Danke Aleph - bin eben genau durch diese Party auf die Thematik aufmerksam geworden

Dazu erstmal zwei Bemerkungen:
1. Ihr schreibt vom Marsh Champel Experiment, besser bekannt als das "good drug experiment". Gemeint ist hier wohl eher "Good Friday Experiment", das Experiment wurde nämlich ursprünglich an einem Karfreitag (= Good Friday) durchgeführt.
2. Sehe ich den direkten Zusammenhang mit dem Marsh Champel Experiment gar nicht. Da ging es ja darum herauszufinden, ob Psilocybin als "Entheogen" einsetzbar ist oder nicht. Das Psychedelic Experiment baut aber auf dem Buch "The Psychedelic Experience: A Manual Based on the Tibetan Book of the Dead" auf (siehe
http://en.wikipedia.org/wiki/The_Psychedelic_Experience).
Nun, zur eigentlichen Party. Ich frag mich halt, wie das Ganze dort dann so abläuft. Erstmal zur Zielsetzung, da gibt es ja laut Leary 4 mögliche Ziele:
(1) Gesteigerte persönliche Kraft, intellektuelles Verstehen, geschärfte Sicht in sich selbst und die Kultur, Verbesserung der Lebenssituation, beschleunigtes Lernen, professionelles Wachsen und Weiterentwickeln
(2) Pflicht, Hilfe für andere, Fürsorge, Rehabilitation, Wiedergeburt für die Mitgeschöpfe
(3) Spaß, sinnliches Erfreuen, ästhetische Freuden, interpersonellle Nähe, reine Erfahrung
(4) Transzendenz, Befreiung vom Ego und dem Zeit-Raum-Gefüge, Teilnahme an der mystischen Einheit
Das Handbuch von Leary konzentriert sich vorallem auf das vierte Ziel, welches im ersten Bardo erreicht werden kann - und genau hier sehe ich eben das Problem, weil, wenn ich es richtig verstanden habe, in diesem ersten Bardo jegliche externen sowie internen Einflüsse ausgeschlossen werden sollten. Kein Licht, keine Musik, keine Gerüche, nicht. Eins werden mit dem Universum, sich als Teil des Universums erkennen, das Licht sehen, die Ultimative Wahrheit erfahren. Und das, so scheint mir, ist schier unmöglich, in einer so grossen Gruppe, mit so vielen unbekannten Leuten, mit Musik und Party.
Gut, Leary schreibt auch, dass sein Handbuch als eine Art Anleitung gebraucht werden kann, um den Teilnehmer auf eine bestimmte Vision hinzuleiten:
A third use would be to construct a "program" for a session using passages from the text. The aim would be to lead the voyager to one of the visions deliberately, or through a sequence of visions. The guide or friend could read the relevant passages, show slides or pictures or symbolic figures of processes, play carefully selected music, etc. One can envision a high art of programming psychedelic sessions, in which symbolic manipulations and presentations would lead the voyager through ecstatic visionary Bead Games.
Das sehe ich dann schon eher. Aber auch hier wäre interessant zu wissen, wie das an der Party selber praktiziert wird. Werden die Leute zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen, pro Gruppe gibt es einen Guide? Wird in der Gruppe besprochen, was man erleben möchte, welches das Ziel der Gruppe ist? Was ist mit den Leuten, die einfach an die Party kommen, um halt Party zu haben, vielleicht auch um was einzuwerfen, die sich aber im Grunde überhaupt nicht für das Psychedelic Experience im eigentlichen Sinne interessieren? Was ist mit externen Einflüssen, die abgestellt werden sollten - konkret, der Polizei? Werden die sich nicht vielleicht denken, dass es an einer so öffentlichen Veranstaltung lohnenswert wäre, mal vorbei zu schauen?
Zusammengefasst: Ich interessiere mich sehr für eine Session, wie sie Leary in seinem Handbuch vorschlägt, aber ich denke, dass dies in einem kleinen, intimen Rahmen geschehen muss, und dass die Psychedelic Experience Party dazu nicht geeignet ist. Für erfahrene User vielleicht, ja. Für Leute, die einfach ihren Spass haben wollen, sicher. Aber nicht für mich - oder? Gerne lasse ich mich natürlich vom Gegenteil überzeugen
Ah, und jetzt nochmal zurück zu meiner Frage oben: Irgendwer hier, der "jemanden kennt", der Erfahrungen in einer kleinen Gruppe mit Guide gemacht hat?