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Zeit
Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 10:54
von Melliandra
Hoi zäme
Eigendlich hätti ebe kei aber genau darum wett ich mal vo euch wüsse
wie iers so mit de Ziet händ?!
Mier lauft sie im Momänt a jedem Egge devo, aber weni denn mal es paar
Minute oder au en Abig für mich han, isch das wie es Loch und ich fühl mich
denn ziemlich verlohre...
Also nid mal meh die "wenig" Ziet woni han chani gnüüse willismer scho
gar nümme gwönnt bin Ziet z'ha... Hehe ich hoffe mer chund drus wasi meine.
Wie gad das bi euch so? Kännt öber das Gfühl vo wäge 150% aktive z'ie
und denn aber wie ines Loch z'gheite wens denn mal chli ruiger isch. Obwohl
mer das ja sicher brucht, chan ja nid immer 150% am schaffe, Usgang, Kollege,
Fründ/Fründin, Familie, Hobbies, und und und sie.
Let's talk

Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 11:02
von dex
Also ich lebe im Moment sehr Zyt versetzt was iteile vo de Zyt schwerig macht. Das isch hauptsächlich wege minere Schicht Arbeit. Vor 2 Woche han i Nachtschicht gha, was bedeutet het um 24:00 Uhr go schaffe und denn am Morge 08:00 Uhr hei cho.
In dere Situation han i mini Zyt brucht um die nötigschte Sache zmache und einigermasse en Schlafryhtmus zha.
Grundsätzlich han is au s Gfühl das Zyt eifach rasset. Zack isch scho September. Isch ned ersch grad no July gsi?
Zwischedörre muess mehr sich aber Zyt näh und eifach chli chille. Han derbi aber au ned sGfühl das ich öpis verpasse oder so well das bruchts au. Isch vo mir us gsi e sehr wichtige Zyt well mehr den am beschte cha Nachedenke. Und sich Gedanke zmache über sis eigene Lebe find i sehr wichtig und cha zu wechtige Erkentnisse führe.
Aber ned zviel Denke

Mehr cha das au übertriebe hehe
Gruess
Dex
Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 11:08
von Jetlag
nettes thema..
ich kenne dieses problem in diesem sinne eigentlich nicht. ich nehme mir gerne und mit voller absicht zeit für mich. obs jetzt fürs hobby oder sonst was ist. hauptsache man hat sie. ich glaube der dalai lama hat mal gesagt: "jeder sollte pro tag mind. eine stunde alleine verbringen".
was mir aber auffällt (wahrscheinlich jedem) dass die zeit einfach zu schnell läuft. besonders im alltags trott...montag mittwoch freitag...etwa so kommt mir die woche vor...und schwupps ist wieder ein monat rum. das macht mich manchmal nachdenklich. hab dann auch oft das gefühl. ich sollte mehr mit meiner zeit anfangen...muss ich bei gelegenheit mal machen, hahahaha

Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 11:28
von Melliandra
das macht mich manchmal nachdenklich. hab dann auch oft das gefühl. ich sollte mehr mit meiner zeit anfangen...muss ich bei gelegenheit mal machen, hahahaha
Hm.. das isch no intressant, will das Gfühl känni au aber wo dZiet her
näh? Wend ja abe nid 150% willsch mache und 3 Sache a eim Abig dass
au alles chasch mache.
Aber jo Ziet für sich sött mer scho ha.... nur ebe gad denn au chöne
die Ziet gnüüse.... hehe
Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 11:41
von Psymäleon
Zu diesem Thema kommt mir gerade eine Kurzgeschichte von Jostein Gaarder in den Sinn, die ich nun mal hier reinknalle.
Die Digitaluhr
Jetzt habe ich mir auch eine Digitaluhr gekauft. Mit Stunden, Minuten, Sekunden und Zehntelssekunden. Mit Jahreszahl, Monat und Wochentag. Wecken, Park- und Stoppuhr (zwei Melodien: 'Für Elise' oder 'Love Story'). Alternative Zeit, Zwölf- oder Vierundzwanzigstunden-Uhrwerk. Mit Beleuchtung. Insgesamt zwölf Funktionen.
Und für das alles habe ich achtundzwanzig Kronen bezahlt. Das war natürlich ein Schnäppchen. Geradezu nachgeschmissen. Und doch kommen mir inzwischen meine Zweifel. Ich fühle mich betrogen.
Mein Dasein ist nicht länger das, was es einmal war. Alleine schon das Wort "digital". Kalt wie Stahl ist das.
Als die Uhren einfach immer im Kreis gingen, war alles anders. Kein Anfang, kein Ende. Das Lebe als ewiges Karussell. Dann kam das Fensterchen für das Datum, dann das für den Wochentag... doch weiterhin herrschte eine zyklische Harmonie. Ich brauchte meine Uhr nur jeden zweiten Tag aufzuziehen.
Jetzt trage ich den ganzen Rest meines Lebens am Handgelenk. Alle Sekunden und Zehntelssekunden sind einprogrammiert. Selbst die Schaltjahre hat meine Digitaluhr im Griff. Sie ist vorprogrammier bis zum Jahr 2050. Dann werde ich achtundneunzig Jahre alt - oder nicht mehr sein. Mit der Digitaluhr am Handgelenk starre ich viel zu oft die Zeit an, die Sekunde, die unerbittlich in die nächste übergeht.
Ich sehe einen blinkenden Punkt vor mir, der keine Linie hinterlässt. Ich sehe einen Vogel vor mir, der in wildem Flug über den Horizont mit den Flügeln schlägt, ohne eine Spur zu hinterlassen. Ich denke an das eleatische Paradoxon: Eine Linie ist eine Abstraktion. In Wirklichkeit ist sie die Summe einer unendlichen Anzahl von Punkten. Und so ist es auch mit der Zeit. So ist es natürlich mit allem, denke ich. Es gibt keinen Strich, der von Dauer wäre.
Ich werde zum Zeugen eines erbarmungslosen Prozesses. Die Uhr kann nie mehr dieselbe werden wie gestern. Nie mehr wird es 22.15.36 Uhr am Samstag, dem 8. Februar 1985, sein.
Der Zyklus ist durchbrochen. Die Zeit der Wiederholungen ist vorbei.
Ich betrachte mein Handgelenk. Es gleicht einem Ameisenhügel. Nur der Hügel selbst steht still, ansonsten herrscht ein wildes Gewimmel. Stunden und Minuten sind vielleicht noch einigermassen solide. Doch Sekunden und Zehntelssekunden erinnern mich an Atome und Moleküle.
Wie viele Sekunden habe ich noch zu leben? Wie viele Zehntelssekunden?
Ich habe auch vorher schon eine Uhr gehabt. Doch diese Uhr hier raubt mir die Zeit. Vor meinen Augen. Und niemand greift ein. Die Digitaluhr ist eine ständige Erinnerung daran, dass alle Formen fliessend sind. Eine Bergkette ist ein Wasserfall. Eine Galaxis ist eine lodernde Flammenzunge. Die Weltseele ist so unstet wie eine Rauchschwade. Alles ist nur eine Frage der Genauigkeit des Instrumentes.
Ich kann mich nicht an die gewöhnen, du Weggefährte an meinem Handgelenk. Deine Wahrheit ist brutal. Du spuckst die Sekunden aus wie ein Maschinengewehr die Kugeln. Und du hast Arsenal genug, um dich zu bedienen, leichtsinniges Nichts.
Deine Zahlen sind die Zahlen von Toten. Dein Herzschlag ist kalt wie die Sense.
Ich finde, dass das rasen der Zeit mit dem Symbol der digitalen Zeit sehr schön dargestellt werden kann. Ob man die Zeit nun verlangsamen könnte, indem man alle Digitaluhren zerstören würde, sei mal dahin gestellt. Der (scheinbar) immer schneller werdende Lauf der Dinge ist manchmal aber eine beängstigende Sache.
Verfasst: Mo 25. Sep 2006, 11:52
von ChriSmoS
guets Thema...
i fiiinds schtrub wie sich de Umgang i de Wahrnemig vo de Ziit sich gändret hät. Me muess au inere Familie Termin mache damet mer ziit fürenand hät, das isch nur 1 chlises biespiel, aber hät minre meinig na scho grossi uswürkige @was de Chind witerge wird.
Me muess hützutags de Ziit nocheseckle, me isch underem ständige druck. Alles wa hüt neu isch, isch morn ja scho weder alt. up-to-date muess mer si. Und den de durchblick natürli bhalte. Ha imne Geo-Bricht (finden leider nöd) gläse dases eigentli 2 type vo mensche gitt. Die wo de ziit nocherenned, d.h. sie händ immer zwenig ziit, z.b. au am sunntig muess was laufe, muess mer was mache etc...den hät mer ja ziit, und dene wirds au nie langwielig. Aber das sind den gnau au die wo drüber "lätsched" das dZiit viel zschnell verbie gaht. Die andere sind die wo ned wüssed was sie mit de ziit selled astelle. isch ne langwielig und tüend sich mit kurzweilige sache "ablenke", andersiits händ den die ebe gnau ziit für chlini sache, für familie etc (soziales)......und natürli variieret vieli zwüsche dene beide Type.......
i mach mer jedefalls au oft gedanke meg de ziit...das sie sGröschte Gschenck cha sie aber au de gröscht feind...i denk momentan drängt üs dZiit ine soziali isolation ine...will ja keine me ziit für de ander hät, me hät ja selber keini etc....
Verfasst: Mi 4. Okt 2006, 13:49
von frä irz
megaspannends thema
han wills mi scho länger fasziniert vor 2 jahr es abschlussprojekt zum thema ziit/ziiträise gmacht
http://zeitreise.spielfrequenz.com/ >nöm so lauffähig wiä au scho aber d linx sind nachwievor guät
min vorsatz dezue (egal öbi grad s gfühl ha d ziit rast oder bliibt stah) isch immer s positive z gseh ide ziit und so vill wies nur gaht das z mache was ich würklli wott und womi wiiterbringt.... wänn mer das bewusst macht chunnts ganz guäät

Verfasst: Di 19. Dez 2006, 22:26
von Bhabrâ
Ziit isch relativ.
Verfasst: Di 26. Dez 2006, 22:36
von Käpten Hirni
da in guatemala ezestiert keine zeit..da lebt man!
Verfasst: Fr 29. Dez 2006, 13:56
von milosz
Sehr interessantes Thema.
Allen die sich dafür interessieren, wie dieses Thema soziologisch zu fassen getrachtet wird, kann ich das Buch "Beschleunigung" von Hartmut Rosa empfehlen.
Persönlich habe ich das Gefühl, dass da noch mehr dran ist, als was Rosa in seinem Buch beschreibt, aber es ist sicher ein guter Ausgangspunkt für eine fundierte Diskussion zum Thema.
In diesem Sinne wünsche ich allen fürs neue Jahr: mehr Zeit für die wichtigen Sachen im Leben

Verfasst: Mo 1. Jan 2007, 18:20
von Cat
Käpten Hirni hat geschrieben:da in guatemala ezestiert keine zeit..da lebt man!
;o))) G'nüsses i dem Fall! *neidisch-bin*
...finde zu diesem Thema, man muss halt einfach einige Prioritäten setzen, wie man das in vielen Bereichen des Lebens tun sollte. Einfach 'mal in sich gehn und überlegen, was mir am wichtigsten ist. Wir leben nun 'mal in einer sehr schnelllebigen Zeit. Nicht nur Gebrauchsartikel sind zum Wegwerfartikel geworden. Die ganz fundamentalen Dinge des Lebens, wie eben die Zeit, werden aufgestückelt und aufgeteilt. Man will ALLES haben, ALLES erreichen, ÜBERALL dabei sein! ;o(
Es wird wohl nicht mehr all zu lange gehn, und wir bezahlen für Dinge, wie Zeit und Liebe, bei Wasser und Luft ist es ja quasi schon soweit... *grübel*