Don Camillo hat geschrieben:Umgekehrt versuchen die intelligenteren Wissenschaftler den Leuten klarzumachen, dass es Theorien gibt, woraufhin am nächsten Tag in der Zeitung steht, "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass..." was eine völlig andere Aussage ist, als "wir haben eine Theorie". Was die Zeitungsleser dann als Wahrheit missverstehen und entsprechend verteidigen oder bekämpfen.
Abgesehen davon, dass ein Wissenschaftler nicht unbedingt besonders oder herausragend intelligent sein muss, um ein Wissenschaftler zu sein, gebe ich dir recht.
Eine Theorie (so auch die Evolutionstheorie) ist ja eine Art Modell, welches einen Teilaspekt dessen, was wir in common-sense Wirklichkeit nennen, zumindest näherungsweise beschreibt. Sie ist weder ein Gesetz, noch kann sie sonst in irgendeiner Weise als absolut wahr betrachtet werden. Dafür spricht mitunter das rege Vorkommen alternativer Theorien. Beispielsweise gibt es wegen der Entstehungsgeschichte des Universum eine alternative Theorie zur Urknall-Theorie, die an der Universität Ulm (das ist die Stadt, aus der ich komme und die, ganz nebenbei gesagt, den höchsten Kirchturm der Welt hat

) entwickelt und begründet wurde. In dieser Ulmer-Theorie ist das Universum ein dreidimensionaler Torus und es hat andere Eigenschaften als das Universum der Urknall-Theorie. Interessanterweise lassen sich die Messwerte der kosmischen Hintergrundstrahlung gleichermaßen für beide Theorien anwenden, das heißt, es spricht bezüglich der Messdaten für beide Theorien gleichermaßen viel (in etwa).
Eine Theorie kann erst dann als etwas völlig Wahres (vgl. Gesetz) angesehen werden, wenn all ihre Teile bewiesen sind. Und bei verschiedenen Theorien lässt sich unterschiedlich viel beweisen und es bleibt unterschiedlich viel offen. So kann man die beiden Theorien der Entstehungsgeschichte des Universums hinsichtlich der kosmischen Hintergrundstrahlung als gleichwertig betrachten, da vergleichbar viel für sie spricht. Die Relativitätstheorie ist auch noch nicht bewiesen, in Experimenten wurden aber bereits viele ihrer Teilaspekte nachgewiesen. Bei der Evolutionstheorie fehlen hingegen verhältnismäßig wenig Teile. Evolutionäre Prozesse lassen sich nachbilden, beobachten, über die Zeit rückwärts verfolgen. Im Falle der Evolutionstheorie geht es um eine Wahrheit(ssuche), die uns viel näher liegt. Sie ist praktisch vor uns, sie umgibt uns. Die Entwicklung der Spezies ist nahezu offensichtlich. Es reicht einen Spaziergang in der Natur zu machen, um die Grundzüge dieser Entwicklung zu erkennen. Diejenigen, die die Lücken (d.h. noch offene Aspekte, Hypothesen) dieser Theorie für eine Argumentation gegen sie nutzen, suchen (m.e.) nach einer Nadel um Heuhaufen. Es spricht eine gewaltige Indizienlast gegen sie.
Wichtig ist zu wissen, um nicht dem naturalistischen Missverständnis zu verfallen

, dass eine derartige Theorie keinerlei Spiritualität aufhebt. Sie selbst kann ein geistiger (spiritueller) Prozess sein, und das unabhängig von ihrer Wissenschaftlichkeit. Wenn man das erkennt, wird man vermutlich nicht das ehrliche und aufrichtige Streben nach Wahrheit, was in der modernen Wissenschaft nicht allgegenwärtig ist, aber sein sollte, verteufeln und seine Energie an der falschen Stelle verausgaben, sondern sich lieber Gedanken machen, was aus solchen Erkenntnissen, die (im Übrigen) keinen absoluten Charakter haben müssen, für das gemeinsame Leben gewonnen werden kann.