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Sklaventreiber Musik
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:05
von Josh
Hi alle
Mein Vater fragte mich eines Tages folgendes, als er in mein Zimmer trat und ich in voller Wonne die Soundanlage Goa spielen liess:
"Wieso hören junge Leute, die in der heutigen Gesellschaft schon im Berufsleben unter hohem Druck und Stress leiden, in ihrer Freizeit diese Sklaventreiber Musik?"
Mit "Sklaventreiber Musik" meinte er den antreibenden Bass und all die nervösen, verspielten Effekte (wie in einer Gefangenengaleere, in welcher im Takt der Trommeln gerudert wird).
Ich habe immer wieder über diese Frage nachgedacht, aber irgendwie nie so recht eine Antwort darauf finden können.
Bin ich "süchtig" nach Stress und *will* von äusseren Einflüssen angetrieben werden? Bin ich schon so dekadiert durch unsere Gesellschaft?
Wieso höre ich dann aber auch oft Goa, wenn ich vollkommen ruhig bin (ich habe kein Problem, zu Goa einzuschlafen)?
Wieso schalte ich, wenn ich von einer Arbeitswoche todmüde nachhause komme und nur noch Ruhe haben möchte, meistens als erstes die Soundanlage ein und geniesse Goa? Übertönt es vielleicht auch die negativen Seiten im realen Leben?
Hat das Eine mit dem Anderen überhaupt etwas gemeinsam?
Was sagt ihr dazu? Irgendwie beschäftigt mich diese Frage doch immer wieder...
Grüsse
Josh
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:52
von Aman
Tach Josch
Ja ja unser Alten. Hab da ein kleines Beischpiel, zu meinem paps, als ich zu meinem 20sten Geburtstag die Klangstrahler Party mit Sam machte, legte ich zum ersten mal vor publikum auf. gott war ich schlecht. Jedenfalls kam mein paps zum DJ pult und shakte ab, mit einem big smile. Als er sich die ganze Party und das volk mal betrachtet hatte, kam er zu mir und sagte, "weisst du wenn man diese Musik aus deinem Zimmer in voller lautstärke hört kann es einem ziemlich auf den sack gehn, doch wenn er all diese Leute in ihrer zufriedenheit sehe, dann erinnere ihn das an den Uhrtrieb des Menschen. All dies eingeborenen Stämme, wenn die mal richtig in die Pauken hauen und wie wild im kreis herum hüpfen dann gibt das eine energie die sich niemand erklähren kann es ist einfach der ausdruck eines bestimmten Volkes, deren gefühle und erlebnisse. Und bei unserer Generation und bei der zuvor sozusagen bei jeder, ist das nicht anders. Wir geben wieder was wir fühlen und wie wir die Welt anschauen. Und mit der Sklaventreiber Musik hat dein Paps meiner meinung nach absolut recht, wir sind Sklaven, Sklaven eines Systems über das wir absolut keine Kontrolle haben und die Wut aber auch unser Liebe wird in einer ganz speziellen Weise zum Ausdruck gebracht. Denn die Freiheit ist und war schon immer des Menschens grösster Wunsch, doch in wirklichkeit ist niemand frei solange er nicht das tun darf was er will, doch dies ist nicht so einfach, auf einem Planeten mit 6Milliarden Menschen. Es würde in einem chaos enden, weil wir nie gelernt haben wie man wirklich frei lebt.
Es gibt ein ganz gutes Buch von einem schweizer schriftsteller namens René Egli, es Heisst LOLA die bedeutung für LOLA ist loslassen. Dieser Schriftsteller hat es geschaff ein buch zu schrieben das in seinen worten und begründungen sehr einfach und verständlich ist. Dieses Buch beschreibt sehr schön die heutige gesellschaft und deren zu kompliziertes Denken. Unsere Bevölkerung, hauptsächlich die des Westens, hat das gefühl man könne die ganze welt in eine Formel packen und berechnen. Naja viel glück hierbei, man sieht ja wohin es führt.
Zerbrich dir jedenfalls nicht zufest den Kopf über die Sklaventreiber Musik, wir alle sind auf irgend eine weise Sklaven wenn nicht von uns selbst, dann von jemandem anderen.
Ich wünsch dir auf jeden fall Hals und Beinbruch in deinem zukünftigen Leben, und tu das was du für richtig hältst, denn jeder weiss was richtig ist wenn er auf sich selbst hört, jeder mensch ist einzigartig und desshalb so wertvol.
Peace
Liebe deinen nächsten wie dich selbst, nur dich immer etwas mehr.
Greezzzzz
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:11
von Josh
Meine Eltern kommen aus der Hippie-Generation, und sie sind sehr aufgeschlossen gegenüber Mythologie, Spiritualismus etc.
Ihnen würde die Art von Goa-Partys sicher auch gefallen (die freakigen Leute, die lächelnden Gesichter, Dekos, Natur...), aber ich weiss nicht, ob sie sich mit der Musik anfreunden könnten. Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Obwohl die Goa-Bewegung in der Schweiz sehr hippieähnlich ist, so ist Psytrance von Flower-Power-Musik halt doch meilenweit entfernt ("california dreamiiiiiiin.... lalala"

)...
Den allgegenwärtigen Marihuanageruch würden sie aber bestimmt gleich wieder erkennen ("wir haben das damals halt auch mal probiert"... so nennen sie das

).
Das Buch tönt sehr spannend. Hab's mal in meine "Books2read" Liste aufgenommen.
Grüsse
Josh
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:23
von olli
da kann ich aman nur recht geben, dass wir alle sklaven sind.
aber juckt doch niemanden oder?
wir glauben doch an unseren freien willen, den es lt. neuesten ergebnissen der hirnforschung sowieso nicht gibt.
ich finde dazu schopenhauer sehr interessant:
http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer
"Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist; wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: Denn nur wenn man allein ist, ist man frei."
also lieber ein sklave von irgendwelchen dingen/personen - als frei und einsam.... und ob ein sklaven dasein negativ ist, kommt doch auch immer auf die perspektive bzw. einstellung an

Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:42
von industrialsun
olli hat geschrieben: also lieber ein sklave von irgendwelchen dingen/personen - als frei und einsam....
da bin ich mir aber nicht so sicher. (das soll aber jetzt keine grundsatzdiskussion werden

Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:50
von ChriSmoS
frei isch sowieso sones geils wort! definitione defo gönnd wiit usenand!
me cha ja frei im handle si, frei im geischt etc.....chan echt au freiheit es gift sie @olli? *gg* guet isch zwar keis "ding" aber dfrag hät was...
i denke au das dmensche släbe reflektiere, somit au goa bsuecher, trance dancers und all andere...dReflektione sind hald überall anderscht will jede chli anderscht interpretiert....i denke also au das din dad recht hät! was hät den din Opa zu dim Vater sim sound gseit *g*?
sklave cha me ja mit resonanz vergliiche....du stahsch sowieso immer in resonanz zu allem was um dich ume isch...und: Alles was du hesch, hät au dich, think about it...
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:57
von Josh
was hät den din Opa zu dim Vater sim sound gseit *g*?
das weissi ned, aber er het mal verzellt, dass er illegalerwiis amigs winnetou büecher gläse het, und wenn öper cho isch het er schnell s schuelbuech füregno...

andere zeiten, andere sitten... oder so.
du stahsch sowieso immer in resonanz zu allem was um dich ume isch...und: Alles was du hesch, hät au dich
findi e gueti ussag!
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 15:25
von @fire
Ja, das loslassen ist so eine Thematik udn denke das dies sehr mit Sklaverei zu tun hat. Wir machen uns zu sehr abhängig, nicht nur vom materiellen sondern auch in dem was uns umgibt, teils sogar sehr von Personen, was mir schon widerfahren ist.
Goa=Sklaventreibermusik,......naja, wenn man nur auf den Bass hört, könnt man sicherlich auch auf der Strasse eine Galeere fortbewegen *fg*.
Ich hör meistens den Sound, wenn ich in Bewegung blieben will, beim aufräumen, putzen udgl. Zum entspannen ist Goa und was dazu gehört nicht unbedingt mein Ding, da es, wie Joshs Vater gesagt hat, sehr treibend und stressig sein kann, aus welchem Blickwinkel man es auch sehen vermag.
sehr gute Zitate von Chris und Olli, gefällt mir sehr gut und wirklich "weisend" in eine gute Richtung, welche aber nicht jeder zu verstehen mag.
peace
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 15:38
von olli
industrialsun hat geschrieben:olli hat geschrieben: also lieber ein sklave von irgendwelchen dingen/personen - als frei und einsam....
da bin ich mir aber nicht so sicher. (das soll aber jetzt keine grundsatzdiskussion werden

hey, du hast mich falsch zitiert.. finde ich - wenn schon, dann das noch mit der perspektive
ja aber stopp und aus - wer will schon sklave sein... bzw. wer wills schon zu geben

Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 17:27
von CyBird
Aman hat geschrieben:
die bedeutung für LOLA ist loslassen.
Stimmt so nicht ganz, die "Formel" LOLA (das zweit L steht im Quadrat, wie in der Algebra) ausgeschrieben lautet wie folg:
Loslassen Liebe (im Quadrat) und Aktion.
Das Buch ist auf jedenfall empfehlenswert!
Slkaventreibermusik haben diejenigen die ins Militär durften, beim ersten Einrücken auch zu hören bekommen (bei uns wars so)....
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 20:04
von Jetlag
von wegen sklaverei, finde es eher tragisch als angemessen wie ihr diesen ausdruck verharmlost und auf syndrome wie stress und überarbeitung reduziert! egal, der grund warum unsere eltern goa nicht "verstehen" ist schlicht und einfach ein generations konflikt. techno ist eine junge kultur mit der wir aufwachsen/aufgewachsen sind. eltere jahrgänge filtern einfach den kickbass raus und stufen diesen als hektisch und nervös ein. doch eigentlich sind bässe ja nur der puls von einem goatrack, die seele ist der aufbau, der groove und die melodien welche von "oldies" gerne übersehen werden weils ja eh nur bumtze bumtze macht. diesen unterschied spiegelt einfach die tatsache dass es 1950 hald noch keinen techno gab. und bekanntlich festigt sich ja die persönlichkeit während oder nach der pubertät. den die persönlchkeit einer person entscheidet schlussendlich ob jemandem etwas zusagt od. nicht. ich persönlich habs aufgegeben den leuten versuchen goa zu "erklären". entweder man hat das feingefühl, den geschmack und die neigung die goa rhytmik zu checken, oder man lässts sein.
obwohl um ganz ehrlich zusein, es gibt schon goa producer, da klingt der sound, als ob der artist ein klavier die treppe runter schmeisst und anschliessend mit dem panzer drüber fährt. da begreiffe ich dann die einstellung meiner eltern wieder. aber vielleicht werd ich auch nur langsam alt .

Verfasst: Do 13. Okt 2005, 06:35
von Aman
@CyBird
hast recht wollte es einfach kurz und bündig sagen da man meiner meinung nach das buch erst lesen muss um das Liebe im qudrat wirklich zu verstehn.
Verfasst: Do 13. Okt 2005, 06:41
von Käpten Hirni
Goa und musik....hmmmm*amkopfkratz*..na ja asichtssach sägi da mal..het sicher was mit musik ztue:-)
Aso i gang mittlerwil sit ca. 6 Jahr oder meh a so Feschter, und han mir sit därä Ziit no nie e CD kauft, ja han scho mal eini Gschenkt übercho oder so aber i persönlich wür da zügs nid no di hei lose. Für zu Hause findi gits 1000 anderi geili sache zum sich jeh nach stimmig inezieh. Aber ebe jedem das seine:-) Doch Sklaventreibend findi das ganz und gar nid us minere perspektive...Für mich isch e Party mit Goa nid meh und nid weniger als es Geils fescht, wenns verbii isch hani au gnueg vo dem sound und chan ohni zitterige warte bis sich widermal e glägäheit bütet für e Party:-)= ääähm...um was isches eigendli gange??..Ach ja und freiheit und so...hmm..anders thema..
Na ja släbä isch doch en fette bass...bumsshakra:-)
Proscht
Verfasst: Do 13. Okt 2005, 12:03
von dex
Janis sais:
"Freedom ist just a other word for nothing left to lose"
Ich denke du verbindest die Goa musik auch immer mit deinen Partyerlebnissen. Sklaventreiber Musik ist übertrieben, es ist Tanzmusik die genau darum treibend sein muss. Allerdings finde ich nicht das es die richtige Musik zum entspannen ist. Eine Zeit lang kann man non stop Goa hören aber irgendwann hört man von selbst damit auf. Spätestens nach der Party landet die Sphoongle oder Doors CD im Player
Wenn ich das Wort Sklaventreiber Musik höre denke ich automatisch an ein Schiff aus der Römerzeit mit Padeln und dem Trommler in der Mitte. Ich denke das er da eine Verbindung gesehen hat zwischen dem tiefen Goa Bass und dem dumpfen monotonen trommeln.
Gruss
Dex
Verfasst: Sa 15. Okt 2005, 12:56
von Psymäleon
Obwohl ich seit Jahren hauptsächlich Goa höre, kann ich Leute verstehen, die mit diesem Sound (Techno im allgemeinen) nicht anfangen können. Die Musik ist sehr treiben und hat durch ihren (meistens) ungebrochenen Rhythmus schon ein wenig Ähnlichkeit mit dem Getrommle auf einer römischen Galeere. Dennoch ist der Vergleich mehr als überspitzt.
Vielleicht ist aber doch mehr daran. Denn am Morgen bringt mich (den Sklaven) nichts besser in Schwung, als einen schönen, satten und treibenden Bass. Und so bin ich bereit, um den ganzen Tag im Stollen für meinen Sklaventreiber zu schuften.
Nun aber doch noch etwas ernster zu den ganzen Äusserungen über Freiheit und Sklaven des Systems. Nur mal so als Gedankenanstoss:
Die Menschen fühlen sich frei, wenn sie das tun können, was sie wollen. Dass das Wollen nicht frei, sondern determiniert ist, spielt für dieses Gefühl keine Rolle. Unsere Gedanken oder Wünsche scheinen von nirgendwo aufzutauchen, sie kommen uns plötzlich.
Kann also keiner anders als er ist? Und ist das wirklich Freiheit?