Träum weiter
Verfasst: Fr 7. Nov 2008, 12:52
Es war wieder einer dieser Tage. Einer jener Tage, die einfach nicht enden wollen, weil das Gefüge der Realität derart aufgeweicht und zersplissen war, dass die Sonne nicht unterging. Sonne. Als ob sie am Himmel stünde. Keine Sonne. Eher so etwas wie ein glühendes Neonlicht.
Geoffrey schlug die Decke zurück, sein Blick fiel auf das Wandgemälde. Heute also Elvis. Kaum etwas war besser geeignet, frühmorgens – oder spätnachmittags, mitten in der Nacht, wer konnte das schon so genau sagen... – herauszufinden, wo er nun wieder gelandet war, als ein Bild von einem nahenden Konzert. Sein Mitbewohner von Gestern schien verschwunden zu sein. Hatte die Koffer gepackt, sein Rasierzeug reingeworfen, danach nochmal kurz an der Rose gerochen – heute ein Kaktus in giftiggrüner Farbe, mit einer roten Blüte, die sich durch die Stacheln wand – bevor er sich auf den Weg durch Zeit und Raum, durch Wirklichkeit und Traum machte. Oh ein Reim, Geoffrey lächelte säuerlich. Was bin ich doch für ein ausgefuchster Dichter. 'Nicht ganz dicht' triffts auch nicht schlecht. Nun, es spielte keine Rolle. Geoffrey begab sich an ein staubiges Fenster, und öffnete es, indem er die untere Hälfte nach oben schob. Offenbar war diese Welt, dieses "Sein", etwas rückschrittlich was die modernste Technik der Fensterfabriken betraf.
Er blickte hinaus, in dieses grelle Licht, das ihm weder Trost noch Wärme spendete, sondern eher das beklommene Gefühl einer Arztpraxis vermittelte - oder auch: eines Irrenhauses. Irgendetwas war seltsam. Bei dem Gedanken lachte Geoffrey kurz auf, denn das war im mindesten eine brauchbare Beschreibung der aktuellen Lage, in der er - und so wie es schien auch der Rest der Welt - sich befand. Und doch... heute war etwas ganz besonders seltsam. Sein Lachen erstarb.
Er versuchte noch herauszufinden, was das sein könnte, als ihn ein eigentümliches Geräusch aus seinen Tagträumen riss (so es denn ein Tag war), wie wenn eine Schiefertafel über eine Wandtafel kratzte - ja genau so war es. Die Schiefertafel zerbröckelte bei diesem Prozess und gab eine Kakophonie der Laute preis, die Geoffrey nurmehr als grauenhaft bezeichnen konnte.
Der Raum in dem er sich befand "waberte". Die Struktur der Tapete liess sich auf einmal nicht mehr klar bestimmen, es war eher so, als ob sie sich selbst fragte, ob sie überhaupt so etwas wie Struktur besässe, oder ob sie lieber ein Baum, oder gar ein Fluss sein wollte. Die Tür zum Badezimmer änderte seine Farbe, wurde erst dunkelbraun, dann gräulich bis sie schliesslich in sich zusammenfiel, Staubwolken wirbelten kurz auf, bevor sie sich in kleine Klumpen aus Glas verwandelten.
Ein Träumer, dachte Geoffrey. Auch das noch. Irgendwo in dieser seltsamen Darstellung von New York in der sich Dalí sicher sehr zu Hause gefühlt hätte, begab sich einer jener Menschen zu Bett, die über eine unheimliche Fähigkeit verfügten: ihre Träume veränderten das Gefüge der Realität. Noch viel entscheidender, als das alle anderen auch taten. Jeder hatte diese Gabe, doch bevor der kritische Schwellenpunkt vor etwa fünf Monaten erreicht worden war, äusserte sie sich normalerweise nicht in einer Veränderung der Realität. Heutzutage jedoch, war dies nicht länger der Fall. Wer in seinen Träumen von einem Flugzeugabsturz träumte und nicht früh genug aufwachte, durfte ein Halleluja singen und es sich auf einer der Wolken gemütlich machen, die sich über dem Grauen zusammenballten, wozu die Realität geworden war.
Doch das war nichts im Vergleich zur Anwesenheit eines Träumers. Diese netten Zeitgenossen, hatten die Macht nicht nur ihr eigenes Leben in besonders ausgefeilte Situationen zu bringen - sie veränderten die ganze Welt - im Sekundentakt.
Aus dem Raum, in dem Geoffrey heute morgen erwachte, war nun eine futuristische Version eines Appartements geworden, das ihn ansatzweise an Futurama errinnerte, eine Zeichentrickserie, die er sich einmal mit seinem Neffen angeschaut hatte. Eine seltsame Mischung aus Replikator und Schranktüre war jetzt in der Wand neben dem Bad eingelassen, und einige seltsame Druckknöpfe blinkten aufgeregt vor sich hin. Der Wechsel des Interieurs endete. Offenbar hatte der Träumer eine andere Rem-Phase erreicht.
Sollte er sich einfach wieder schlafen legen, dachte Geoffrey, und darauf vertrauen, dass nach dem Aufwachen eh alles wieder anders war? Nein, er war nicht mehr müde. Und irgendwie auch neugierig, was der Träumer aus seinem vertrauten New York diesmal gemacht hatte.
Geoffrey schlug die Decke zurück, sein Blick fiel auf das Wandgemälde. Heute also Elvis. Kaum etwas war besser geeignet, frühmorgens – oder spätnachmittags, mitten in der Nacht, wer konnte das schon so genau sagen... – herauszufinden, wo er nun wieder gelandet war, als ein Bild von einem nahenden Konzert. Sein Mitbewohner von Gestern schien verschwunden zu sein. Hatte die Koffer gepackt, sein Rasierzeug reingeworfen, danach nochmal kurz an der Rose gerochen – heute ein Kaktus in giftiggrüner Farbe, mit einer roten Blüte, die sich durch die Stacheln wand – bevor er sich auf den Weg durch Zeit und Raum, durch Wirklichkeit und Traum machte. Oh ein Reim, Geoffrey lächelte säuerlich. Was bin ich doch für ein ausgefuchster Dichter. 'Nicht ganz dicht' triffts auch nicht schlecht. Nun, es spielte keine Rolle. Geoffrey begab sich an ein staubiges Fenster, und öffnete es, indem er die untere Hälfte nach oben schob. Offenbar war diese Welt, dieses "Sein", etwas rückschrittlich was die modernste Technik der Fensterfabriken betraf.
Er blickte hinaus, in dieses grelle Licht, das ihm weder Trost noch Wärme spendete, sondern eher das beklommene Gefühl einer Arztpraxis vermittelte - oder auch: eines Irrenhauses. Irgendetwas war seltsam. Bei dem Gedanken lachte Geoffrey kurz auf, denn das war im mindesten eine brauchbare Beschreibung der aktuellen Lage, in der er - und so wie es schien auch der Rest der Welt - sich befand. Und doch... heute war etwas ganz besonders seltsam. Sein Lachen erstarb.
Er versuchte noch herauszufinden, was das sein könnte, als ihn ein eigentümliches Geräusch aus seinen Tagträumen riss (so es denn ein Tag war), wie wenn eine Schiefertafel über eine Wandtafel kratzte - ja genau so war es. Die Schiefertafel zerbröckelte bei diesem Prozess und gab eine Kakophonie der Laute preis, die Geoffrey nurmehr als grauenhaft bezeichnen konnte.
Der Raum in dem er sich befand "waberte". Die Struktur der Tapete liess sich auf einmal nicht mehr klar bestimmen, es war eher so, als ob sie sich selbst fragte, ob sie überhaupt so etwas wie Struktur besässe, oder ob sie lieber ein Baum, oder gar ein Fluss sein wollte. Die Tür zum Badezimmer änderte seine Farbe, wurde erst dunkelbraun, dann gräulich bis sie schliesslich in sich zusammenfiel, Staubwolken wirbelten kurz auf, bevor sie sich in kleine Klumpen aus Glas verwandelten.
Ein Träumer, dachte Geoffrey. Auch das noch. Irgendwo in dieser seltsamen Darstellung von New York in der sich Dalí sicher sehr zu Hause gefühlt hätte, begab sich einer jener Menschen zu Bett, die über eine unheimliche Fähigkeit verfügten: ihre Träume veränderten das Gefüge der Realität. Noch viel entscheidender, als das alle anderen auch taten. Jeder hatte diese Gabe, doch bevor der kritische Schwellenpunkt vor etwa fünf Monaten erreicht worden war, äusserte sie sich normalerweise nicht in einer Veränderung der Realität. Heutzutage jedoch, war dies nicht länger der Fall. Wer in seinen Träumen von einem Flugzeugabsturz träumte und nicht früh genug aufwachte, durfte ein Halleluja singen und es sich auf einer der Wolken gemütlich machen, die sich über dem Grauen zusammenballten, wozu die Realität geworden war.
Doch das war nichts im Vergleich zur Anwesenheit eines Träumers. Diese netten Zeitgenossen, hatten die Macht nicht nur ihr eigenes Leben in besonders ausgefeilte Situationen zu bringen - sie veränderten die ganze Welt - im Sekundentakt.
Aus dem Raum, in dem Geoffrey heute morgen erwachte, war nun eine futuristische Version eines Appartements geworden, das ihn ansatzweise an Futurama errinnerte, eine Zeichentrickserie, die er sich einmal mit seinem Neffen angeschaut hatte. Eine seltsame Mischung aus Replikator und Schranktüre war jetzt in der Wand neben dem Bad eingelassen, und einige seltsame Druckknöpfe blinkten aufgeregt vor sich hin. Der Wechsel des Interieurs endete. Offenbar hatte der Träumer eine andere Rem-Phase erreicht.
Sollte er sich einfach wieder schlafen legen, dachte Geoffrey, und darauf vertrauen, dass nach dem Aufwachen eh alles wieder anders war? Nein, er war nicht mehr müde. Und irgendwie auch neugierig, was der Träumer aus seinem vertrauten New York diesmal gemacht hatte.

