rolle fällt".
Und das schöne daran: das ist gar nicht so schlimm, das ist sogar nötig. Stabilität ist oftmals gleichzusetzen mit einer Vollnarkose. Keine Träume mehr. Kein Leben. Kein Schmerz. Kein Leid. Keine Leidenschaft. Kein Ausweg? Doch: eine Kündigung zwingt viele dazu sich wieder völlig umzugestalten, sich mit seinen Fähigkeiten zu beschäftigen, über Weiterbildung nachzudenken. Eine zerbrochene Liebschaft, eine Scheidung, stellt die höchsten Herausforderungen an die Menschen, die davon betroffen sind, sie müssen sich auf einmal wieder alleine was kochen, sie müssen sich auf einmal wieder um sich selbst kümmern und nicht mehr um das Konzept einer Ehe oder Beziehung.
Versteht mich nicht falsch: Konzepte sind schön, hilfreich und gut, sie stärken Dich, während Du in ihnen lebst, nicht umsonst sagen sehr gläubige Menschen, dass ihnen der Glaube etwas gibt. Und genauso ist die völlige Freiheit, das konzeptionslose Leben wunderbar, es ist einfach toll, sich zu spüren im Einklang mit allem zu sein, und so weiter. Doch genauso wie diese beiden Dinge unser Leben verschönern, so schränken sie auch die Entwicklung ein. Denn sie sind stabil. Sie sind gefestigt, sie haben eine begrenzte Wirkdauer, mindestens dann, wenn man nichts mehr zu beissen oder nur noch zu beissen hat, und sonst nichts mehr spürt. Materialismus ist nicht schlecht - aber er ist nicht alles im Leben.
Das Leben ist vielschichtiger und da die Menschen sehr schnell bequem werden, wenn alles mehr oder weniger so ist, wie sie's wollen, so werden sie träge, und geniessen ihre wohl verdienten Oasen der völligen Problemlosigkeit. Und sie fangen an sich zu langweilen. Das Auto, das letztes Jahr noch so viel Freude bereitet hat, ist halt immer noch das gleiche, es wurde normal. Die Partys bei denen man sich doch immer so frei gefühlt hat, so befreit von allen Zwängen, sie werden langsam etwas langweilig, ist das wirklich noch Freiheit, oder nur noch eine Art Zwang hinzugehen, hach gibts denn da nicht noch was mehr im Leben...? und so beginnt man wieder sich zu hinterfragen, und das was man tut.
Und dann kommt das Problem. Entweder was ganz neues - oder auch was altbekanntes. Und auf einmal steht man da wie der Roboter, dessen Befehle plötzlich keinen Sinn mehr ergeben, und auf einmal herscht eine Betriebsamkeit, die Sinne werden durchgerüttelt, alles wird in Frage gestellt, der Zweifel nagt und frisst an uns, und doch scheint alles auf einmal wieder lebendiger, es gibt was zu tun, und sei es nur, sich zu fragen, warum man auf einmal so hibbelig und unruhig ist, und wo denn die Ruhe und Gelassenheit hingekommen ist, die man so lange gesucht und doch eigentlich erreicht hat?
Und so kommt man in Kontakt mit dem Inneren Selbst, merkt das was nicht stimmt und findet heraus, es kann gar nicht stimmen, denn es muss doch auch gar nichts stimmen; - es gibt das Leben, in dem Du lebst und liebst, verlierst und gewinnst. Und so wechselt man zwischen den verschiedenen Stadien des Lebens, wird durchgerüttelt, erkennt, vergisst wieder, lebt und verkrampft sich. Da wird geklammert an Konzepten die doch so einleuchtend sind, und die Bücher werden nochmal angelesen, aber die Erkenntnis bleibt aus, man merkt auf einmal, man ist weitergekommen, das Buch wird belächelt, neue Diskussionen werden bis ins Morgengrauen geführt, ganz andere Filme begeistern Herz und Verstand, auf einmal hat man Freude nur schon wenn die Sonne aufgeht...
Das Leben lebt wieder. Und mit dieser neu gewonnen Freiheit ist man endlich frei - um ein neues Konzept zu schreiben... Das Konzept der Freiheit Teil XIVV. Und das ist gut, noch besser als vorher, wie konnte man nur Teil XIVIV gut finden, da fehlte doch noch einiges, ja da war man halt noch jung und unerfahren.... und man belächelt das und man lebt und lacht und freut sich, und währenddessen entwickelt sich erneut eine Konstellation, die das Leben erneut durchschüttelt.
Vielleicht (aber nur vielleicht) hilft's, wenn man das was passiert im Kreislauf des ganzen sieht und sich auch mal drüber freut, wieder mal so richtig aus dem Konzept gebracht zu werden. Damit das Denken mal Ruhe findet! Damit die Freiheit wieder ein Teil des Lebens wird! - bis zum nächsten mal... und so rollt der Stein. und rollt und rollt und rollt.
HOW DOES IT FEEL, TO BE ON YOUR OWN
HOW DOES IT FEEL, BEING A ROLLING STONE....