Siddhartha:
Siddhartha….was mich damit verbindet…. ich denke Hesse hat mit seiner Formulierung über das Suchen und Finden, für mich ganz frappant erklärt, was das Leben mir selbst schon enthüllt hat. Eine Ahnung des Daseins, schon immer glimmend innerhalb meiner Selbst, durch Leben entfacht, wieder verloren, vergeblich gesucht, unverhofft wieder zugefallen nur um es ein weiteres mal zu verlieren, das kleine Stück Gelassenheit, tiefstes Wohlgefühl, Wissen um das Werden?
Heute wie gestern ist die Botschaft in Siddhartha klar und gegenwärtig, so elementar und doch nicht einfach fassbar. Herb zu beschreiben, sobald man es versucht in Worte zu fassen, sich auflösend. Es ist das Anspruchslose, was mit Worten zu beschreiben reichbar ist, weil jedes Wort Anspruch auf eine Bedeutung fordert.
Steppenwolf:
Der Steppenwolf ist genial, obwohl ich mich nicht mit der Person Harry Haller identifiziere. Sehr, sehr seiner Zeit voraus, die Idee mit den Teilselbsten, wo hat er dies her? Beschreibt Hesse hier nicht wunderbar, herrlich treffend die Zerrissenheit des menschlichen Daseins und die Macht der äusseren und inneren Einflüsse auf das Verhalten eines Individuums? Wir lernen dies heute in der modernen Psychologie, nicht? Hesse, ich kann es nur immer wieder von neuem erwähnen, ein Meisterdenker, überragend!! Den würde ich gerne treffen. Vielleicht habe ich ja auch einmal die Chance, ein Magisches Theater zu besuchen, würdest du auch, eintauchen, bist du verrückt genug, hehe….
Narziss und Goldmund:
Ich habe soeben Narziss und Goldmund beendet, dass dritte Werk Hesses innerhalb eines Monates
Die Darstellung der Wesenszüge des Denkers und des Künstlers. Ich fühle mich zwischen den beiden stets hin und her gerissen, zwinge mich aber zur Konzentration auf das Eine, verliere den Faden wieder und gebe mich halbherzig dem Auskosten der Sinneslüste hin, um mich dann aber doch wieder dem Denker zu verpflichten und alles sinnlich erlebte mit logischen Gedankenkonstrukten analysieren möchte. Diese Unruhe führt wiederum dazu, dass ich alle Einteilungen des Teufels bezichtige und versuche meinem Wesen keine feste Form zu geben, weil dieses mich nur wieder von neuem in festgefahrene Schemata drängen würde, was bekanntlich aber in Diskrepanz zu meinem freiheitsliebenden Geiste steht…ich beneide Goldmund wie auch Narziss zu gleichen Teilen, um ihr klar umrissenes Selbst.
„Nun stehe ich hier, mit wieder leeren Händen und frierendem Herzen“, verlauten Goldmunds Gedanken, als er sich mit Narziss auf dem Rückweg in das Kloster befindet. Diese Aussage greift tief. Ist es dies das Gefühl, welches am Grunde des Bedürfnisses zurückbleibt, wenn einer konsequent „Künstler“ ist? Wie sieht es mit Narziss Empfindungen beim Hinscheiden seines Freundes aus? Er fühlt sich leer, Gefangener der Logik, ohne den Gegensatz in Goldmunds Wesen lebendig präsent zu haben.
Gilt es beide in sich zu vereinen? Ratio und Emotia, in den heiligen Stand der Ehe zu Führen?

