unreleased
Verfasst: Mi 16. Mär 2005, 13:11
vorab: ich hab mir lange überlegt folgenden beitrag in dieses forum zu schreiben. vielleicht ist er zu lang, vielleicht ist er daneben, vielleicht fühlen sich viele auf den schlips getreten, vielleicht interessiert es keine sau, vielleicht vielleicht vielleicht...
******************
so, das möcht ich jetzt trotzdem mal loswerden, und hier passts wohl besser rein als in die top ten vom miguz.
erstmal find ichs gut, dass das thema hier behandelt wurde. ich hab nun auch mal die andere seite der unreleased-geschichte gesehen, nämlich dass es für einige eine möglichkeit ist, werbung zu betreiben (zB mein freund der einen track gemacht hat und der dann in meiner top ten als "unrel." erscheint).
ich möchte hier aber was ansprechen, was mich viel gewichtiger dünkt als das leidige download-thema:
in meinen augen geht es bei einer top ten primär darum, dass andere einen eindruck davon kriegen was ich so für sound spiele. ich habe früher top ten listen immer ein wenig belächelt, ich mein, das sind doch einfach nur "goa charts" die die welt nicht braucht... inzwischen wurde ich selber schon von leuten um meine aktuellen top ten gebeten, damit sie sich für oder gegen ein booking entscheiden können. das ist auch der grund warum ich auf meiner page top ten führe. so gesehen macht es keinen sinn, eine masse an "unrel"-tracks in die top ten zu nehmen, denn die kennt ja keine sau. und dass ein artist am band weg nur gute musik produziert ist extrem selten, ich habe jedenfalls noch kein album ausser einigen wenigen perlen (shpongle, zB) gehört, auf welchem JEDER track gut war.
nachdem das gesagt ist - ich möchte im folgenden niemandem zu nahe treten oder persönlich angreifen. sollte sich jemand angegriffen fühlen, so soll er sich überlegen wieso und mir dies sagen. Gerne lasse ich mich auch eines besseren belehren, erweitert meinen horizont wo nötig. ich kann alles nur aus meiner sicht beurteilen, und vielleicht bin ich ja zu subjektiv um zu merken, dass alles nur blanker neid ist was nun folgt ;)
Ich habe das gefühl, dass die unrel-geschichte ein teil des problems ist, dass parties nur noch konsumiert werden (also nicht dass die tracks dazu führen, sondern umgekehrt). ich habe manchmal den eindruck die leute gehen an parties wie wenn sie ins kino gehen würden. ich gehe hin, drücke 20 mäuse ab, und will dafür was geboten kriegen. unterhaltet mich, stellt mir die geilsten acts hin, spielt nur die musik die ich grad am geilsten finde (und die ich noch nie gehört habe), etc. ich bilde hier selber sicher keine ausnahme. zusammen mit parties wird auch der sound konsumiert, ich sehs ja bei mir selber. die unreleased geschichte scheint mir die spitze dieses konsumierens zu sein. immer auf der suche nach dem neuesten, exklusivsten, noch nicht gehörten soundkick... ich kenne leute, die buchen nur djs, welche auch eine ordentliche portion an unveröffentlichten tracks im köfferchen haben. klar ist es immer spannender musik zu hören die man noch nicht kennt. aber diese entwicklung finde ich auch aus persönlichen überzeugungen nicht gut. klar kann ich auch mal total dekadent abfeiern, nur cüpli trinken, den neuesten sound hören und mit 100er-noten die zigarette anzünden (naja, wunschträume *g*).
ausserdem eignet sich das unrel-zeugs natürlich super, um sich damit zu profilieren und einen auf "ich bin so geil und hab den neusten sound den du noch nicht hast" zu machen. das ist jetzt überspitzt dargestellt, klar, aber ich habe trotzdem oft wenn einer unrel-tracks in seinen tops hat dieses gefühl. ich weiss natürlich, dass das nicht immer so sein kann, und wenn ich von einem artist einen track kriege und den gut finde, darf ich den doch auch in die tops nehmen, egal ob veröffentlicht oder nicht. trotzdem glaube ich, dass in einigen (*g*) fällen der profilierungsfaktor eine rolle spielt. das problem ist: das funktioniert sogar. die leute fahren drauf ab und es zieht. genauso wie es zieht, wenn man sich zwei turntables und ein mischpult von vestax kauft, drei platten beim psyshop bestellt und dann rumgeht und sich DJ nennt und erzählt wen man alles kennt. oder wenn man sich ein terabyte unveröffentlichte tracks zieht und sich dann damit brüstet.
wieso mich das alles beschäftigt, und warum es mich stört: ich habe die erfahrung gemacht, dass nicht talent das entscheidende ist um ein gutes booking zu kriegen. talent ist ein faktor unter anderen. genauso wichtig ist auch das marketing der eigenen person und die beziehungen. einer der talentlos ist kann trotzdem immer die geilsten bookings haben, weil ihm zB die anlage gehört die an der party steht. oder weil er die party selber macht. oder weil er der beste kollege vom veranstalter ist, und weil die eine-hand-wäscht-die-andere taktik funktioniert. ich buche den der diese party macht, und er bucht dann mich im gegenzug. das geht so weit, dass mir partyorganisatoren sagen dass sie eigentlich nicht mehr zu ihrer org gehören wollen, weil die jetzt extra nur noch die und die acts buchen, weil sie wissen dass die beziehungen haben und man von diesen beziehungen gerne profitieren möchte. ich brauche nicht zu erklären was ich daran nicht gut finde, oder? die geschichte mit den unrel-tracks gehört für mich in die selbe kategorie. ich würde es am liebsten sehen, wenn es nur darum ginge was ein dj kann, und nicht wer er ist, wie er sich produziert, oder wie viele tracks er in möglichst kurzer zeit runterladen kann. jaja, die welt ist nicht so, ich weiss schon, und die ganze partyszene macht da keine ausnahme. es wäre aber trotzdem schön wenn solche faktoren eine weniger wichtige rolle spielen würden.
nun, das ist meine meinung zu dem thema, ich musste die jetzt einfach mal kundtun.
ich wünsche mir für die zukunft, dass diejenigen djs bekannt werden, welche wirklich was drauf haben. die, welche ein ohr für gute musik haben, die offen sind, denen es um die liebe zur musik geht, und nicht um die liebe zum applaus. anerkennung ist etwas schönes, und ich geniesse es auch, wenn man mir sagt dass ich meine sache gut gemacht habe. aber am anfang steht doch immer die musik. ich gehe an parties, weil diese musik mich anspricht, und mir viel gibt und bedeutet. wenn ich einen geilen track höre, dann ziehen sich meine mundwinkel nach oben und ich fange an zu grinsen, und mein hirn schüttet serotonin aus. in erster linie möchte ich das mit den leuten teilen. ich lege auf, weil ich einen kick draus kriege, wenn ich mich beim mixen im sound verliere, und die leute sich in derselben welle verlieren, und jeder track der mich zum grinsen bringt kommt auch so bei den leuten an. dann entsteht dieser magische moment um den es mir geht, das kann mit 10 leuten oder mit 500 leuten passieren, das macht keinen unterschied. klar geniesse ich die anerkennung, wenn ich ein geiles set spiele und die leute danken mir nachher dafür, das ist schön. aber im endeffekt steht doch der dj einfach nur da und lässt platten laufen, mehr nicht (aber auch nicht weniger). da ist es mir peinlich wenn leute dann so tun als wäre ich deswegen etwas besonderes...
naja, schlussendlich ... weiss auch nicht. manchmal höre ich mir dieses ich-bin-de-geilscht gerede an, und denke mir "hey mann, kannst ihn ja grad auspacken und fragen ob meiner länger ist..." als würds darum gehen.
so. jetzt hab ichs gesagt. ich weiss dass die welt anders funktioniert, abgesehen davon hab ich von nicht viel ne ahnung. ich hab keine ahnung was richtig und was falsch ist, trotzdem wäre es mir lieber, wenn gewisse dinge anders laufen würden. ich möchte auch nicht falsch verstanden werden, wenn jetzt einer viele artists kennt und von denen unreleaste tracks kriegt, dann ist das ok wenn er nur so zeugs spielt, oder die tracks auch in die top nimmt. solange es nicht in egowichserei ausartet und er es zB. in jedem zweiten satz erwähnen muss ;)
das fazit von all dem was ich da geschrieben habe für mich ist: in meinen augen kann ein guter dj auch tracks spielen die ich alle schon oft gehört habe und gut kenne, und sein set wird mich am ende immer noch mehr begeistern, als einer der nicht gut auflegen kann und das durch die exklusivste musik kompensieren möchte. ich höre lieber einem dj gogo zu, dessen musik mir als ich ihn das letzte mal hörte zu 60% NICHT gefiel, der aber dafür richtig geil auflegte, als einem der nur meine lieblingstracks spielt aber diese nicht richtig zusammenkriegt (ok, wenn wirklich alles meine lieblingstracks sind, dann mache ich eine ausnahme *g*).
na, ich hoff ihr wisst wie ich was meine, und sonst dürft ihr mich gerne mit der proseccoflasche erschlagen und mir euren mp3-fileserver in den arsch schieben ;)
und hey - vielleicht seh ich ja auch alles völlig falsch, das schliesse ich nicht aus!
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so, das möcht ich jetzt trotzdem mal loswerden, und hier passts wohl besser rein als in die top ten vom miguz.
erstmal find ichs gut, dass das thema hier behandelt wurde. ich hab nun auch mal die andere seite der unreleased-geschichte gesehen, nämlich dass es für einige eine möglichkeit ist, werbung zu betreiben (zB mein freund der einen track gemacht hat und der dann in meiner top ten als "unrel." erscheint).
ich möchte hier aber was ansprechen, was mich viel gewichtiger dünkt als das leidige download-thema:
in meinen augen geht es bei einer top ten primär darum, dass andere einen eindruck davon kriegen was ich so für sound spiele. ich habe früher top ten listen immer ein wenig belächelt, ich mein, das sind doch einfach nur "goa charts" die die welt nicht braucht... inzwischen wurde ich selber schon von leuten um meine aktuellen top ten gebeten, damit sie sich für oder gegen ein booking entscheiden können. das ist auch der grund warum ich auf meiner page top ten führe. so gesehen macht es keinen sinn, eine masse an "unrel"-tracks in die top ten zu nehmen, denn die kennt ja keine sau. und dass ein artist am band weg nur gute musik produziert ist extrem selten, ich habe jedenfalls noch kein album ausser einigen wenigen perlen (shpongle, zB) gehört, auf welchem JEDER track gut war.
nachdem das gesagt ist - ich möchte im folgenden niemandem zu nahe treten oder persönlich angreifen. sollte sich jemand angegriffen fühlen, so soll er sich überlegen wieso und mir dies sagen. Gerne lasse ich mich auch eines besseren belehren, erweitert meinen horizont wo nötig. ich kann alles nur aus meiner sicht beurteilen, und vielleicht bin ich ja zu subjektiv um zu merken, dass alles nur blanker neid ist was nun folgt ;)
Ich habe das gefühl, dass die unrel-geschichte ein teil des problems ist, dass parties nur noch konsumiert werden (also nicht dass die tracks dazu führen, sondern umgekehrt). ich habe manchmal den eindruck die leute gehen an parties wie wenn sie ins kino gehen würden. ich gehe hin, drücke 20 mäuse ab, und will dafür was geboten kriegen. unterhaltet mich, stellt mir die geilsten acts hin, spielt nur die musik die ich grad am geilsten finde (und die ich noch nie gehört habe), etc. ich bilde hier selber sicher keine ausnahme. zusammen mit parties wird auch der sound konsumiert, ich sehs ja bei mir selber. die unreleased geschichte scheint mir die spitze dieses konsumierens zu sein. immer auf der suche nach dem neuesten, exklusivsten, noch nicht gehörten soundkick... ich kenne leute, die buchen nur djs, welche auch eine ordentliche portion an unveröffentlichten tracks im köfferchen haben. klar ist es immer spannender musik zu hören die man noch nicht kennt. aber diese entwicklung finde ich auch aus persönlichen überzeugungen nicht gut. klar kann ich auch mal total dekadent abfeiern, nur cüpli trinken, den neuesten sound hören und mit 100er-noten die zigarette anzünden (naja, wunschträume *g*).
ausserdem eignet sich das unrel-zeugs natürlich super, um sich damit zu profilieren und einen auf "ich bin so geil und hab den neusten sound den du noch nicht hast" zu machen. das ist jetzt überspitzt dargestellt, klar, aber ich habe trotzdem oft wenn einer unrel-tracks in seinen tops hat dieses gefühl. ich weiss natürlich, dass das nicht immer so sein kann, und wenn ich von einem artist einen track kriege und den gut finde, darf ich den doch auch in die tops nehmen, egal ob veröffentlicht oder nicht. trotzdem glaube ich, dass in einigen (*g*) fällen der profilierungsfaktor eine rolle spielt. das problem ist: das funktioniert sogar. die leute fahren drauf ab und es zieht. genauso wie es zieht, wenn man sich zwei turntables und ein mischpult von vestax kauft, drei platten beim psyshop bestellt und dann rumgeht und sich DJ nennt und erzählt wen man alles kennt. oder wenn man sich ein terabyte unveröffentlichte tracks zieht und sich dann damit brüstet.
wieso mich das alles beschäftigt, und warum es mich stört: ich habe die erfahrung gemacht, dass nicht talent das entscheidende ist um ein gutes booking zu kriegen. talent ist ein faktor unter anderen. genauso wichtig ist auch das marketing der eigenen person und die beziehungen. einer der talentlos ist kann trotzdem immer die geilsten bookings haben, weil ihm zB die anlage gehört die an der party steht. oder weil er die party selber macht. oder weil er der beste kollege vom veranstalter ist, und weil die eine-hand-wäscht-die-andere taktik funktioniert. ich buche den der diese party macht, und er bucht dann mich im gegenzug. das geht so weit, dass mir partyorganisatoren sagen dass sie eigentlich nicht mehr zu ihrer org gehören wollen, weil die jetzt extra nur noch die und die acts buchen, weil sie wissen dass die beziehungen haben und man von diesen beziehungen gerne profitieren möchte. ich brauche nicht zu erklären was ich daran nicht gut finde, oder? die geschichte mit den unrel-tracks gehört für mich in die selbe kategorie. ich würde es am liebsten sehen, wenn es nur darum ginge was ein dj kann, und nicht wer er ist, wie er sich produziert, oder wie viele tracks er in möglichst kurzer zeit runterladen kann. jaja, die welt ist nicht so, ich weiss schon, und die ganze partyszene macht da keine ausnahme. es wäre aber trotzdem schön wenn solche faktoren eine weniger wichtige rolle spielen würden.
nun, das ist meine meinung zu dem thema, ich musste die jetzt einfach mal kundtun.
ich wünsche mir für die zukunft, dass diejenigen djs bekannt werden, welche wirklich was drauf haben. die, welche ein ohr für gute musik haben, die offen sind, denen es um die liebe zur musik geht, und nicht um die liebe zum applaus. anerkennung ist etwas schönes, und ich geniesse es auch, wenn man mir sagt dass ich meine sache gut gemacht habe. aber am anfang steht doch immer die musik. ich gehe an parties, weil diese musik mich anspricht, und mir viel gibt und bedeutet. wenn ich einen geilen track höre, dann ziehen sich meine mundwinkel nach oben und ich fange an zu grinsen, und mein hirn schüttet serotonin aus. in erster linie möchte ich das mit den leuten teilen. ich lege auf, weil ich einen kick draus kriege, wenn ich mich beim mixen im sound verliere, und die leute sich in derselben welle verlieren, und jeder track der mich zum grinsen bringt kommt auch so bei den leuten an. dann entsteht dieser magische moment um den es mir geht, das kann mit 10 leuten oder mit 500 leuten passieren, das macht keinen unterschied. klar geniesse ich die anerkennung, wenn ich ein geiles set spiele und die leute danken mir nachher dafür, das ist schön. aber im endeffekt steht doch der dj einfach nur da und lässt platten laufen, mehr nicht (aber auch nicht weniger). da ist es mir peinlich wenn leute dann so tun als wäre ich deswegen etwas besonderes...
naja, schlussendlich ... weiss auch nicht. manchmal höre ich mir dieses ich-bin-de-geilscht gerede an, und denke mir "hey mann, kannst ihn ja grad auspacken und fragen ob meiner länger ist..." als würds darum gehen.
so. jetzt hab ichs gesagt. ich weiss dass die welt anders funktioniert, abgesehen davon hab ich von nicht viel ne ahnung. ich hab keine ahnung was richtig und was falsch ist, trotzdem wäre es mir lieber, wenn gewisse dinge anders laufen würden. ich möchte auch nicht falsch verstanden werden, wenn jetzt einer viele artists kennt und von denen unreleaste tracks kriegt, dann ist das ok wenn er nur so zeugs spielt, oder die tracks auch in die top nimmt. solange es nicht in egowichserei ausartet und er es zB. in jedem zweiten satz erwähnen muss ;)
das fazit von all dem was ich da geschrieben habe für mich ist: in meinen augen kann ein guter dj auch tracks spielen die ich alle schon oft gehört habe und gut kenne, und sein set wird mich am ende immer noch mehr begeistern, als einer der nicht gut auflegen kann und das durch die exklusivste musik kompensieren möchte. ich höre lieber einem dj gogo zu, dessen musik mir als ich ihn das letzte mal hörte zu 60% NICHT gefiel, der aber dafür richtig geil auflegte, als einem der nur meine lieblingstracks spielt aber diese nicht richtig zusammenkriegt (ok, wenn wirklich alles meine lieblingstracks sind, dann mache ich eine ausnahme *g*).
na, ich hoff ihr wisst wie ich was meine, und sonst dürft ihr mich gerne mit der proseccoflasche erschlagen und mir euren mp3-fileserver in den arsch schieben ;)
und hey - vielleicht seh ich ja auch alles völlig falsch, das schliesse ich nicht aus!