Fasnacht - ein Erlebnisbericht
Verfasst: Sa 12. Mär 2011, 22:42
Da mich das Goafieber je länger je mehr verlässt, suche ich momentan nach Alternativen, um auch mal anders Party machen zu können. So war ich vor Kurzem seit Langem wieder einmal an einem normalen Konzert. Da spielten drei Bands im Bereich zwischen französischen Chansons, Alternative-Rock und Polka-Punk. Teilweise ziemlich schräg...aber gut.
Was Fasnacht angeht...mit diesem Anlass stehe ich eigentlich seit Jahren auf Kriegsfuss. Gerade hier wo ich wohne, hat Fasnacht einen recht schlechten Ruf. Hier, im Laufental, übelste Provinz, wilder Westen, Saufkultur hoch 10. Trotzdem beschloss ich, am Montag abend an die Weiberfasnacht zu gehen. Irgendwie dachte ich, dass vielleicht alles nur Vorurteile sind, dass die Fasnacht vielleicht gar nicht so primitiv ist wie ich sie all die Jahre in Erinnerung hatte.
Ich fuhr also etwa um halb neun abends nach Laufen und betrat sogleich eine Bar, die mir empfohlen wurde, das "Vibes". Die Stimmung war noch relativ verhalten, auch wenn aus den Lautsprechern schon recht laut AC/CD, Status Quo und Motörhead dröhnten. Ich muss vielleicht noch sagen, dass ich als ewiger Single hoffte, an der Weiberfasnacht mit einer schönen Frau in Kontakt zu kommen. Denn gerade dafür ist die Weiberfasnacht eben auch bekannt. Nur...ich hätte eigentlich selber drauf kommen können: Die Frauen, die an die Fasnacht gehen, sind auch nach 4 Litern Bier nicht die Frauen, die ich suche. Aber dazu später.
Ich sass also da, an der Bar, kam irgendwie ins Gespräch mit einem alten, schwergewichtigen Typen, der sämtliche Hardrock-Songs die da liefen in- und auswendig kannte und schon recht einen sitzen hatte und versuchte irgendwie, in Stimmung zu kommen. Dies gelang mir aber nicht. Auch nach einem Liter Bier nicht. Ich war schon im Begriff, wieder nach Hause zu gehen, bestellte aber noch eine Dose Bier und beschloss, einen kleinen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Dort fand gerade ein Guggen-Konzert statt. Das Strassenpflaster war über und über mit Konfettis übersäät (durch den Tag fuhr der Umzug quer durch die Altstadt) und greti und pleti war auf den Beinen. Ich wagte einen Blick in die "Kulturbar Bären". Nach einem zehnminütigen Aufenhalt in dem langgezogenen Raum musste ich meine Vorstellung einer "Druggete", wie man im Baselbiet sagt, überarbeiten. Die Bar war dermassen vollgestopft, dass wer sich nur einige Meter in dem Getümmel vorangewagt hat, nicht mehr so schnell rauskommen konnte. Aber echt, so ein extremes Getümmel habe ich noch nie erlebt!!!
Eigentlich wollte ich im Bären nach einer Kollegin suchen, die sich dort aufgehalten hatte. Es war aber schlicht unmöglich, in dem kleinen Raum jemanden zu finden. Schliesslich beschloss ich noch einen letzten Blick ins Vibes zu werfen und dann wieder nach Hause zu gehen. Auf dem Weg dorthin traf ich den Leadgitarristen und Sänger der Dirty-Rock'n'Roll-Band "The Möles", den ich schon an einigen Konzerten und Saufgelagen getroffen hatte. Er hatte sich als "The Dude" aus dem Film The Big Lebowski verkleidet, was auch sehr gut zu seiner Person passt, mit dem Unterschied, dass er den White Russian in der Regel durch Bier und Hanf austauscht. Mit ihm zusammen war ein Typ aus dem Fürstentum Liechtenstein, der mir gleich eine Schnupfdose hinstreckte. Als notorischer Vielschnupfer war ich darüber natürlich sehr erfreut. Der Abend konnte also beginnen. Die nächsten 2-3 Stunden verbrachten wir im Vibes. Das Bier floss in Strömen und der Liechtensteiner ratterte einen Schnupfspruch nach dem anderen runter. Zuerst waren da noch einige Fräuleins in Sailor-Moon-Kostümen, die allerdings wohl aufgrund der aggressiven Flirteigenschaften des Liechtensteiners schon bald reissaus nahmen. Ich fragte mich schon bald: Ist das so Sitte in Liechtenstein, dass man gleich zu einer Frau hingeht, sie umarmt und sofort auf den Mund küsst? Du kannst doch nicht so offensiv auf eine Frau zugehen, das geht doch nicht. Im späteren Verlauf des Abends zeigte sich, dass das sehr wohl geht und dass ich das Niveau der Fasnacht eben doch gröbstens überschätzt hatte. Aber um sich Gedanken über das Niveau der Fasnacht zu machen, dafür war es bereits zu spät. Nachdem wir eine unbekannte Menge Bier zu uns genommen hatten, schlurften wir wieder in die Altstadt. Dort betraten wir den übelsten Schuppen im ganzen Städtchen. Dabei handelte es sich um ein riesiges, rosarotes Zelt, das von Weitem wie ein Striplokal aussah. Darin befand sich ein grosser Dancefloor und eine Bar. Der Dancefloor war ähnlich vollgestopft wie der Bären und aus den Boxen dröhnte unsäglich hässlicher Popmüll. Ich hielt es nicht lange aus und verliess den Laden alleine.
Nachdem ich entdeckt hatte, dass der Bären beim Hinterausgang eine kleine Veranda hat, fand ich dort die Kollegin, die ich vor einigen Stunden gesucht hatte. Sie und eine Kollegin von ihr waren allerdings nur kurz draussen um eine zu rauchen und gingen sogleich wieder rein. Ich selber lehnte dankend ab und ging wieder ins Vibes.
Und dort holte mich die Vergangenheit ein. Denn ein Kollege von mir legte Progi auf. Da noch einige andere Menschen aus meinem Bekanntenkreis dort waren, beschloss ich, das Umpaumpa zu ertragen.
Etwa um vier Uhr morgens erwachte ich unter einem Billardtisch im oberen Stockwerk des Vibes. Unten lief immer noch irgendwas zwischen Psy und Progi...immerhin besser als vorher. Nachdem ich ein wenig mitgewippt hatte, ging ich wieder ins Städtchen und wagte noch einmal einen Blick ins rosarote Zelt. Dort war immernoch absolute Hochstimmung. Ich blieb sogar eine Weile, kam kurz ins Gespräch mit einer hübschen Indianerin aus Bern, die an der Bar arbeitete und tanzte ein wenig. Ich merkte schnell, dass jedes einzelne Individuum in dieser Menschenmenge ratze-kübel-hackevoll war. Aber die Stimmung war trotzdem irgendwie genial, wohl auch, weil ich selber noch die Nachwirkungen von Ziegelhof und Co. verpürte. Irgendwann torkelten zwei als Steinzeitmenschen verkleidete Typen neben mir vorbei. Der eine hatte einen riesigen Mammutzahn auf der Schulter. Diese Erscheinung war für mich so DER Impuls zur Erkenntnis: Boah, Fasnacht ist primitiv, aber so primitiv, dass es schon wieder unheimlich Spass macht. Dieses Hochgefühl verflog aber sehr rassig, als plötzlich brauner, schleimiger Dünnschniss aus den Lautsprechern quoll und das Zelt im Nu überflutete. Da hatte doch tatsächlich einer "Anton aus Tirol" laufen lassen. Und damit nicht genug. Fortan lief nur noch Ballermann-Quark vom Feinsten. Als mir die Kacke schon bis zum Hals stand, verliess ich das Zelt panikartig. Etwa bis um 8 Uhr pendelte ich nur noch ziel- und planlos umher und nahm dann den Bus nach Hause.
Auch am nächsten Abend ging ich wieder nach Laufen, diesmal blieb ich aber nüchtern und merkte sehr bald, dass mir der Scheiss gehörig auf den Sack geht. Um halb elf war ich bereits wieder zuhause.
Fazit: Fasnacht ja, aber nur besoffen.
Was Fasnacht angeht...mit diesem Anlass stehe ich eigentlich seit Jahren auf Kriegsfuss. Gerade hier wo ich wohne, hat Fasnacht einen recht schlechten Ruf. Hier, im Laufental, übelste Provinz, wilder Westen, Saufkultur hoch 10. Trotzdem beschloss ich, am Montag abend an die Weiberfasnacht zu gehen. Irgendwie dachte ich, dass vielleicht alles nur Vorurteile sind, dass die Fasnacht vielleicht gar nicht so primitiv ist wie ich sie all die Jahre in Erinnerung hatte.
Ich fuhr also etwa um halb neun abends nach Laufen und betrat sogleich eine Bar, die mir empfohlen wurde, das "Vibes". Die Stimmung war noch relativ verhalten, auch wenn aus den Lautsprechern schon recht laut AC/CD, Status Quo und Motörhead dröhnten. Ich muss vielleicht noch sagen, dass ich als ewiger Single hoffte, an der Weiberfasnacht mit einer schönen Frau in Kontakt zu kommen. Denn gerade dafür ist die Weiberfasnacht eben auch bekannt. Nur...ich hätte eigentlich selber drauf kommen können: Die Frauen, die an die Fasnacht gehen, sind auch nach 4 Litern Bier nicht die Frauen, die ich suche. Aber dazu später.
Ich sass also da, an der Bar, kam irgendwie ins Gespräch mit einem alten, schwergewichtigen Typen, der sämtliche Hardrock-Songs die da liefen in- und auswendig kannte und schon recht einen sitzen hatte und versuchte irgendwie, in Stimmung zu kommen. Dies gelang mir aber nicht. Auch nach einem Liter Bier nicht. Ich war schon im Begriff, wieder nach Hause zu gehen, bestellte aber noch eine Dose Bier und beschloss, einen kleinen Rundgang durch die Altstadt zu machen. Dort fand gerade ein Guggen-Konzert statt. Das Strassenpflaster war über und über mit Konfettis übersäät (durch den Tag fuhr der Umzug quer durch die Altstadt) und greti und pleti war auf den Beinen. Ich wagte einen Blick in die "Kulturbar Bären". Nach einem zehnminütigen Aufenhalt in dem langgezogenen Raum musste ich meine Vorstellung einer "Druggete", wie man im Baselbiet sagt, überarbeiten. Die Bar war dermassen vollgestopft, dass wer sich nur einige Meter in dem Getümmel vorangewagt hat, nicht mehr so schnell rauskommen konnte. Aber echt, so ein extremes Getümmel habe ich noch nie erlebt!!!
Eigentlich wollte ich im Bären nach einer Kollegin suchen, die sich dort aufgehalten hatte. Es war aber schlicht unmöglich, in dem kleinen Raum jemanden zu finden. Schliesslich beschloss ich noch einen letzten Blick ins Vibes zu werfen und dann wieder nach Hause zu gehen. Auf dem Weg dorthin traf ich den Leadgitarristen und Sänger der Dirty-Rock'n'Roll-Band "The Möles", den ich schon an einigen Konzerten und Saufgelagen getroffen hatte. Er hatte sich als "The Dude" aus dem Film The Big Lebowski verkleidet, was auch sehr gut zu seiner Person passt, mit dem Unterschied, dass er den White Russian in der Regel durch Bier und Hanf austauscht. Mit ihm zusammen war ein Typ aus dem Fürstentum Liechtenstein, der mir gleich eine Schnupfdose hinstreckte. Als notorischer Vielschnupfer war ich darüber natürlich sehr erfreut. Der Abend konnte also beginnen. Die nächsten 2-3 Stunden verbrachten wir im Vibes. Das Bier floss in Strömen und der Liechtensteiner ratterte einen Schnupfspruch nach dem anderen runter. Zuerst waren da noch einige Fräuleins in Sailor-Moon-Kostümen, die allerdings wohl aufgrund der aggressiven Flirteigenschaften des Liechtensteiners schon bald reissaus nahmen. Ich fragte mich schon bald: Ist das so Sitte in Liechtenstein, dass man gleich zu einer Frau hingeht, sie umarmt und sofort auf den Mund küsst? Du kannst doch nicht so offensiv auf eine Frau zugehen, das geht doch nicht. Im späteren Verlauf des Abends zeigte sich, dass das sehr wohl geht und dass ich das Niveau der Fasnacht eben doch gröbstens überschätzt hatte. Aber um sich Gedanken über das Niveau der Fasnacht zu machen, dafür war es bereits zu spät. Nachdem wir eine unbekannte Menge Bier zu uns genommen hatten, schlurften wir wieder in die Altstadt. Dort betraten wir den übelsten Schuppen im ganzen Städtchen. Dabei handelte es sich um ein riesiges, rosarotes Zelt, das von Weitem wie ein Striplokal aussah. Darin befand sich ein grosser Dancefloor und eine Bar. Der Dancefloor war ähnlich vollgestopft wie der Bären und aus den Boxen dröhnte unsäglich hässlicher Popmüll. Ich hielt es nicht lange aus und verliess den Laden alleine.
Nachdem ich entdeckt hatte, dass der Bären beim Hinterausgang eine kleine Veranda hat, fand ich dort die Kollegin, die ich vor einigen Stunden gesucht hatte. Sie und eine Kollegin von ihr waren allerdings nur kurz draussen um eine zu rauchen und gingen sogleich wieder rein. Ich selber lehnte dankend ab und ging wieder ins Vibes.
Und dort holte mich die Vergangenheit ein. Denn ein Kollege von mir legte Progi auf. Da noch einige andere Menschen aus meinem Bekanntenkreis dort waren, beschloss ich, das Umpaumpa zu ertragen.
Etwa um vier Uhr morgens erwachte ich unter einem Billardtisch im oberen Stockwerk des Vibes. Unten lief immer noch irgendwas zwischen Psy und Progi...immerhin besser als vorher. Nachdem ich ein wenig mitgewippt hatte, ging ich wieder ins Städtchen und wagte noch einmal einen Blick ins rosarote Zelt. Dort war immernoch absolute Hochstimmung. Ich blieb sogar eine Weile, kam kurz ins Gespräch mit einer hübschen Indianerin aus Bern, die an der Bar arbeitete und tanzte ein wenig. Ich merkte schnell, dass jedes einzelne Individuum in dieser Menschenmenge ratze-kübel-hackevoll war. Aber die Stimmung war trotzdem irgendwie genial, wohl auch, weil ich selber noch die Nachwirkungen von Ziegelhof und Co. verpürte. Irgendwann torkelten zwei als Steinzeitmenschen verkleidete Typen neben mir vorbei. Der eine hatte einen riesigen Mammutzahn auf der Schulter. Diese Erscheinung war für mich so DER Impuls zur Erkenntnis: Boah, Fasnacht ist primitiv, aber so primitiv, dass es schon wieder unheimlich Spass macht. Dieses Hochgefühl verflog aber sehr rassig, als plötzlich brauner, schleimiger Dünnschniss aus den Lautsprechern quoll und das Zelt im Nu überflutete. Da hatte doch tatsächlich einer "Anton aus Tirol" laufen lassen. Und damit nicht genug. Fortan lief nur noch Ballermann-Quark vom Feinsten. Als mir die Kacke schon bis zum Hals stand, verliess ich das Zelt panikartig. Etwa bis um 8 Uhr pendelte ich nur noch ziel- und planlos umher und nahm dann den Bus nach Hause.
Auch am nächsten Abend ging ich wieder nach Laufen, diesmal blieb ich aber nüchtern und merkte sehr bald, dass mir der Scheiss gehörig auf den Sack geht. Um halb elf war ich bereits wieder zuhause.
Fazit: Fasnacht ja, aber nur besoffen.